Pilze, die Plastik fressen: Was Pilze und Enzyme wirklich können
Welche Pilze und Enzyme Plastik abbauen, wie schnell das geht, wie weit enzymatisches Recycling ist und warum es das Plastikproblem nicht löst.
Veröffentlicht am Aktualisiert am
Von Johanna Jung · aktualisiert am · 11 Min. Lesezeit
Das Wichtigste in Kürze
Der Pilz Pestalotiopsis microspora zersetzt Polyurethan, beschrieben 2011.
Das Leipziger Enzym PHL7 baut 90 % einer PET-Schale in 16 Stunden ab.
Carbios plant eine Enzym-Anlage für 50.000 t PET im Jahr; der Bau ruht.
Das sind rund 0,85 % der 5,9 Mio. t Kunststoffabfälle in Deutschland.
Was bedeutet es, wenn Pilze Plastik fressen?
Ein Pilz „frisst“ Plastik, wenn er mit Enzymen die langen Molekülketten eines Kunststoffs in kleine Bausteine zerlegt und diese als Nahrung nutzt. Dieser Artikel behandelt den biologischen Abbau von Kunststoff; wie aus Pilzgeflecht ein neues Material für Verpackungen und Dämmung entsteht, erklärt die Seite Plastik aus Pilzen: Verpackung und Dämmung aus Myzel.
Kunststoffe bestehen aus Polymeren, also Ketten aus Tausenden gleicher Bausteine. Die Weltproduktion erreichte 2024 rund 431 Mio. t (Plastics Europe). Viele dieser Ketten kommen in der Natur so nicht vor, deshalb haben Mikroorganismen kaum passende Werkzeuge. Einige Pilze und Bakterien besitzen aber Enzyme, die bestimmte chemische Bindungen spalten, vor allem Esterbindungen. Kunststoffe mit solchen Bindungen, etwa PET (Getränkeflaschen, Polyesterfasern) und manche Polyurethane (Schaumstoffe, Lacke), sind deshalb biologisch angreifbar. Polyethylen und Polypropylen, die mengenmäßig größten Kunststoffe für Folien, Tüten und Becher, bestehen dagegen aus reinen Kohlenstoffketten und werden kaum abgebaut.
Welche Pilze und Bakterien bauen Kunststoff ab?
Die bekanntesten Plastik-Abbauer sind der Pilz Pestalotiopsis microspora für Polyurethan, der Schimmelpilz Aspergillus tubingensis für Polyester-Polyurethan und das Bakterium Ideonella sakaiensis für PET. Alle drei wurden im Labor unter günstigen Bedingungen untersucht, nicht in der freien Natur.
Bekannte Organismen und Enzyme, die Kunststoff abbauen
wächst auf Polyurethan als einziger Kohlenstoffquelle, auch ohne Sauerstoff
Aspergillus tubingensis
Schimmelpilz
Polyester-Polyurethan
Mülldeponie Islamabad, Pakistan; 2017
zersetzt Polyurethan-Folie innerhalb von Wochen bis rund zwei Monaten
Ideonella sakaiensis (PETase)
Bakterium
PET
PET-Recyclinghof Sakai, Japan; 2016
baut eine dünne, wenig kristalline PET-Folie bei 30 °C in rund sechs Wochen fast vollständig ab
LCC, optimiert (Carbios)
Enzym aus Kompost-Metagenom
PET
Carbios und Universität Toulouse; 2020
90 % Depolymerisation in 10 Stunden bei rund 72 °C
PHL7
Enzym aus Kompost-Metagenom
PET
Südfriedhof Leipzig; Universität Leipzig, 2021/2022
90 % einer PET-Schale in 16 Stunden bei 65 bis 70 °C
Pilze greifen vor allem Polyurethane an, die schnellsten PET-Abbauer sind Enzyme aus Kompost, die heute im Labor optimiert und nicht als lebende Organismen eingesetzt werden. Quellen: Russell et al. 2011, Khan et al. 2017, Yoshida et al. 2016, Tournier et al. 2020, Universität Leipzig 2022.
Die Entdeckung von Pestalotiopsis microspora geht auf eine Exkursion von Studierenden der Yale University in den ecuadorianischen Regenwald zurück; die Studie erschien 2011 in der Fachzeitschrift Applied and Environmental Microbiology. Dass der Pilz auch ohne Sauerstoff wächst, weckte Hoffnungen für Deponien. Eine Anwendung in der Abfallwirtschaft gibt es bis heute nicht. Aspergillus tubingensis stammt von einer Deponie in Pakistan und wurde 2017 in der Fachzeitschrift Environmental Pollution beschrieben. Auch Schülerinnen und Schüler forschen an dem Thema: Bei Jugend forscht wurden insektenpathogene Pilze auf ihr Potenzial zum Kunststoffabbau untersucht.
Wie zerlegen Enzyme wie PETase, LCC und PHL7 den Kunststoff PET?
Enzyme wie PETase, LCC und PHL7 sind Hydrolasen: Sie spalten mit Wasser die Esterbindungen im PET und zerlegen den Kunststoff in seine beiden Grundbausteine Terephthalsäure und Ethylenglykol. Aus diesen Bausteinen lässt sich neues PET in Neuwarequalität herstellen.
Am besten arbeiten diese Enzyme bei 65 bis 72 °C, knapp unter der Temperatur, bei der PET weich wird. Dann sind die Molekülketten beweglich und für das Enzym erreichbar. Eine Grenze bleibt: Die Enzyme greifen vor allem amorphes, also ungeordnetes PET an. Flaschen und Fasern sind teilweise kristallin und müssen vorher gemahlen, aufgeschmolzen und schnell abgekühlt werden. Diese Vorbehandlung kostet Energie und ist einer der Gründe, warum die Technik teurer ist als mechanisches Recycling.
Fallbeispiel
Universität Leipzig: Enzym PHL7 vom Südfriedhof (Stand 2022)
Fundort: Komposthaufen auf dem Leipziger Südfriedhof; PHL7 war das siebte von sieben untersuchten Enzymkandidaten (Pressemitteilung 16.05.2022)
Abbau: 90 % des PET in 16 Stunden; das Referenzenzym LCC schaffte im selben Versuch 45 %, PHL7 ist damit doppelt so aktiv
Eine Weintrauben-Schale aus PET war in weniger als 24 Stunden zersetzt; Arbeitstemperatur 65 bis 70 °C in wässriger Lösung
Grenze laut Team: Bislang funktioniert der Abbau nur bei amorphem PET, nicht bei stärker kristallinem PET wie in Flaschen
Veröffentlichung in ChemSusChem; gefördert über die EU-Projekte MIPLACE und ENZYCLE; Ziel war ein Prototyp in zwei bis drei Jahren
Einordnung
Was der Fall zeigt
Der Leipziger Fund zeigt, dass Kompost eine Schatzkammer für Enzyme ist und dass deutsche Grundlagenforschung international mithält. Er zeigt nicht, dass Pilze oder Bakterien Plastik in der Umwelt beseitigen: PHL7 arbeitet isoliert, im Reaktor, bei rund 70 °C und mit vorbehandeltem Material. Der Schritt vom Laborversuch mit einer Obstschale zur Anlage mit Zehntausenden Tonnen gemischter Abfälle ist der eigentliche Engpass, wie der Fall Carbios zeigt. Für Leser heißt das: Meldungen über „Rekordenzyme“ sind Fortschritte beim Recycling, keine Lösung für Plastik in Wald und Meer.
Wie schnell bauen Pilze Plastik in der Natur ab?
In der Natur bauen Pilze Plastik sehr viel langsamer ab als im Labor, meist über Jahre bis Jahrzehnte und oft nur an der Oberfläche. Die Laborwerte von Wochen oder Stunden gelten für ausgewählte Stämme, dünne Folien, konstante Wärme, Feuchte und Nährlösung.
Drei Faktoren bremsen den Abbau draußen. Erstens die Temperatur: Enzyme wie PHL7 brauchen rund 70 °C, ein Waldboden in Deutschland hat im Jahresmittel unter 15 °C. Zweitens die Oberfläche: Ein Organismus kann nur an der Außenseite angreifen; eine dicke Flasche bietet im Verhältnis zur Masse wenig Fläche. Drittens die Zusammensetzung: Zusatzstoffe, Farben und Mischkunststoffe verlangsamen den Abbau. Die Angabe „87 % Abbau in drei Tagen“ aus einem Schülerprojekt, die früher in diesem Artikel stand, beschrieb einen Laborversuch unter optimierten Bedingungen und lässt sich nicht auf Müll übertragen.
Auch Kunststoffe, die als „biologisch abbaubar“ verkauft werden, brauchen dafür bestimmte Bedingungen. Die Norm EN 13432 verlangt für industriell kompostierbare Verpackungen mindestens 90 % Abbau innerhalb von sechs Monaten bei rund 58 °C in einer Kompostieranlage. Im Garten, im Boden oder im Meer gilt diese Zusage nicht. Welche Kunststoffalternativen es gibt und was „biobasiert“ von „biologisch abbaubar“ unterscheidet, zeigt der Überblick Alternativen zu Plastik im Vergleich.
Wie weit ist enzymatisches Recycling in der Industrie?
Enzymatisches Recycling funktioniert im Demonstrationsmaßstab, eine Großanlage gibt es in Europa noch nicht. Das französische Unternehmen Carbios plant in Longlaville die erste Anlage für 50.000 t PET-Abfall im Jahr; der Bau ruht seit Anfang 2025, weil die Finanzierung noch nicht steht (Stand September 2026).
Fallbeispiel
Carbios, Frankreich: Anlage Longlaville (Stand September 2026)
Technik: optimiertes Enzym LCC, 2020 in Nature veröffentlicht (90 % Abbau von PET in 10 Stunden); Demonstrationsanlage in Clermont-Ferrand
Geplante Kapazität: 50.000 t aufbereiteter PET-Abfall pro Jahr, nach Unternehmensangabe so viel wie 300 Mio. T-Shirts; Baukosten rund 230 Mio. € zuzüglich Anlaufkosten; 42,5 Mio. € öffentliche Mittel vertraglich gesichert (just-style, 08.04.2026)
Zeitplan: Grundsteinlegung April 2024; Bau seit Anfang 2025 unterbrochen; im März 2026 peilte Carbios den Abschluss der Finanzierung im dritten Quartal 2026 und den Produktionsstart im ersten Halbjahr 2028 an (Carbios, 30.03.2026); im August kündigte das Unternehmen an, dass der Abschluss erst nach dem 30.09.2026 erfolgt (Carbios, 03.08.2026)
Halbjahr 2026: Kreditausschüsse der meisten Banken haben zugestimmt, Exportkreditversicherer und Eigenkapitalpartner prüfen noch; Vorverträge über bis zu 60 % der Kapazität in Aussicht; Kassenbestand rund 48 Mio. € (Halbjahresbericht, 24.09.2026)
Lizenzmodell: Partnerschaft mit Wankai New Materials in China (Dezember 2025), Gemeinschaftsunternehmen für eine lizenzierte Anlage
Einordnung
Was der Fall zeigt
Carbios zeigt, dass die Biologie gelöst ist und die Wirtschaftlichkeit nicht. Nach unserer Rechnung kostet die Anlage rund 4.600 € Investition je Tonne Jahreskapazität, bevor Energie, Enzyme und Vorbehandlung bezahlt sind. Recyceltes PET muss sich am Preis von Neuware aus Erdöl messen, und Banken verlangen für eine Erstanlage abgesicherte Abnahmeverträge. Dass die erste lizenzierte Anlage nun in China entstehen könnte, während das Pionierwerk in Frankreich wartet, ist für die europäische Industriepolitik ein Warnsignal. Für Einkäufer heißt das: Enzymatisch recyceltes PET wird bis Ende der 2020er-Jahre nur in kleinen Mengen verfügbar sein.
Neben Carbios arbeiten weitere Unternehmen und Forschungsgruppen an Enzymen für PET, Polyamid und Polyurethan. Für Polyethylen und Polypropylen gibt es bislang kein Enzym, das industriell nutzbar wäre. Wie sich enzymatisches, chemisches und mechanisches Recycling in der Chemiebranche ergänzen, beschreibt die Seite zur Dekarbonisierung der Chemieindustrie.
Warum lösen plastikfressende Pilze das Plastikproblem nicht?
Plastikfressende Pilze und Enzyme lösen ein Recyclingproblem für PET, nicht das Plastikproblem. Selbst die geplante Carbios-Anlage könnte nur rund 0,85 % der Kunststoffabfälle verarbeiten, die allein in Deutschland in einem Jahr anfallen.
goClimate-Rechnung
goClimate-Rechnung: Wie viele Enzym-Anlagen bräuchte man?
Kapazität Carbios Longlaville
50.000 t PET-Abfall pro Jahr (geplant)
Kunststoffabfälle Deutschland 2023
5,91 Mio. t (Conversio/UBA)
Anteil einer Anlage an den deutschen Abfällen
rund 0,85 %
Anlagen dieser Größe, wenn alle deutschen Kunststoffabfälle PET wären
rund 118
Kunststoffproduktion weltweit 2024
rund 431 Mio. t (Plastics Europe); eine Anlage entspräche rund 0,01 %
Für die deutschen Kunststoffabfälle eines Jahres bräuchte es rechnerisch rund 118 Anlagen der Carbios-Größe, und das nur, wenn alles PET wäre. So haben wir gerechnet: 50.000 t ÷ 5,91 Mio. t = 0,85 %; 5,91 Mio. t ÷ 50.000 t = 118; 50.000 t ÷ 431 Mio. t = 0,012 %. Annahme: volle Auslastung; tatsächlich ist nur ein Teil der Abfälle PET, der Rest (Polyethylen, Polypropylen, Mischkunststoffe) ist enzymatisch heute nicht verwertbar.
Hinzu kommt der Weg des Mülls. Enzyme arbeiten nur mit gesammeltem, sortiertem und vorbehandeltem Material. Plastik, das in Böden, Flüssen und Meeren verteilt ist, erreichen sie nicht. In Deutschland wurden 2023 knapp 38 % der Kunststoffabfälle werkstofflich verwertet und rund 61 % verbrannt (Conversio). Die größten Hebel bleiben deshalb weniger Kunststoff, Mehrweg und bessere Sammlung. Wie Mehrwegsysteme funktionieren, zeigt der Artikel über Mehrwegflaschen und ihre Umlaufzahlen; aktuelle Abfallmengen stehen in der Müll-Statistik für Deutschland.
Kann sich Schimmel in Plastik fressen?
Schimmel kann auf Kunststoff wachsen und weiche Kunststoffe wie Silikonfugen, Duschvorhänge oder Weich-PVC durchwachsen und dauerhaft verfärben, er frisst festes Plastik aber nicht in nennenswertem Umfang auf. Meist ernährt er sich von Schmutz, Seifenresten und Weichmachern an der Oberfläche.
Die schwarzen Punkte in einer alten Silikonfuge sitzen deshalb oft im Material und lassen sich nicht mehr abwischen. Die Fuge ist dann nicht „aufgefressen“, sondern besiedelt; sie muss erneuert werden. Bei einer Plastikdose mit verschimmeltem Inhalt reicht in der Regel gründliches Spülen, bei tiefen Kratzern oder weichen Deckeln ist Austausch sicherer. Für Schimmel in Wohnungen gilt der Leitfaden des Umweltbundesamts: Ursache (Feuchte) beseitigen, befallenes Material entfernen.
Welche Risiken entstehen, wenn Pilze auf Mikroplastik wachsen?
Mikroplastik im Boden kann zum Lebensraum für Pilze werden, darunter auch Krankheitserreger. Forschende der Universität Bayreuth fanden 2021 in Proben aus Kenia, dass sich auf Mikroplastik andere und teils krankheitserregende Pilze ansammeln als in der Umgebung.
Die Studie von Gkoutselis und Kollegen in Scientific Reports untersuchte Kunststoffpartikel an fünf Orten im Bezirk Siaya. Auf dem Plastik fanden sich Hefen und Schimmelpilze, die Menschen und Tiere infizieren können, deutlich häufiger als im umgebenden Boden. Die Forschenden sprechen von einer „Plastisphäre“, einem eigenen Lebensraum. Für die Debatte über plastikfressende Pilze folgt daraus: Pilze auf Plastik sind nicht automatisch Helfer, und die gezielte Freisetzung von Organismen in die Umwelt wäre ein Eingriff mit unbekannten Folgen. Der Weg führt über Enzyme in geschlossenen Anlagen.
Was bedeutet das für Unternehmen und Verbraucher?
Unternehmen sollten Abbau-Versprechen nicht als Klimastrategie für Verpackungen behandeln: Entscheidend sind weniger Material, Mehrweg und Rezyklat, das die EU-Verpackungsverordnung ab 2030 mit Mindestquoten vorschreibt. Verbraucher erreichen mehr durch Vermeiden und richtiges Trennen als durch „abbaubare“ Produkte.
Rechtsrahmen: Die EU-Verpackungsverordnung (PPWR) gilt seit 12.08.2026. Ab 2030 müssen kontaktempfindliche PET-Verpackungen mindestens 30 % Rezyklat enthalten. Enzymatisch recyceltes PET kann hier künftig helfen, weil es Lebensmittelqualität erreicht; verfügbar ist es bis dahin kaum. Details stehen im Überblick zu Plastikalternativen und Verpackungsrecht.
Bilanz: Eingekaufte Verpackungen gehören zu Scope 3, Kategorie 1. Wer Rezyklat einsetzt, sollte den Emissionsfaktor des Lieferanten anfordern und angeben, ob mechanisch, chemisch oder enzymatisch recycelt wurde. Wie Scope 3 in der Lieferkette erfasst wird, beschreibt die Seite zur Dekarbonisierung der Lieferkette.
Kommunikation: Seit 27. September 2026 verbietet das UWG unbelegte allgemeine Umweltaussagen. „Biologisch abbaubar“ ohne Angabe von Bedingungen und Norm ist riskant; die Regeln erklärt die Seite zu Greenwashing und Umweltaussagen.
Haushalt: Plastik gehört in die Gelbe Tonne bzw. den Gelben Sack, nicht auf den Kompost, auch wenn „kompostierbar“ draufsteht. Den eigenen Fußabdruck schätzen Sie mit dem CO₂-Rechner von goClimate.
Am bekanntesten ist Pestalotiopsis microspora, ein Pilz aus dem Regenwald Ecuadors, der Polyurethan zersetzt (Yale University, 2011). Auch der Schimmelpilz Aspergillus tubingensis baut Polyester-Polyurethan ab. Für PET sind Bakterien wie Ideonella sakaiensis und Enzyme aus Kompost wie PHL7 wichtiger.
Wie schnell frisst ein Pilz Plastik?
Im Labor bauen ausgewählte Pilze dünne Kunststofffolien in Wochen bis wenigen Monaten ab, Enzyme wie PHL7 schaffen 90 % einer PET-Schale in 16 Stunden bei rund 70 °C. In der Natur dauert der Abbau wegen Kälte, wenig Oberfläche und Zusatzstoffen Jahre bis Jahrzehnte.
Kann sich Schimmel in Plastik fressen?
Schimmel kann auf Kunststoff wachsen und weiche Materialien wie Silikonfugen oder Weich-PVC durchwachsen und verfärben. Festes Plastik frisst er aber nicht in nennenswertem Umfang auf; meist lebt er von Schmutz, Seifenresten und Weichmachern an der Oberfläche.
Was ist der Unterschied zwischen Pilzen, die Plastik fressen, und Plastik aus Pilzen?
Pilze, die Plastik fressen, zersetzen vorhandenen Kunststoff mit Enzymen. Plastik aus Pilzen ist dagegen ein neues Material aus Pilzgeflecht (Myzel), das zum Beispiel Styropor in Verpackungen ersetzen kann.
Gibt es schon Recyclinganlagen mit Enzymen?
Nur im Demonstrationsmaßstab. Die erste Großanlage des französischen Unternehmens Carbios in Longlaville soll 50.000 t PET im Jahr verarbeiten; der Bau ruht seit Anfang 2025, weil die Finanzierung noch nicht abgeschlossen ist (Stand September 2026).
Lösen plastikfressende Pilze das Plastikproblem?
Nein. Sie helfen beim Recycling von PET in Anlagen, erreichen aber verstreutes Plastik in der Umwelt nicht. Eine Anlage der Carbios-Größe entspräche nach goClimate-Rechnung nur rund 0,85 % der 5,91 Mio. t Kunststoffabfälle in Deutschland (2023).