Dekarbonisierung

Der Begriff Dekarbonisierung wird zwar oft genutzt, gleichwohl können die wenigsten Menschen ihn genau definieren. Im nachfolgenden Beitrag wird Ihnen erklärt, um was es sich bei der Dekarbonisierung handelt, seit wann Fachleute den Begriff vermehrt verwenden und welcher Zweck dahintersteht. Zudem erfahren Sie:

  • Wie die Dekarbonisierung funktioniert.
  • Wann sie stattfindet.
  • Warum eine Dekarbonisierung zwingend notwendig ist.
  • Welche Maßnahmen zur Dekarbonisierung derzeit zur Verfügung stehen.

Zunächst wird die zu Beginn gestellte Frage beantwortet:

Um was genau handelt es sich bei der Dekarbonisierung?

Zum besseren Verständnis muss der Begriff zerlegt werden. Carbon ist das englische Wort für Kohlenstoff. Karbonisierung würde also einer Zuwendung zum Kohlenstoff entsprechen und die Kombination Dekarbonisierung steht für eine Abkehr vom Karbon.

Angewandt wird der Begriff hauptsächlich im Energiesektor und fast ebenso häufig im Verkehrssektor. Kohlenstoff entsteht durch die Verbrennung fossiler Energieträger wie beispielsweise Erdöl, Erdgas und Kohle. Nach der Verbrennung dieser Stoffe vermischt sich der Kohlenstoff mit Sauerstoff zu Kohlenstoffdioxid respektive CO 2. Das Kohlendioxid zählt zu den Treibhausgasen und ist mitverantwortlich für den Treibhauseffekt.

Dieser Treibhauseffekt sorgt für eine nicht gewollte Erderwärmung mit schwer kalkulierbaren Folgen für Klima und Menschen. Die Politik in Deutschland, der EU und weiten Teilen der Welt hat sich der Dekarbonisierung verschrieben. Eine weltweite Reduzierung der CO 2 Emissionen kann aus Sicht der Politiker durch das Ersetzen von CO 2-intensiven Prozessen durch CO 2-arme Verfahren erreicht werden. Der Plan nimmt die Energiewirtschaft, Unternehmen, den Verkehrssektor und jeden Verbraucher in die Pflicht. Die Energieversorger müssen den baldigen Kohleausstieg in Angriff nehmen, die Unternehmen CO 2-neutral produzieren, der Verkehrssektor muss Kohlenstoffemissionen meiden und die Verbraucher sollten ausschließlich nachhaltig entstandene Produkte kaufen.

Seit wann wird der Begriff vermehrt genutzt?

Einschlägige Quellen legen die Entstehung des Begriffs Dekarbonisierung auf das Jahr 2015 fest und bezeichnen das Schloss Elmau als Ort der ersten Verwendung. Die sieben größten Volkswirtschaften der Erde beschlossen auf dem G7 Gipfel, die globale CO 2-Neutralität bis zum Jahr 2100 herbeizuführen. Ihnen war bewusst, dass die Dekarbonisierung nur gemeinsam und konsequent durchgeführt werden konnte.

Erste Maßnahmen zur Reduzierung der Kohlenstoffemissionen wurden vorgestellt und diskutiert. Alle im Jahr 2015 nachfolgenden Events standen unter dem Ziel der Bekämpfung des Klimawandels:

  • Der Weltgipfel in New York war der nachhaltigen Entwicklung gewidmet. Es wurden der Dekarbonisierung dienende Ziele beschlossen.
  • In Paris fand die Klimakonferenz der Vereinten Nationen statt. Das Pariser Abkommen verlangt eine Reduzierung der Erderwärmung auf maximal 1,5 Grad. Zum Erreichen des gesteckten Ziels ist eine schnelle Dekarbonisierung erforderlich.

Wann findet eine Dekarbonisierung von Kohlendioxidemissionen statt?

Eine Entkarbonisierung findet immer dann statt, wenn ein Prozess mit hoher CO2-Freisetzung durch ein Verfahren mit wenig CO2-Emission ersetzt wird. Im Detail betrachtet sind dazu einander ähnelnde Maßnahmen erforderlich.

Industrie und Wirtschaft müssen ihre Treibhausgasemissionen verringern, indem sie von Kohle und Öl auf erneuerbare Energien umsteigen. Die Staaten der EU haben das Pariser Abkommen unterzeichnet und ratifiziert. Diese Vereinbarung verpflichtet alle Länder respektive Vertragsparteien zur Reduzierung der Kohlestoffemissionen. Dieses Ziel wird nur durch einen konsequenten Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen und einer Energieversorgung erreicht, die auf erneuerbaren Energien aufgebaut ist. Die Staaten der Welt müssen mit einer abgestimmten Energiepolitik auf Wirtschaft, Industrie, Verkehrssektor und Energiesektor einwirken, damit die mit dem Klimaabkommen vereinbarten Ziele fristgerecht erreicht werden.

Wie wird die Dekarbonisierung von CO 2 umgesetzt?

Verkehrssektor

Im Verkehrssektor müssen möglichst viele Fahrzeuge von Verbrennungsmotoren auf Elektroantriebe umgestellt werden. Da sich der Aufwand eines Antriebswechsels in den wenigsten Fällen lohnt, sollte die Politik Wirtschaft und Privathaushalte zum Erwerb neuer Fahrzeuge anregen. Fraglich ist in diesem Kontext, ob Kaufanreize durch Prämien geschaffen werden sollten. Problematisch ist derzeit noch die Entwicklung großer LKWs mit Elektroantrieb. Auch die aktuell möglichen Reichweiten stellen für manche Verkehrsteilnehmer noch Herausforderungen dar.

Indes funktioniert die Dekarbonisierung im Verkehrssektor nur durch das Begehen neuer Wege und dem Überwinden von Hindernissen. Es ist die gemeinsame Aufgabe von Politik und Industrie, möglichst viele Arbeitsplätze während der Dekarbonisation zu erhalten und gleichzeitig die Emissionen von Treibhausgasen zu senken. Die Politik setzt das Ziel, welches von Wirtschaft und Industrie erreicht wird.

Energiesektor

Im Energiesektor müssen alle Hersteller und Anbieter vom Kohleausstieg und der Nichtverwendung fossiler Energieträger überzeugt werden. Die Energiewende respektive Entkarbonisierung kann nur gelingen, wenn der gesamte Energiesektor entschlossen an einem Strang zieht.

Zur Verringerung von Kohlendioxid muss die Verbrennung von Kohle und Co. spürbar heruntergefahren oder idealerweise komplett eingestellt werden. Der Treibhauseffekt kann nur durch eine deutliche Verringerung der Treibhausgase gemindert oder umgekehrt werden. Die dazu erforderlichen Maßnahmen dürften für den Energiesektor keinerlei Probleme darstellen, schließlich gibt es heutzutage eine Vielzahl an regenerierbaren Energieträgern.

Haushaltssektor

Private Haushalte haben den größten Energiebedarf in den Bereichen Raumwärme und Warmwasser. Die Nutzung fossiler Energieträger ist weit verbreitet und der Ersatz durch erneuerbare Energien geht mangels Organisation langsamer vonstatten als in anderen Sektoren. Die Energiewirtschaft ist aufgefordert, den privaten Haushalten möglichst schnell Alternativen anzubieten, damit diese zeitnah von den konventionellen Energieträgern absehen.

GHD

Der Sektor Gewerbe, Handel und Dienstleistungen (GHD) hat den größten Bedarf an Energie im Bereich Raumwärme, zudem besteht indirekter Bedarf an mechanischer Energie. Auch hier könnte der Dekarbonisierung durch Umstieg auf regenerierbare Energiequellen Vorschub geleistet werden.

Industrie

Der Industriesektor emittiert direkt am meisten Kohlendioxid im Bereich Prozesswärme und indirekt im Segment mechanische Energie. Zur Verringerung der Treibhausgase in der Erd-Atmosphäre muss der Sektor zeitnah auf Klimaschutz durch Energieeffizienz und die Nutzung von alternativen Energieträgern umstellen. In allen genannten Sektoren muss der Ausstoß an CO2 deutlich verringert werden, um den Treibhauseffekt zu mindern. Das funktioniert nur durch den Abschied von fossilen Brennstoffen wie Kohle, Erdöl und Erdgas. In Bereichen, die nur langfristig einen Ausstieg aus der konventionellen Energieversorgung erlauben, muss kurz- und mittelfristig auf verringerte Kohlenstoffintensität durch Energieeffizienz gesetzt werden.

Was ist bisher passiert?

Im Juni 2015 fand der G7 Gipfel auf Schloss Elmau statt. Die Teilnehmer beschlossen:

  • Eine Reduzierung der globalen Treibhausgasemissionen um 30 bis 70 % bis zum Jahr 2050, bezogen auf den CO 2 Ausstoß von 2010.
  • Die vollständige Dekarbonisierung der Weltwirtschaft bis zum Jahr 2100.
  • 17 Ziele zur nachhaltigen Entwicklung wurden Ende September auf dem Weltgipfel in New York festgelegt.
  • Ziel 7 verlangt nachhaltige Energie für alle.
  • Ziel 13 fordert den Kampf gegen den Klimawandel.
  • Beide Ziele stehen in unmittelbarem Bezug zur Dekarbonisierung.

Die Weltklimakonferenz fand im Dezember 2015 in Paris statt. Auf dieser Konferenz wurde das Pariser Abkommen verabschiedet. Im Übereinkommen wurde die Verringerung der weltweiten CO2 Emissionen dahingehend festgelegt, die globale Erderwärmung auf maximal 1,5 Grad Celsius zu begrenzen.

Die praktische Umsetzung der Dekarbonisierung

Eine Entkarbonisierung fand auch schon weitgehend unbemerkt vor der Jahrtausendwende statt. Zwischen den Jahren 2000 und 2010 wurde eine Trendwende registriert, in Relation zu anderen Energiequellen stieg der Verbrauch an Kohle unverhältnismäßig stark an.

Die Gründe sind vergleichsweise leicht nachzuvollziehen. Staaten mit großen Vorräten an fossilen Brennstoffen sanierten mit den Verkaufserlösen ihre Haushalte. In diesen Ländern fand im Zeitraum zwischen 2000 und 2015 keine Energiewende statt, die Anteile an erneuerbaren Energien stagnierten oder sanken.

Seit der Weltklimakonferenz 2015 ist eine erneute Trendwende zu spüren. Die Staatengemeinschaft ist hinsichtlich des drohenden Klimawandels sensibilisiert und setzt das Klimaabkommen durch neue Energiepolitik um. Leider werden fossile Brennstoffe in einigen Staaten immer noch von der Politik subventioniert.

Fazit zum Thema Dekarbonisierung

Die konsequente Dekarbonisierung weltweit ist die einzige Chance, den bereits spürbaren Klimawandel noch zu verhindern oder zumindest seitens der Folgen zu mindern. Werden die dazu nötigen Prozesse nur halbherzig oder gar nicht durchgeführt, droht eine Erderwärmung von deutlich mehr als 1,5 Grad mit erheblichen Konsequenzen für Menschheit und Tierwelt. Lassen wir die Kohle in der Erde und wenden uns alternativen Energieträgern zu, sind die Treibhausgasemissionen in den Griff zu bekommen. 🌱

Bildquellen

  • Dekarbonisierung-leicht-gemacht: iStock/Melpomenem
  • Dekarbonisierung-Grafik: iStock/Animaflora