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Plastik aus Algen: Wie Seetang und Blaualgen Kunststoff ersetzen

Wie Plastik aus Algen hergestellt wird: Alginat, Seetang und PHB aus Blaualgen. Produkte wie Notpla, Projekt Mak-Pak, Abbau, Kosten, Klimabilanz.

Veröffentlicht am Aktualisiert am

Von Johanna Jung · aktualisiert am · 12 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Blaualgen können bis zu rund 80 % ihres Trockengewichts als Biokunststoff PHB speichern.
  • Notpla hat mit Seetang-Verpackungen bis 2025 über 21 Mio. Einwegartikel ersetzt.
  • Ein Notpla-Artikel ersetzt im Schnitt nur knapp 2 g Kunststoff.
  • Die Kapazität für Biokunststoffe entspricht rund 0,5 % der Kunststoffproduktion.

Was ist Plastik aus Algen?

Plastik aus Algen ist ein Sammelbegriff für Biokunststoffe und kunststoffähnliche Materialien, die aus Algen gewonnen werden: aus großen Meeresalgen (Makroalgen, Seetang) oder aus mikroskopisch kleinen Algen und Blaualgen (Mikroalgen, Cyanobakterien). Die meisten dieser Materialien sind biobasiert und biologisch abbaubar.

Einfach erklärt: Algen bauen aus Sonnenlicht, Wasser und CO₂ lange Ketten aus Zuckerbausteinen oder Fettsäuren auf, ähnlich wie Pflanzen an Land. Einige dieser Ketten verhalten sich wie Kunststoff: Sie lassen sich zu dünnen Folien, festen Schalen oder durchsichtigen Hüllen formen. Anders als normales Plastik zerfallen sie in der Natur wieder, weil Bakterien und Pilze sie als Nahrung erkennen.

Unter „Algenplastik“ fallen drei sehr verschiedene Dinge: Folien und Hüllen aus natürlichen Algen-Polymeren wie Alginat, Agar und Carrageen; der Kunststoff PHB, den Blaualgen in ihren Zellen speichern; und herkömmliche Kunststoffe, denen Algenmehl als Füllstoff beigemischt wird. Nur die ersten beiden sind echte Alternativen. Wie Algen im Vergleich zu Glas, Papier, Hanf oder Bambus abschneiden, zeigt die Übersicht Alternativen zu Plastik im Vergleich.

Wie wird Plastik aus Algen hergestellt?

Plastik aus Makroalgen wird hergestellt, indem man aus geerntetem oder gezüchtetem Seetang Polymere wie Alginat extrahiert und diese zu Folien, Hüllen oder Beschichtungen formt; Plastik aus Mikroalgen entsteht, indem Blaualgen in Bioreaktoren den Speicherstoff PHB bilden, der anschließend aus den Zellen gelöst wird.

  1. Algen anbauen oder ernten

    Braunalgen wie Laminaria wachsen an Leinen in Meeresfarmen, Grünalgen wie Meersalat (Ulva) auch in Becken an Land. Mikroalgen und Blaualgen wachsen in Photobioreaktoren, durchsichtigen Röhren oder Tanks mit Licht und CO₂.

  2. Polymer gewinnen

    Aus Braunalgen wird Alginat gelöst, aus Rotalgen Agar und Carrageen; bei Blaualgen sammelt sich PHB als Körnchen in der Zelle und wird mit Lösungsmitteln herausgelöst.

  3. Formen

    Alginat geliert mit Calcium zu einer elastischen Haut, so entstehen essbare Hüllen für Wasser oder Saucen. Getrocknete Algenmasse wird zu Schalen gepresst oder mit Fasern zu Formteilen gegossen. PHB lässt sich wie herkömmlicher Kunststoff schmelzen und spritzgießen.

  4. Beschichten und veredeln

    Für Fett- und Wasserdichtigkeit werden Pappschalen mit einer dünnen Algenschicht überzogen, statt sie mit Polyethylen zu beschichten.

Der Unterschied zur Herstellung aus Erdöl liegt vor allem im Rohstoff und im Lebensende: Algen brauchen kein Ackerland, kein Süßwasser bei Meeresanbau und keinen Dünger. Dafür sind die Materialien empfindlich gegenüber Feuchtigkeit, und die Mengen sind klein. Die frühere Angabe auf dieser Seite, Algen wüchsen „bis zu 1 m pro Tag“, beruht auf Einzelangaben für Riesentang und ist für Verpackungsalgen nicht repräsentativ.

Seetang wird in vielen Küstenregionen an Leinen im flachen Wasser gezogen; dieser Anbau braucht weder Ackerland noch Dünger. Foto: iStock/EcoPic

Was leistet die Forschung zu Bioplastik aus Blaualgen und Makroalgen?

Die Forschung hat gezeigt, dass Blaualgen große Mengen des Biokunststoffs PHB bilden können und dass sich aus heimischen Makroalgen fett- und wasserdichte Verpackungen herstellen lassen; den Sprung in die Massenproduktion hat bisher keines der deutschen Projekte geschafft.

An der Universität Tübingen veränderte die Arbeitsgruppe um Karl Forchhammer und Moritz Koch das Cyanobakterium Synechocystis so, dass es statt rund 10 % bis zu rund 80 % seines Zelltrockengewichts als PHB speichert (Koch et al., Microbial Cell Factories, 2020; Orthwein et al., PNAS, 2021). Die Bakterien brauchen dafür Licht, CO₂ und Nährsalze, aber keinen Zucker. PHB ist biologisch abbaubar und hat ähnliche Eigenschaften wie Polypropylen; für kurzlebige Verpackungen ist es geeignet. Bis zur industriellen Herstellung fehlen Reaktoren, die bei Licht große Mengen günstig produzieren.

Fallbeispiel

Mak-Pak, Bremerhaven: essbare Snackverpackung aus Makroalgen (AWI, Hochschule Bremerhaven, Nordsee; Stand öffentliche Angaben 2020)

  • Forschungsprojekt des Alfred-Wegener-Instituts, der Hochschule Bremerhaven und der Restaurantkette Nordsee seit März 2018, gefördert vom Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL)
  • Erste Gästetests in Nordsee-Filialen in Bremerhaven und Bremen am 12. und 13. Februar 2020 mit einem rund 10 × 10 cm großen Algenblatt; bewertet wurden Haptik, Geruch, Konsistenz, Aussehen und Geschmack
  • Angekündigt war damals eine reguläre Verfügbarkeit bei Nordsee „in zwei bis drei Jahren“ und ein Folgeprojekt, das den Prototyp für die industrielle Herstellung optimiert (Tageskarte, 14.02.2020)
  • Als größte Herausforderung nannte das Projektteam im September 2020, die Algenproduktion hochzuskalieren und dabei die Qualität zu halten; gesucht wurden schnell wachsende, temperaturtolerante Stämme (Packaging Insights, 23.09.2020)
Einordnung

Was der Fall zeigt

Mak-Pak zeigt, dass die Herstellung einer Verpackung aus Algen gelöst werden kann, die Menge aber nicht so schnell. Die für 2022/2023 angekündigte reguläre Einführung ist in öffentlich zugänglichen Quellen bis Oktober 2026 nicht dokumentiert. Der Engpass liegt beim Rohstoff: Algen in gleichbleibender Qualität und großer Menge zu ziehen, verlangt entweder Meeresfarmen oder Becken an Land, die Licht, Pumpen und Wärme brauchen. Für Leser folgt daraus: Bei Algenprodukten zählt, woher die Algen kommen und wie sie gewachsen sind; Meeresanbau ohne Energiezufuhr ist anders zu bewerten als Landkultur unter Lampen.

Welche Unternehmen stellen Algenplastik her?

Das bekannteste Unternehmen für Verpackungen aus Algen ist Notpla aus London, das mit Seetang beschichtete Essensschalen, essbare Hüllen und Besteck herstellt und 2022 den Earthshot Prize gewann; weitere Anbieter wie Evoware (Indonesien), Algopack (Frankreich) und Sway (USA) haben Produkte und Kleinserien vorgestellt, veröffentlichen aber kaum belastbare Mengenzahlen.

Fallbeispiel

Notpla, London: Seetang-Verpackungen für Lieferdienste und Stadien (Stand 2025/2026)

  • Gegründet von Pierre Paslier und Rodrigo García González, entstanden am Imperial College London; Earthshot Prize 2022 in der Kategorie „Build a Waste-free World“, dotiert mit 1 Mio. Pfund
  • Bis Juni 2025 über 21 Mio. Einwegartikel aus Kunststoff in Europa ersetzt; Ziel: 1 Mrd. Einheiten bis 2030
  • London-Marathon 2019: 36.000 Plastikflaschen durch essbare Ooho-Kapseln ersetzt; beim Finale der UEFA Women’s Euro 2022 im Wembley-Stadion mit Just Eat; heute über 50 Schalenformen, Einsatz in Stadien wie Tottenham Hotspur, Twickenham und der Johan-Cruijff-Arena
  • Nach niederländischen Tests 2023 laut Unternehmen die einzige kunststofffreie Alternative, die die Anforderungen der EU-Einwegkunststoffrichtlinie erfüllt; Ooho ist weiter in Entwicklung, ein Horizon-Europe-Projekt mit 4 Mio. € entwickelt einen Kaffeebecher mit Algenbeschichtung
Einordnung

Was der Fall zeigt

Notpla ist der am weitesten skalierte Algenverpackungshersteller Europas, und trotzdem bleibt die Menge klein. Nach Notplas eigenen Zahlen für 2023 (4,4 Mio. Einheiten, 8,5 t Kunststoff) ersetzt ein Artikel im Schnitt knapp 2 g Kunststoff, meist die Beschichtung einer Schale. Die 21 Mio. Artikel entsprechen damit rund 40 t Kunststoff, so viel Kunststoffverpackung, wie rund 1.150 EU-Bürger in einem Jahr verbrauchen (siehe Rechnung unten). Die Stärke liegt dort, wo Einwegverpackung kaum vermeidbar ist und oft im Müll der Veranstaltung landet: Stadien, Marathons, Lieferessen. Wer solche Verpackungen einkauft, ersetzt damit eine Kunststoffbeschichtung, nicht die Einwegschale selbst.

goClimate-Rechnung
goClimate-Rechnung: Wie viel Kunststoff ersetzen Algenverpackungen?
GrößeArtikelersetzter Kunststoff (1,9 g je Artikel)entspricht Kunststoffverpackungen von … EU-Bürgern pro JahrObergrenze bei 10 g je Artikel
Notpla bis Juni 202521 Mio.rund 40 t rund 1.150210 t, rund 5.900
Notpla-Ziel bis 20301 Mrd.rund 1.900 t rund 55.00010.000 t, rund 283.000

Selbst das Ziel von 1 Mrd. Artikeln entspräche den Kunststoffverpackungen einer Kleinstadt, bei großzügiger Annahme einer Großstadt, nicht eines Landes. So haben wir gerechnet: 8,5 t ÷ 4,4 Mio. Einheiten = 1,9 g Kunststoff je Artikel (Notpla-Angaben für 2023 beim Earthshot Prize); Artikel × 1,9 g ergibt die Masse; geteilt durch 35,3 kg Kunststoffverpackungen je EU-Bürger und Jahr (Eurostat, 2023). Die Obergrenze mit 10 g je Artikel gilt, falls künftig mehr Becher und Flaschen ersetzt werden. Quelle Artikelzahlen: Euronews nach Notpla (7. Juni 2025).

Evoware aus Indonesien presste Seetang zu Verpackungen, zum Beispiel für Instantnudel-Gewürze, überwiegend in Handarbeit und teurer als Kunststoff. Algopack aus der Bretagne verarbeitet Braunalgen zu festen Formteilen, Sway aus Kalifornien entwickelt Seetang-Folien, die auf vorhandenen Folienanlagen laufen sollen. Für keinen dieser Anbieter liegen veröffentlichte Produktionsmengen vor.

Ist Plastik aus Algen biologisch abbaubar?

Ja, Materialien aus Alginat, Agar und Carrageen sowie der Kunststoff PHB sind biologisch abbaubar; Notpla gibt für seine Produkte einen Zerfall innerhalb weniger Wochen an. Nicht abbaubar sind Kunststoffe, denen nur Algenmehl beigemischt ist: Dort bleibt der Kunststoffanteil erhalten.

Natürliche Algen-Polymere sind Bestandteil von Lebensmitteln: Alginat (E 401), Agar (E 406) und Carrageen (E 407) werden als Verdickungsmittel verwendet. Bodenbakterien und Meeresorganismen zersetzen sie wie anderes Pflanzenmaterial. PHB wird von vielen Mikroorganismen im Boden und im Wasser abgebaut, langsamer als Alginat, aber deutlich schneller als PLA, das nur in Industriekompostanlagen zuverlässig zerfällt.

Rechtlich hat das Folgen: Die EU-Einwegkunststoffrichtlinie zählt chemisch nicht veränderte Naturpolymere nicht als Kunststoff. Eine Schale mit Alginatbeschichtung kann deshalb erlaubt sein, wo eine Schale mit Kunststoffbeschichtung verboten oder kennzeichnungspflichtig ist. Für PHB gilt das nicht: Es entsteht zwar in Bakterien, wird aber als Kunststoff eingestuft. Was „biologisch abbaubar“ und „kompostierbar“ genau bedeuten, erklärt der Abschnitt über biobasierte und biologisch abbaubare Kunststoffe.

Wie klimafreundlich ist Plastik aus Algen?

Plastik aus Algen ist nur dann klimafreundlicher als Kunststoff, wenn die Algen ohne viel Energie wachsen, etwa an Leinen im Meer; bei Landkultur unter Lampen und mit Pumpen kann die Bilanz schlechter ausfallen als bei anderen Biomaterialien, und die Klimaangaben der Hersteller lassen sich bisher nicht nachprüfen.

Algen nehmen beim Wachsen CO₂ auf, doch dieser Kohlenstoff wird beim Abbau der Verpackung wieder frei. Entscheidend für die Klimabilanz sind deshalb der Energieeinsatz für Anbau, Trocknung und Extraktion sowie der Transport. Die frühere Herstellerangabe, eine Seetangfarm speichere „das 20-Fache an CO₂ wie gleich großer Wald“, bezieht sich auf das Wachstum, nicht auf das Produkt, und ist für Verpackungen nicht aussagekräftig.

goClimate-Rechnung
goClimate-Rechnung: Was Notplas eigene Klimaangabe je Kilogramm Kunststoff bedeutet (Jahr 2023)
Ersetzte Einwegartikel 20234,4 Mio.
Ersetzter Kunststoff8,5 t (rund 1,9 g je Artikel)
Angegebene vermiedene Emissionen250 t CO₂-Äq. (rund 57 g je Artikel)
Vermiedene Emissionen je kg ersetzten Kunststoffsrund 29 kg CO₂-Äq.

Je Kilogramm ersetzten Kunststoffs gibt Notpla rund 29 kg vermiedene Emissionen an, ein Vielfaches dessen, was Herstellung und Verbrennung von Standardkunststoff üblicherweise verursachen. Die Angabe muss also weitere Effekte enthalten, etwa Papier- oder Schalenmaterial, Entsorgung oder einen anderen Bezugsrahmen; ohne offengelegte Methode lässt sie sich nicht prüfen. So haben wir gerechnet: 250.000 kg ÷ 8.500 kg = 29,4; 8,5 t ÷ 4,4 Mio. = 1,9 g; 250 t ÷ 4,4 Mio. = 57 g. Quelle: Notpla-Profil des Earthshot Prize (Zahlen für 2023).

Für Mikroalgen gilt Ähnliches: Photobioreaktoren brauchen Strom für Licht, Pumpen und Kühlung. Solange der Kunststoff aus Blaualgen nur im Labor entsteht, gibt es keine belastbare Ökobilanz je Kilogramm PHB.

Was kostet Algenplastik, und wie marktreif ist es?

Algenplastik ist teurer als herkömmlicher Kunststoff und bisher nur in Nischen marktreif: Beschichtete Essensschalen und Besteck von Notpla sind erhältlich, für die Mak-Pak-Verpackung aus Bremerhaven ist eine Markteinführung öffentlich nicht dokumentiert, und PHB aus Blaualgen wird noch nicht industriell hergestellt.

Biokunststoffe insgesamt hatten 2025 eine weltweite Produktionskapazität von 2,31 Mio. t, rund 0,5 % der Kunststoffproduktion von rund 431 Mio. t (2024). Algenbasierte Materialien sind davon nur ein kleiner Bruchteil. Die Preise nennen die Hersteller nicht öffentlich; das Mak-Pak-Team nannte 2020 die Hochskalierung der Algenproduktion bei gleichbleibender Qualität als größte Herausforderung.

Unsere These: Plastik aus Algen ist eine Lösung für kurzlebige Nischen wie Saucen-Sachets, Event- und Lieferverpackungen, kein Ersatz für Massenkunststoff. Die Rechnung oben zeigt, dass selbst der größte Anbieter bis 2030 nur so viel Kunststoff ersetzen will, wie eine Kleinstadt an Kunststoffverpackungen verbraucht. Wo eine Verpackung vermieden oder durch Mehrweg ersetzt werden kann, ist das wirksamer als jedes neue Einwegmaterial.

Was bedeutet das für Unternehmen?

Für Unternehmen in Gastronomie, Veranstaltungen und Lieferdiensten können Algenverpackungen eine rechtssichere Alternative zu kunststoffbeschichteten Einwegschalen sein; sie sind teurer, ersetzen aber keine Mehrwegpflichten und rechtfertigen keine pauschalen Umweltaussagen.

  • Recht: Verpackungen aus chemisch nicht veränderten Naturpolymeren fallen nicht unter die Einwegkunststoffrichtlinie; damit können Kennzeichnungspflichten und die Abgabe in den Einwegkunststofffonds entfallen. Das ist für jedes Produkt einzeln zu prüfen, etwa anhand der Herstellererklärung.
  • Mehrwegangebot: Die Pflicht, seit 2023 neben Einwegkunststoff eine Mehrwegalternative anzubieten, betrifft Einwegkunststoffverpackungen. Eine Algenschale ersetzt Mehrweg nicht, wo Mehrweg praktikabel ist.
  • Einkauf und Bilanz: Verpackungen gehören in Scope 3, Kategorie 1. Vom Lieferanten Angaben zu Material, Gewicht und, falls vorhanden, Ökobilanz anfordern; wie Lieferanten-Daten in die Bilanz kommen, erklärt die Seite zum CO₂-Fußabdruck von Unternehmen und Produkten.
  • Kommunikation: Aussagen wie „plastikfrei“ oder „kompostierbar“ nur mit Nachweis und Bedingung verwenden; seit 27. September 2026 gelten strengere EU-Regeln gegen irreführende Umweltaussagen. Hintergrund: Greenwashing und Umweltaussagen.

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Häufige Fragen zu Plastik aus Algen

Wie wird Plastik aus Algen hergestellt?

Aus Seetang werden Polymere wie Alginat, Agar oder Carrageen gewonnen und zu Folien, Hüllen oder Beschichtungen geformt; Alginat geliert dafür mit Calcium. Blaualgen bilden in Bioreaktoren den Kunststoff PHB, der aus den Zellen gelöst und wie Kunststoff geschmolzen und geformt wird.

Ist Plastik aus Algen biologisch abbaubar?

Ja, Materialien aus Alginat, Agar und Carrageen sowie PHB sind biologisch abbaubar, Alginat-Produkte nach Herstellerangaben innerhalb weniger Wochen. Nicht abbaubar sind herkömmliche Kunststoffe, denen nur Algenmehl beigemischt ist.

Welche Firma stellt Plastik aus Algen her?

Am bekanntesten ist Notpla aus London, das Seetang-beschichtete Essensschalen, Besteck und essbare Ooho-Kapseln herstellt und bis 2025 über 21 Mio. Einwegartikel ersetzt hat. Weitere Anbieter sind Evoware (Indonesien), Algopack (Frankreich) und Sway (USA).

Ist Algenplastik besser für das Klima?

Nur, wenn die Algen ohne viel Energie wachsen, etwa an Leinen im Meer; Landkultur in beleuchteten, gepumpten Becken braucht viel Strom. Herstellerangaben zur CO₂-Ersparnis lassen sich mangels offengelegter Methode bisher nicht prüfen: Notpla nennt für 2023 rund 29 kg vermiedene CO₂-Äquivalente je kg ersetzten Kunststoffs.

Kann man Plastik aus Algen essen?

Manche Produkte ja: Ooho-Kapseln aus Alginat sind essbar, und Mak-Pak wurde als essbare Snackverpackung entwickelt. Beschichtete Pappschalen sind nicht zum Verzehr bestimmt.

Warum gibt es nicht mehr Verpackungen aus Algen?

Weil sie teurer als Kunststoff sind, Feuchtigkeit schlechter aushalten und nur in kleinen Mengen hergestellt werden. Die Kapazität für Biokunststoffe entspricht rund 0,5 % der weltweiten Kunststoffproduktion, Algenmaterialien sind nur ein Bruchteil davon.