Was zählt zu den erneuerbaren Energien und wie wird ihr Anteil gemessen?
Erneuerbare Energien sind Energiequellen, die sich in menschlichen Zeiträumen erneuern: Sonne, Wind, Wasserkraft, Bioenergie, Geothermie und Meeresenergie. Ihr Anteil wird in drei Größen gemessen, die oft verwechselt werden: installierte Leistung (GW), erzeugter Strom (TWh) und Anteil am gesamten Energieverbrauch.
Die Unterscheidung erklärt, warum für dasselbe Jahr verschiedene Prozentwerte kursieren. Nach der Internationalen Organisation für Erneuerbare Energien (IRENA) entfielen Ende 2025 rund 49 % der weltweit installierten Kraftwerksleistung auf erneuerbare Anlagen. Der Thinktank Ember misst für dasselbe Jahr einen Anteil von 33,8 % an der Stromerzeugung. Der Wert ist niedriger, weil Solar- und Windanlagen weniger Volllaststunden haben als Kohle- oder Kernkraftwerke. Am gesamten Energieverbrauch, also inklusive Wärme und Verkehr, ist der Anteil nochmals deutlich kleiner, weil dort Öl und Gas dominieren. Die frühere Angabe in diesem Artikel, rund 30 % der Primärenergie stammten aus Erneuerbaren, vermischte Strom und Primärenergie und ist entfallen.
Klimaneutral ist auch erneuerbarer Strom nicht vollständig: Herstellung, Transport und Rückbau von Modulen, Turbinen und Staudämmen verursachen Emissionen. Sie liegen aber weit unter denen fossiler Kraftwerke; Details zur Photovoltaik stehen auf der Seite zu den Emissionen von Photovoltaik. Was erneuerbare Energie im Einzelnen umfasst, erklärt der Glossarbeitrag Erneuerbare Energie.
Wie viel Prozent erneuerbare Energie gibt es weltweit?
Erneuerbare Energien erzeugten 2025 weltweit 33,8 % des Stroms, insgesamt 10.730 TWh, und lagen damit erstmals vor der Kohle mit 33,0 % (10.476 TWh). Installiert waren Ende 2025 erneuerbare Anlagen mit 5.149 GW Leistung, 692 GW mehr als im Vorjahr.
Der Zubau von 692 GW war ein Rekord und ließ den Bestand gegenüber dem Vorjahr um 15,5 % wachsen; im Jahr 2024 waren es 582 GW. Erneuerbare stellten damit 85,6 % aller weltweit neu gebauten Kraftwerksleistung (IRENA, März 2026). Auf der Erzeugungsseite meldet Ember für 2025 einen Anstieg des Strombedarfs um 849 TWh, der vollständig von emissionsarmen Quellen gedeckt wurde: Sie wuchsen um 887 TWh, die fossile Erzeugung sank um 38 TWh oder 0,2 %. Es war das erste Jahr seit 2020 ohne Zuwachs bei fossilem Strom.
Diese Werte gelten für Strom. Für das Klima zählen auch Wärme, Industrie und Verkehr, in denen fossile Energieträger noch den größten Teil liefern. Wie sich das in den Emissionen je Einwohner und Land niederschlägt, zeigt die Seite CO₂-Emissionen pro Kopf weltweit.
Welche erneuerbare Quelle wächst weltweit am schnellsten?
Die Solarenergie wächst weltweit am schnellsten: 2025 kamen 510 GW Photovoltaik hinzu, fast drei Viertel des gesamten erneuerbaren Zubaus, und die Solarstromerzeugung stieg um 636 TWh oder 30 % auf 2.778 TWh. Damit überholte Solarstrom 2025 erstmals weltweit die Windkraft.
Die Windkraft legte 2025 um 159 GW Leistung zu. Die Wasserkraft wuchs nur noch langsam, von rund 1.427 auf 1.456 GW; sie bleibt aber eine tragende Säule, weil Speicherkraftwerke steuerbar sind. Zusammen mit Bioenergie und Geothermie lieferten Wasser- und Windkraft 2025 rund 7.950 TWh, also knapp drei Viertel des erneuerbaren Stroms (eigene Rechnung aus 10.730 minus 2.778 TWh). Die frühere Aussage dieses Artikels, die Wasserkraft liefere 57,72 % des erneuerbaren Stroms, stammte aus Daten vor 2022 und ist durch den Solarboom überholt.
Ember zufolge deckte Solarstrom allein 75 % des weltweiten Nachfragezuwachses 2025, Solar und Wind zusammen 99 %. Die Technik dahinter erklären die Glossarbeiträge zum Solarkraftwerk, zum Windkraftwerk und zum Wasserkraftwerk; zur Bioenergie siehe Biomasse weltweit.
Welches Land produziert die meisten erneuerbaren Energien?
China produziert mit Abstand die meisten erneuerbaren Energien: Ende 2025 standen dort 2.258 GW erneuerbare Leistung, 44 % des Weltbestands, und allein 2025 kamen rund 440 GW hinzu. Es folgen die EU mit 779 GW, die USA mit 468 GW, Indien mit 251 GW und Brasilien mit 228 GW.
Erneuerbare Leistung und Zubau nach Ländern und Regionen (Ende 2025)
| Land/Region | Bestand Ende 2025 | Zubau 2025 | Anteil am Weltbestand | Wind und Solar an der Stromerzeugung 2025 |
| China | 2.258 GW | 440 GW | 43,9 % | 22 % |
| Europäische Union | 779 GW | 70 GW | 15,1 % | 30,1 % |
| USA | 468 GW | 40 GW | 9,1 % | 19 % |
| Indien | 251 GW | 45 GW | 4,9 % | 14 % |
| Brasilien | 228 GW | 14 GW | 4,4 % | 27 % |
| Deutschland | 200 GW | 20 GW | 3,9 % | nicht ausgewiesen |
| Spanien | 99 GW | 10 GW | 1,9 % | 40,0 % |
| Welt | 5.149 GW | 692 GW | 100 % | nicht ausgewiesen |
China allein hat 2025 fast zwei Drittel der weltweit neuen erneuerbaren Leistung gebaut, die EU rund ein Zehntel. Bestand und Zubau: IRENA, Renewable Capacity Statistics 2026 (Zubau = Bestand 2025 minus Bestand 2024, eigene Rechnung); Anteil am Weltbestand eigene Rechnung; Wind und Solar: Ember (Global Electricity Review 2026, European Electricity Review 2026), Spanien: Red Eléctrica (Wind 21,6 % plus Solar 18,4 %). Deutschland: 55,1 % erneuerbare Energien am Bruttostromverbrauch (UBA/AGEE-Stat, andere Bezugsgröße).
Gemessen an der Leistung liegen große Länder vorn, weil sie viel Strom brauchen. China verbraucht zugleich mehr Strom als jedes andere Land und erhöhte die Nachfrage 2025 um 5 % oder 503 TWh; trotzdem sank die fossile Erzeugung dort um 56 TWh. Auch Indien senkte 2025 die Kohleverstromung um 2,9 % und installierte erstmals mehr neue Solarleistung als die USA. Die USA erhöhten ihre fossile Erzeugung dagegen um 0,9 %.
Welche Länder decken den größten Anteil ihres Stroms erneuerbar?
Den größten Anteil erneuerbaren Stroms erreichen Länder mit viel Wasserkraft: Brasilien deckte 2025 rund 87 % seiner Stromerzeugung erneuerbar. Unter den großen Industrieländern Europas liegen Spanien mit 55,5 % der Erzeugung und Deutschland mit 55,1 % des Bruttostromverbrauchs vorn; die EU insgesamt kam auf 47,7 %.
Prozentwerte sind nur innerhalb derselben Bezugsgröße vergleichbar. Kleine Länder mit großen Flüssen oder Erdwärme erreichen fast 100 % erneuerbaren Strom, ohne viel neu zu bauen; die frühere Länderliste dieses Artikels mit Albanien, Nepal oder Paraguay ließ sich für 2025 nicht mit einer Primärquelle belegen und ist entfallen. Aussagekräftiger für den Klimaschutz ist der Zuwachs bei Wind und Sonne: In der EU erzeugten beide 2025 zusammen 30,1 % des Stroms und damit mehr als alle fossilen Kraftwerke zusammen (29,0 %). Kohle fiel mit 9,2 % auf ein historisches Tief.
Reicht das Ausbautempo für die Verdreifachung bis 2030?
Das Tempo reicht noch nicht: Um das auf der Weltklimakonferenz COP28 im Dezember 2023 vereinbarte Ziel von rund 11.200 GW erneuerbarer Leistung bis 2030 zu erreichen, müssten ab 2026 jedes Jahr rund 1.210 GW hinzukommen, das 1,75-Fache des Rekordjahres 2025.
goClimate-Rechnung
goClimate-Rechnung: Wie groß ist die Lücke zum Verdreifachungsziel?
| Ziel 2030 (Verdreifachung, COP28) | rund 11.200 GW |
| Bestand Ende 2025 (IRENA) | 5.149 GW |
| Noch fehlend bis Ende 2030 | 6.051 GW |
| Nötiger Zubau je Jahr (2026–2030) | rund 1.210 GW, das 1,75-Fache von 2025 |
| Nötiges Wachstum des Bestands je Jahr | rund 16,8 % |
| Bestand 2030 bei Tempo 2025 (+15,5 % je Jahr) | rund 10.600 GW, Ziel knapp verfehlt |
| Zubau 2025 ohne China | rund 252 GW |
Hält die Welt ihr Wachstum von 2025 prozentual, verfehlt sie das Ziel knapp; in absoluten Gigawatt pro Jahr muss sich das Tempo aber fast verdoppeln. So haben wir gerechnet: 11.200 − 5.149 = 6.051 GW; 6.051 ÷ 5 = 1.210 GW; 1.210 ÷ 692 = 1,75; (11.200 ÷ 5.149)^(1/5) − 1 = 16,8 %; 5.149 × 1,155^5 = 10.584 GW; 692 − 440 = 252 GW. IRENA rechnete im Oktober 2025 mit Stand Ende 2024 noch mit 1.122 GW pro Jahr bzw. 16,6 %; die Lücke ist seither gewachsen. Quellen: IRENA (2025, 2026).
Die Rechnung zeigt zwei Dinge. Ein prozentual konstantes Wachstum von 15,5 % reicht fast, weil jedes Jahr auf einem größeren Bestand aufbaut. Und das Ziel hängt an wenigen Ländern: Ohne China wäre die Welt weit vom Verdreifachungsziel entfernt, denn alle übrigen Länder zusammen bauten 2025 nur rund 252 GW zu, rund ein Fünftel dessen, was weltweit jährlich nötig wäre. Die Verpflichtung von Dubai ist zudem ein gemeinsames globales Ziel ohne nationale Quoten; welche Rolle sie im Rahmen des Pariser Klimaabkommens spielt, erklärt der Glossarbeitrag.
Wie hoch ist der Anteil der erneuerbaren Energien in Europa und Deutschland?
In Deutschland deckten erneuerbare Energien 2025 55,1 % des Bruttostromverbrauchs, 290,2 von 526,7 TWh; in der EU lag ihr Anteil an der Stromerzeugung bei 47,7 %. Deutschland verfügte Ende 2025 über rund 200 GW erneuerbare Leistung und baute 2025 rund 20 GW zu.
Die EU kam 2025 kaum voran: Der Erneuerbaren-Anteil blieb mit 47,7 % praktisch auf dem Niveau von 2024 (47,9 %), weil schwache Wasserkraft den Solarzuwachs aufzehrte. Solarstrom erreichte mit 369 TWh einen Rekord, die Gasverstromung stieg dennoch um 8 %. In Deutschland sank die Kohleverstromung auf 103 TWh, ein historisches Tief, während Gas Lücken bei wenig Wind und Sonne füllte. Aktuelle Monatswerte und den Strommix zeigen die Seiten Ökostrom in Deutschland aktuell und Strompreis und erneuerbare Energien.
Fallbeispiel
Deutschland: 55,1 % Ökostrom und Netzengpässe für 3,1 Mrd. € (Gesamtjahr 2025)
- Erneuerbare deckten 2025 55,1 % des Bruttostromverbrauchs (2024: 54,4 %); installiert waren Ende 2025 rund 200 GW (IRENA)
- Netzengpassmanagement 2025: rund 3.071 Mio. € Kosten (vorläufig; 2024: 2.954 Mio. €), Maßnahmenvolumen 30.319 GWh, praktisch gleich wie 2024 (Bundesnetzagentur/SMARD, 30.03.2026)
- Abgeregelter Strom aus erneuerbaren Anlagen: 9.379 GWh, rund 3,5 % der erneuerbaren Erzeugung; davon Offshore-Wind 3.351 GWh (−27 %), Wind an Land 3.225 GWh, Photovoltaik 2.704 GWh (+94 %)
- Stromautobahn SuedLink: letzter Abschnitt am 10.10.2025 planfestgestellt; zwei Gleichstromverbindungen mit je 2 GW sollen bis 2028 ans Netz gehen (Bundesnetzagentur)
Einordnung
Was der Fall zeigt
Deutschland nutzt mehr als 96 % seines Ökostroms; Abregelung ist also kein Massenphänomen, aber ein teures. Rechnerisch kosten Netzengpässe rund 0,58 Cent je verbrauchter Kilowattstunde, für einen Haushalt mit 3.500 kWh rund 20 € im Jahr. Der abgeregelte Strom hätte rund 2,7 Millionen solcher Haushalte ein Jahr lang versorgt. Auffällig ist die Verschiebung: Offshore-Abregelung sinkt, Solarabregelung hat sich fast verdoppelt, weil die Engpässe zunehmend in den Verteilnetzen und zur Mittagszeit liegen. Für Leser heißt das: Neue Solaranlagen bringen am meisten, wenn sie mit Speicher oder flexiblem Verbrauch kombiniert werden.
goClimate-Rechnung
goClimate-Rechnung: Was kosten Netzengpässe je Kilowattstunde und Haushalt?
| Kosten Netzengpassmanagement 2025 | 3.071 Mio. € |
| Bruttostromverbrauch Deutschland 2025 | 526,7 TWh |
| Kosten je Kilowattstunde | rund 0,58 ct |
| Rechnerisch je Haushalt (3.500 kWh) | rund 20 € im Jahr |
| Anteil am Haushaltsstrompreis 2026 (37,0 ct/kWh) | rund 1,6 % |
| Abgeregelter Ökostrom in Haushalten gerechnet | rund 2,7 Mio. Haushalte |
Netzengpässe sind ein spürbarer, aber kleiner Posten im Strompreis; der größere Verlust ist der ungenutzte Ökostrom. So haben wir gerechnet: 3.071 Mio. € ÷ 526,7 Mrd. kWh = 0,58 ct/kWh; 0,58 ct × 3.500 kWh = 20,4 €; 0,58 ÷ 37,0 = 1,6 %; 9.379 Mio. kWh ÷ 3.500 kWh = 2,68 Mio. Annahme: gleichmäßige Verteilung auf alle Verbraucher; tatsächlich werden die Kosten über die Netzentgelte und regional unterschiedlich weitergegeben. Quellen: Bundesnetzagentur/SMARD (2026), UBA/AGEE-Stat, BDEW (2026).
Warum entscheiden Netze und Speicher über das weitere Wachstum?
Der Engpass der Energiewende liegt 2026 nicht mehr bei Solarmodulen, sondern bei Netzen, Speichern und Spannungshaltung. Batteriespeicher wuchsen 2025 weltweit um 46 % auf geschätzt 250 GWh Zubau, nachdem ihre Kosten 2025 um weitere 45 % gefallen waren.
Speicher verschieben Solarstrom vom Mittag in den Abend. Die 2025 weltweit installierten Batterien können nach Ember rund 14 % der neuen Solarerzeugung in andere Stunden verlagern, in Chile und Australien laut Ember mehr als die Hälfte. Netze müssen dagegen Strom über große Entfernungen transportieren und das System stabil halten: Spannung und Frequenz wurden bisher vor allem von großen rotierenden Generatoren in Kohle-, Gas- und Kernkraftwerken gestützt. Wind- und Solaranlagen speisen über Wechselrichter ein, die diese Aufgaben technisch übernehmen können, wenn Regeln und Einstellungen es verlangen. Wie wichtig das ist, zeigte der Stromausfall auf der Iberischen Halbinsel.
Fallbeispiel
Spanien und Portugal: Stromausfall am 28. April 2025 (Abschlussbericht März 2026)
- Am 28.04.2025 gegen 12:33 Uhr brach das Stromnetz auf dem spanischen und portugiesischen Festland vollständig zusammen; kurz zuvor waren in Spanien innerhalb von Sekunden mehr als 2,5 GW Erzeugung vom Netz gegangen (ENTSO-E)
- Wiederversorgung: Portugal am 29.04. gegen 0:22 Uhr, Spanien gegen 4:00 Uhr vollständig (ENTSO-E, Zeitangaben MEZ)
- Abschlussbericht des Verbands der europäischen Übertragungsnetzbetreiber ENTSO-E am 20.03.2026 (49 Fachleute): keine Einzelursache, sondern unzureichende Spannungsregelung; konventionelle Kraftwerke lieferten teils weniger als 75 % der angeforderten Blindleistung, viele Wind- und Solarparks liefen mit starrer Regelung und trennten sich bei Überspannung zu früh
- Spanien deckte 2025 trotzdem 55,5 % seiner Stromerzeugung erneuerbar und baute 10 GW zu (Red Eléctrica, 11.03.2026); zur Spannungshaltung liefen danach mehr Gaskraftwerke, die Gasverstromung stieg 2025 um 9,7 TWh oder 19 % (Ember). Seit Januar 2026 dürfen auch Erneuerbare Spannungsregelung leisten
Einordnung
Was der Fall zeigt
Der Fall widerlegt beide Kurzschlüsse: Erneuerbare waren nicht „schuld“, aber ein Netz mit viel Wechselrichterstrom ist auch nicht automatisch stabil. Die Ursache lag in Regeln, Messdaten und Einstellungen, also in Dingen, die sich ändern lassen. Die Übergangslösung hat einen Klimapreis: Fast 10 TWh mehr Gasstrom in einem Jahr. Für Netzbetreiber und Regulierer folgt daraus, Spannungshaltung als bezahlte Netzdienstleistung auch von Wind-, Solar- und Speicheranlagen einzukaufen. Für Unternehmen mit eigener Erzeugung heißt es, Wechselrichter-Einstellungen und Netzanschlussregeln ernst zu nehmen.
In Deutschland ist die Stabilität bislang hoch; die größere Baustelle ist der Transport von Windstrom aus dem Norden in den Süden. Was Dunkelflauten und Kohleausstieg für die Versorgung bedeuten, behandelt die Seite zum Kohlekraftwerk; die Rolle von Wasserstoff als Langzeitspeicher erklärt der Beitrag zur Dekarbonisierung mit grünem Wasserstoff.
Was macht die Politik für den Ausbau der erneuerbaren Energien?
Die Politik setzt den Ausbau über globale Zusagen, EU-Ziele und nationale Gesetze: Weltweit gilt seit der COP28 das Ziel, die erneuerbare Leistung bis 2030 zu verdreifachen; in der EU und in Deutschland gelten verbindliche Ausbau- und Klimaziele.
- Weltweit: Die Staaten der COP28 vereinbarten im Dezember 2023 in Dubai, die erneuerbare Leistung bis 2030 auf rund 11,2 TW zu verdreifachen und die Energieeffizienz zu verdoppeln. Das Ziel ist freiwillig und nicht auf Länder verteilt.
- EU: Die Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED III) verlangt bis 2030 einen Anteil von mindestens 42,5 % erneuerbarer Energie am gesamten Endenergieverbrauch, nicht nur am Strom. Das EU-Klimagesetz sieht −55 % Treibhausgase bis 2030 und seit März 2026 −90 % bis 2040 vor.
- Deutschland: Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gibt es seit dem Jahr 2000; es sieht für 2030 einen Anteil von 80 % erneuerbarer Energie am Bruttostromverbrauch vor. Das Klimaschutzgesetz verlangt −65 % Treibhausgase bis 2030 und Treibhausgasneutralität bis 2045.
Von 55,1 % im Jahr 2025 bis 80 % im Jahr 2030 fehlen 24,9 Prozentpunkte in fünf Jahren, rund 5 Prozentpunkte pro Jahr; 2025 stieg der Anteil nur um 0,7 Prozentpunkte (eigene Rechnung). Ein Teil der Lücke hängt am Verbrauch: Steigt der Strombedarf durch Wärmepumpen, Elektroautos und Rechenzentren, muss die erneuerbare Erzeugung noch schneller wachsen. Wie der Emissionshandel fossilen Strom zusätzlich verteuert, erklärt die Seite zum Emissionshandel.
Was bedeutet das für Unternehmen?
Für Unternehmen bedeutet der globale Ausbau vor allem, dass Strom zum wichtigsten Hebel der eigenen Klimabilanz wird: Die Emissionen des eingekauften Stroms (Scope 2) sinken mit jedem Prozentpunkt mehr Ökostrom im Netz, und eigene Anlagen, Speicher und Lieferverträge werden zur Standortfrage.
- Scope 2 richtig rechnen: Standortbasiert gilt der deutsche Strommix 2025 mit 344 g CO₂ je kWh; ein Betrieb mit 500 MWh Jahresverbrauch kommt so auf rund 172 t CO₂ (eigene Rechnung). Marktbasiert zählen Ökostromverträge und Herkunftsnachweise. Beide Werte gehören in den Bericht; wie das funktioniert, erklären die Seiten zu CO₂-Emissionen von Ökostrom und zu Ökostrom-Zertifikaten.
- Einkauf: Langfristige Stromlieferverträge mit neuen Wind- oder Solarparks (PPA) tragen nachweisbar zum Ausbau bei; reine Herkunftsnachweise aus bestehenden Wasserkraftwerken tun das kaum.
- Eigenerzeugung und Flexibilität: Photovoltaik auf Dach oder Parkplatz plus Batteriespeicher senkt Strombezug in teuren Stunden und entlastet das Netz. Der Einstieg im Kleinen ist ein Balkonkraftwerk, im Betrieb eher eine Anlage mit Lastmanagement.
- Berichterstattung: Der Anteil erneuerbaren Stroms und die Scope-2-Emissionen sind Pflichtangaben im Deutschen Nachhaltigkeitskodex, im freiwilligen KMU-Standard VSME und in der CSRD. Grundlagen erklärt die Seite zum Nachhaltigkeitsbericht.
Ökostrom senkt die Emissionen, macht ein Unternehmen aber nicht klimaneutral; Wärme, Fuhrpark und Lieferkette bleiben. Eine erste Schätzung des eigenen Fußabdrucks liefert der CO₂-Rechner von goClimate.
Weitere Seiten zum Thema: Erneuerbare Energie im Glossar · Solarenergie · Ökostrom · Dekarbonisierung · Natürlicher Klimawandel · Digitaler Fußabdruck
Häufige Fragen zu erneuerbaren Energien weltweit
Wie hoch ist der Anteil erneuerbarer Energien weltweit?
2025 stammten weltweit 33,8 % des Stroms aus erneuerbaren Energien, insgesamt 10.730 TWh. Damit lagen sie erstmals vor der Kohle mit 33,0 %. An der installierten Kraftwerksleistung hatten Erneuerbare Ende 2025 einen Anteil von rund 49 %; am gesamten Energieverbrauch inklusive Wärme und Verkehr ist ihr Anteil deutlich kleiner.
Wie viel erneuerbare Leistung wurde 2025 weltweit zugebaut?
2025 kamen weltweit 692 GW erneuerbare Leistung hinzu, ein Rekord und 85,6 % aller neuen Kraftwerksleistung. Davon waren 510 GW Photovoltaik und 159 GW Windkraft. Der Bestand stieg auf 5.149 GW.
Welches Land produziert die meisten erneuerbaren Energien?
China. Dort waren Ende 2025 rund 2.258 GW erneuerbare Leistung installiert, 44 % des Weltbestands, und 2025 kamen rund 440 GW hinzu. Es folgen die EU mit 779 GW, die USA mit 468 GW, Indien mit 251 GW und Brasilien mit 228 GW.
Welches Land nutzt anteilig die meisten erneuerbaren Energien?
Anteilig führen Länder mit viel Wasserkraft: Brasilien erzeugte 2025 rund 87 % seines Stroms erneuerbar. In Europa lagen Spanien mit 55,5 % der Erzeugung und Deutschland mit 55,1 % des Bruttostromverbrauchs über dem EU-Durchschnitt von 47,7 %.
Wird das Ziel erreicht, die erneuerbare Leistung bis 2030 zu verdreifachen?
Beim heutigen Tempo knapp nicht. Bis 2030 fehlen rund 6.051 GW; dafür wären jährlich rund 1.210 GW Zubau nötig, das 1,75-Fache des Rekordjahres 2025. Bliebe das Wachstum bei 15,5 % pro Jahr, stünden 2030 rund 10.600 GW statt 11.200 GW (eigene Rechnung nach IRENA).
Waren erneuerbare Energien schuld am Stromausfall in Spanien?
Nein, nicht allein. Der Abschlussbericht der europäischen Netzbetreiber ENTSO-E vom 20. März 2026 nennt keine Einzelursache, sondern eine unzureichende Spannungsregelung: Konventionelle Kraftwerke lieferten zu wenig Blindleistung, und viele Wind- und Solarparks trennten sich wegen starrer Einstellungen zu früh vom Netz.