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Nachhaltige Beerdigung

Ökologische Bestattungen: Nachhaltigkeit auch über das Leben hinaus

Unsere letzte Ruhe ist für viele ein sensibles Thema. Je nach (religiöser) Tradition kommen für Verstorbene verschiedene Bestattungsarten in Frage. Ob Feuerbestattung, Einäscherung oder Beerdigung: viele traditionelle Bestattungsformen haben Auswirkungen auf die Umwelt. Aber tatsächlich machen sich über die CO 2-Problematik bei Bestattungen bislang nur die wenigsten Gedanken. Eine Beerdigung ist normalerweise nichts, was den Alltag vieler Menschen bestimmt, jedoch entscheiden sich nun immer mehr umweltbewusste Menschen für eine Alternative: Ökobestattungen.

Warum entscheiden sich Menschen für eine ökologische Bestattung?

Es gibt verschiedene Gründe warum Verstorbene eine umweltfreundliche Bestattung wünschen. Einer der Hauptgründe sich für eine nachhaltige Bestattungsform zu entscheiden, ist, dass traditionelle Bestattungen und Verfahren die Natur belasten können.

Umweltbelastung durch Erd- oder Feuerbestattungen

Insgesamt führen Bestattungen in Deutschland zu einem Ausstoß von fast einer Viertelmillion Tonnen CO 2 im Jahr. Pro Beerdigung ist das etwa so viel Kohlendioxid wie ein Haushalt pro Woche ausstößt. Laut des Natural Death Centre werden bei einer Verbrennung etwa so viel Strom und Gas verbraucht wie bei einer 800km langen Autofahrt. Zudem hat man weder bei der Erd- noch bei der Feuerbestattung die Möglichkeit, in den Kreislauf der Natur zurückzukehren.

Erdbestattung

Bei Beerdigungen in Deutschland wird traditionell der gesamte Leichnam in einem Grab beigesetzt. So können die Angehörigen nach der Beisetzung die Verstorbenen auf einem Friedhof besuchen.

Es gibt mehrere Aspekte, die die Beerdigungen mehr oder weniger umweltverträglich machen. Ein wichtiger Faktor ist hier der Sarg. Für seine Produktion werden natürliche Ressourcen wie Holz und Strom verbraucht, die unter anderem CO 2 Emissionen verursachen. Auch im Transport der Särge kommen fossile Rohstoffe zum Einsatz, denn oft wird das Holz aus dem Ausland importiert. Ähnlich verhält es sich mit Naturstein für die Grabmäler: Das tonnenschwere Material wird meist aus Ländern wie Indien und China importiert. Zusätzlich gelangen alle im Laufe eines Lebens im Körper angesammelten Schadstoffe und alle Materialien des Sarges (Kunststoffe, Metalle, Lacke,…) in den Boden.

Erdbestattung

Feuerbestattung

Bei einer Feuerbestattung wird der Leichnam mitsamt dem Sarg im Krematorium verbrannt. Zusätzlich zu den Rohstoffen für Produktion und Transport des Sarges kommt meist auch fossile Energie für die Kremierung und dessen zusätzlicher Kohlendioxid-Ausstoß dazu. Denn im Krematorium erfolgt die Verbrennung mit Strom oder Gas. Aus der Verbrennung selbst resultieren Schadstoffe und Feinstaub, die trotz Filteranlagen in die Umwelt gelangen können.

Da bei dem Verfahren von Feuerbestattungen ein Teil der im Körper gespeicherten Schadstoffe entweicht und mithilfe des Filters fachgerecht entsorgt werden kann, ist die Asche eines Verstorbenen jedoch insgesamt eine geringere Belastung für Boden und Grundwasser als bei einer Erdbestattung.

Feuerbestattung

Was ist eine Ökologische Bestattung?

Generell haben ökologische Bestattungen den Anspruch, möglichst umweltschonend zu sein. So wird nicht nur darauf geachtet, dass die Umwelt nicht chemisch belastet wird, sondern auch dass die Bestattungsorte natürlich erhalten bleiben.

Diese Aspekte machen eine ökologische und nachhaltige Bestattung aus:

  • wenig Flächenverbrauch
  • Verwendung von möglichst unbehandelten und regionalen Rohstoffen
  • ein kleiner CO2-Fußabdruck durch kurze Transportwege und geringem Verbrauch fossiler Energien
  • Boden und Grundwasser werden so wenig wie möglich belastet

Möglichkeiten einer umweltfreundlichen Bestattung

In den USA und anderen Ländern der Welt sind Regulierungen im Bestattungswesen wesentlich lockerer als in Deutschland. Dadurch ergibt sich zwangläufig auch ein größeres Angebot und wesentlich vielfältigere Möglichkeiten der Bestattung. Hier stellen wir einige dieser nachhaltigen Bestattungsformen vor.

Waldbestattung

Seit etwa 20 Jahren gibt es auch bei uns den Bestattungswald: Das sind Waldflächen, in denen die Urne im Wurzelbereich von Bäumen meist anonym beigesetzt werden kann. Ziel beim Bestattungswald ist es, den Baumbestand zu erhalten und unter jedem Baum bis zu zwölf Urnen vergraben zu können. Auch die Urnen für eine Waldbestattung müssen aus einem Material gefertigt sein, das vollständig biologisch abbaubar ist. Greenpeace empfiehlt übrigens diese Option.

Waldbestattung

Promession: Kompostieren

Das schwedische Verfahren zum Kompostieren von Verstorbenen, ist auch unter dem Namen Promession bekannt. Diese Methode einer ökologischen Bestattung bietet die Möglichkeit, nach Lebzeiten der Erde etwas zurückzugeben, indem der Leichnam als Humus in den Kreislauf der Natur zurückgeführt wird.

Ein entscheidender Schritt ist hier, dass der Körper des Verstorbenen vom Bestatter zunächst auf -18°C und anschließend auf -196°C in einem flüssigen Stickstoffbad herabgekühlt wird. Durch dieses Verfahren erhält der Körper einen spröden Zustand und Gewebe und Knochen können in ein feines Granulat zerfallen. Durch Gefriertrocknung wird dem Granulat anschließend das Wasser entzogen. Je nach Körpergewicht dauert das Kompostieren etwa vier Stunden.

Das Granulat wird in einer kompostierbaren Urne aus Mais- oder Kartoffelstärke bestattet. Auf Wunsch kann man die Überreste mit der Saat eines Baumes beerdigen. So kann neues Leben entstehen und der Tod wird im Idealfall mit einem positiven Gedanken verbunden. So ist diese Form der Bestattung auch gut für das Klima und der Tote hat ein ewiges Leben im natürlichen Kreislauf.

Die Kosten einer ökologischen Bestattung sind meist nicht höher als eine Verbrennung im Krematorium.

Recompose: Kompostieren im Kokon

Die Idee des Berliner Unternehmens Circulum Vitae GmbH ist in den USA schon länger im Umlauf. In einem sogenannten Kokon, einem sargähnlichen Behälter verwandeln Mikroorganismen und „moderne grüne Technologie“ die Person in eine Art Humus. Der Leichnam wird dazu zunächst auf Heu, Stroh und Blumen gebettet und dann übernehmen die Mikroorganismen die Kompostierung bei einer Temperatur von etwa 70 Grad. Anders als bei der Aquamation, ein Verfahren, bei dem der Tote durch eine Lauge und Wärmezufuhr zersetzt wird, entsteht die Temperatur auf natürliche Weise. Das Kompostieren dauert etwa 40 Tage. Danach müssen die Knochen wie bei der Einäscherung im Krematorium noch verfeinert werden. Anschließend werden die Überreste aus dem Kokon entnommen und in ein nur 30 Zentimeter tiefes Grab gelegt. Nun können die Hinterbliebenen der Person einen Baum oder einen Rosenstock darüber pflanzen.

Sollte das Pilotprojekt des Bestatter-Unternehmens weitergeführt werden, sollen Alvarien (lat. Bienenstock) zur Kompostierung in Planung kommen. Die Bezeichnung ist an den Begriff Kolumbarium (Taubenschlag) für Urnenbegräbnisstätten angelehnt. In der Bundesrepublik hat der aufgeschlossene Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg die dortige Kapelle als Ort für Beerdigungen angeboten.

Ein Hauptgrund für die Schaffung dieser Möglichkeit sei der Schutz der Natur. Denn etwa 80 Prozent der Toten in Schleswig-Holstein lassen sich verbrennen. Für die meisten Angehörigen sei eine Erdbestattung nämlich zu teuer. Eine Beerdigung ist dagegen deutlich billiger. So wirbt Circulum Vitae mit „Nachhaltigkeit zum fairen Preis“.

Pilzbestattungsanzug (Mushroom Burial Suit)

Die koreanische Künstlerin Jae Rhim Lee trägt mit einem ganz anderen Projekt zum Bestattungswesen bei. Ihr Pilzbestattungsanzug ist mit einer Art von Pilzsporen ausgestattet die tote Menschen verdauen können. Pilze haben nämlich die einzigartige Fähigkeit Schadstoffe zu absorbieren und zu reinigen, so können Menschen die sich um das Klima sorgen, nach ihrem Ableben Nahrung für Bäume und Wälder bekommen.

Lee’s Firma stellte den Anzug im Jahr 2008 vor und hat sich seitdem mit dem Infinity Burial Project auf der ganzen Welt einen Namen im Bestattungswesen gemacht. Die Künstlerin sieht sich als Aktivistin in diesem Bereich: Sie setzt sich für einen Offenen Dialog über den Tod und Fragen zu einer Bestattungsform ein.

Pilzbestattung

Klima-Kompensation als Alternative

Wem Kompostieren oder von Pilzen zersetzt werden in Unbehagen versetzt, kann auch eine traditionelle Bestattung ökologischer gestalten. Die ökologische Bestattung legt Wert auf Regionalität bei der Überführung und der Wahl der Materialien. In Zusammenarbeit mit einem naturbewussten Bestatter ist dies möglich. Der Trend der ökologischen Bestattung ist aber noch nicht für alle Bestatter umsetzbar. Alternativ lässt sich auch aus dem Energieverbrauch der gewählten Bestattungsform der CO 2 Fußabdruck ermitteln. Man kann dann den errechneten Betrag an Projekte für Umwelt und Klimaschutz, zum Beispiel Aufforstungen, spenden. So kann klimaschädigendes Verhalten an anderer Stelle kompensiert werden und die Bestattung etwas ‚grüner‘ gestalten. 🌱

Bildquellen

  • Nachhaltige-Beerdigung: iStock/Imagesines
  • Erdbestattung: iStock/Gaschwald
  • Feuerbestattung: iStock/anakeseenadee
  • Waldbestattung: Erdbestattung
  • Pilzbestattung: iStock/Oliver Schulz