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Plastikalternative aus Bambus, Einweggeschirr aus Bambus, Bio-Kunststoff aus Bambus

Plastikalternativen aus Bambus

Seit einigen Jahren wird der Rohstoff Bambus als Alternative zu Plastik-Einwegprodukten angeboten. Denn das Material ist sowohl stabil als auch flexibel und lässt sich aufgrund dieser Eigenschaften in der Herstellung vieler Gegenstände verwenden. Aber nicht alle „Bambus-Produkte“ sind unbedenklich. In diesem Artikel erklären wir, wieso Bambus ein vielversprechender Ersatz für Plastik sein könnte. Wir zeigen zudem, wie man reines Bambus von Bambus-Kunststoffgeschirr (und einer damit verbundenen Gesundheitsbelastung durch Stoffe wie Melamin und Formaldehyd) unterscheiden kann.

Bambus ein wertvoller Rohstoff

Was ist Bambus für ein Material? Ist Bambus eine Alternative zu Plastik?

Bambus ist eine vielseitige Pflanze mit einer breiten Palette von Verwendungsmöglichkeiten in verschiedenen Produkten. Als Lebensmittel, als Material für Möbel und Häuser oder für die Herstellung von Textilien und Bio-Kunststoffen gehört Bambus vor allem in Asien schon seit Jahrhunderten zu den wichtigsten natürlichen Ressourcen und hat eine große ökologische, ökonomische und kulturelle Bedeutung. Weltweit bedecken die Pflanzen eine Fläche von ca. 37 Millionen Hektar und sind die Lebensgrundlage von etwa 1,5 Milliarden Menschen. .

Seit einigen Jahren werden auch im Westen zunehmend Produkte aus Bambus als Alternative zu Plastik angeboten. Denn Produkte aus reinen Bambusfasern sind – im Gegensatz zu Plastik – biologisch abbaubar. Bambus ist zudem widerstandsfähig, langlebig, elastisch, besonders leicht und wirkt antibakteriell. Durch seine besonderen Eigenschaften eignet sich das Riesengras hervorragend als nachhaltige Alternative zu Einwegplastik. Neben typischen Gebrauchsgegenständen, die für gewöhnlich aus Kunststoffen hergestellt werden, macht sich mittlerweile auch die Textilindustrie die thermoregulierenden Eigenschaften und die antibakterielle Wirkung von Bambus für verschiedene Materialien zunutze.

Eine nachhaltige Alternative zu Plastik: Ein Rohstoff mit schnellem Wachstum

Bambus ist kein Baum, sondern ein Gras mit einer großen Sortenvielfalt – von wenigen Zentimeter hohen Gräsern bis zu 30 Meter hohen Wäldern. Während des Wachstums verholzen die Bambushalme und können deshalb auch in der Holz-Industrie als Ersatz für Baum-Holz verwendet werden. Im Gegensatz zu Bäumen wachsen einige Bambusarten extrem schnell – bis zu einem Meter pro Tag. Dadurch können jährlich je Hektar 10 bis 15 Tonnen Biomasse gewonnen werden, ohne dabei den Gesamtbestand zu gefährden. Denn viele Bambusarten bilden ein großflächiges Wurzelsystem mit dem sich die Pflanze in Kürze regenerieren und neue Halme ausbilden kann.

Neben seiner Fähigkeit während dem Wachstum große Mengen an CO 2 zu binden ist Bambus auch gegenüber Umwelteinflüssen wie schwankenden Temperaturen widerstandsfähig. Desshalb werden in Verbindung mit dem Bambusanbau keine schädlichen Pestizide oder Düngemittel gebraucht. Zusätzlich trägt das Wurzelsystem der Bambuspflanzen zu gesunden Böden und verhindert unerwünschte Bodenabtragung (Erosion).

Nachhaltig und Sozial: Wie fair ist Bambus?

Damit eine nachhaltige Alternative zu Plastik auch wirklich als nachhaltig betrachtet werden kann, ist es wichtig auch soziale Aspekte bei der Produktion der Bio-Kunststoffe und Ersatz-Materialien zu betrachten. Heute wird der Großteil des weltweiten Bambus von China exportiert. Im Vergleich zu Europa ist dort der Stand der Umwelt- und Sozialstandards noch deutlich niedriger. Allerdings ist die Bambusbranche in der Herstellung und im Anbau noch wenig industrialisiert und eher kleinbäuerlich geprägt. Da die Bambusplantagen der Kleinbauern nicht durch chemische Stoffe gedüngt werden, werden die Menschen in ihrem Alltag nicht durch Krebs-erregende Pestizide belastet. So ist der Bambus-Anbau, im Vergleich zur Massenproduktion anderer Agrarprodukte, wie zum Beispiel Baumwolle oder Kaffee, deutlich umwelt- und sozialverträglicher.

Auch in anderen Ländern wie zum Beispiel Äthiopien, wird inzwischen vermehrt Bambus gepflanzt, um der Ausbreitung der Wüste entgegenzuwirken. Dadurch wirkt Bambus nicht nur als wichtigste Maßnahme gegen die voranschreitende Desertifikation, sonder schafft auch neue Arbeitsplätze. Damit ist Bambus als nicht nur nützlich um Müll und Plastik zu vermeiden sondern kann auch eine Alternative zur Abholzung von tropischen Wäldern bieten und die Entwicklung der Exportländer fördern.

Kleinbauer auf dem Bambus, Bambuswald

Nachteile von Bambus: Nachhaltigkeit auch bei langen Transportwegen?

Ob Bambus tatsächlich klimafreundlicher als heimisches Holz ist, bleibt fraglich. Einer der größten Nachteile von Bambus als Alternative zu Plastik ist, dass die Nachhaltigkeit des Materials durch lange Transportwege maßgeblich geschmälert wird. Da die europäischen Hersteller von Bambusprodukten, wie Bambus-Geschirr oder – Verpackungen, das Material meist aus Asien oder Afrika importieren, entstehen durch Schiffsemissionen viele umweltschädliche Treibhausgase, die in die Umwelt gelangen. Nicht immer lässt sich die Herkunft und Handelsstruktur des Bambus genau bestimmen und so kann es sein, dass trotz schnellem Wachstum und hoher CO 2-Speicherkapazität, auch bei vermeintlich nachhaltigen Alternativen Erdöl und Treibhausgase anfallen. Bei kurzlebigen Bambusprodukten – wie beispielsweise die Griffe von Zahnbürsten – ist die Umweltbilanz nicht unbedingt besser als bei Zahnbürsten aus Plastik.

Wie bei allen Plastik-Alternativen ist die Wahl von regional hergestellten Produkten mit einer besseren Klimabilanz in Verbindung zu setzen. So ist Holz aus nachhaltig bewirtschafteten deutschen Wäldern, Mehrweggeschirr aus Metall, Edelstahl und Porzellan oder Mehrweg-Glas aus der Region, in den meisten Fällen die umweltfreundlichste Alternative.

Nicht alle Bambus-Biokunststoffe sind nachhaltig: Vorsicht bei Kunststoff in Bambusprodukten

Mit dem Verbot von Einweg-Plastik und -Geschirr kamen viele Bambus-Kunststoffprodukte als Alternative auf den Markt. Die relativ preiswerten Coffee to go becher sowie Bambus-Geschirr erlebten dadurch vor allem bei umweltbewussten Menschen einen regelrechten Hype. Aber nur die wenigsten dieser als „Bambus Produkte“ ausgewiesenen Waren sind tatsächlich nachhaltig. Denn meist werden in der Herstellung künstliches Melaminharz oder andere Kunststoffe beigemischt, um die Produkte bruchfest zu machen. Durch die Mischung von Kunststoff- und Bambusfasern sind Produkte aus vermeintlichem Bambus-Bioplastik nicht mehr biologisch abbaubar.

Diese Täuschung der Verbraucher hat zudem weitreichende Folgen, so können „Bambusprodukte“ auch gesundheitsgefährdend sein. So fand eine Studie heraus, dass das meiste Bambus-Kunststoff-Geschirr bei einer Hitzezufuhr von über 70 Grad, zum Beispiel durch Heißgetränke oder beim Aufwärmen, Stoffe abgibt, die Krankheiten wie Krebs verursachen können. Damit sind Bambusprodukte auch nicht als Gefäße für Lebensmittel zugelassen. In 2017 ergaben Untersuchungen des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamts (CVUA) des Landes Baden-Württemberg schockierende Einblicke. Aus drei Jahren Laborarbeit des CVUA, in denen 45 als Bambusgeschirr beworbene Produkte getestet wurden, ging hervor, dass 35 davon aus einem Bambus-Melaminharz-Gemisch bestanden und 11 dieser Produkte erhebliche Mengen an Formaldehyd oder Melamin an Getränke abgaben. Folge-Untersuchungen zeigten, dass bei mehrfacher Verwendung der Bambus-Coffee to go becher die Freisetzung von Formaldehyd und Melamin sogar noch zunimmt.

Auch im Bereich der Bambus-Textilien ist Vorsicht geboten. Denn auch bei „Bambus-Kleidung“ aus Bambus-Viskose wird der Rohstoff bei der Herstellung so verändert, dass das Endprodukt auch nicht mehr biologisch abbaubar ist.

Wie unterscheidet man reines Bambus von Bambus-Kunststoff-Gemischen?

Nicht alle Bambusbecher und Produkte enthalten Kunststoffe und Schadstoffe. Denn Produkte aus reinen Bambusfasern haben positive Eigenschaften uns sind deshalb gut, um Kunststoffe und Plastikmüll zu vermeiden. Aber nicht überall, wo Bambus draufsteht, steckt auch (nur) Bambus drin. Leider sind nur die wenigsten Bambus-Gegenstände mit einem FSC Siegel deutlich als unbedenklich zu erkennen. Hier zeigen wir, wie man beim Bambus-Coffee-to-go-Becher, Geschirr und anderen Bambusprodukten erkennt, ob sie Kunststoffe wie Melamin oder Formaldehyd enthalten.

Schneidebrett aus reinem Bambus, Plastikalternativen

Reinen Bambus erkennt man an seiner Holzmaserung und der hell- bis dunkelbraunen Farbe. Reines Bambus Produkte sind für Lebensmittel geeignet und das Material hat dabei sogar antibakterielle Eigenschaften.

Tipp: Einweg-Besteck aus reinem Bambus hat im Vergleich zu Holz-Geschirr eine bessere Umweltbilanz. Aber: Wie beim Glas gilt Mehrweg vor Einweg, Edelstahl- oder Porzellan-Besteck ist hier die beste Alternative.

Bambusbecher in verschiedenen Farben

Bei Kunststoff-Bambus-Mischungen mit Melaminharz ist im Gegensatz zu reinem Bambus keine Holzmaserung zu erkennen, denn Bambusfasern und Maisstärke werden hier meist nur als Füllstoffe verwendet. Diese Kunststoff-Gegenstände haben überwiegend eine matte Oberfläche, wobei die Innenseite zusätzlich mit einem Kunststoff oder Polypropylen beschichtet sein kann. Im Gegensatz zu reinem Bambus kann Kunststoffgeschirr mit Bambus-Beimischung gefärbt oder bunt bedruckt werden.🌱


Quellen:

CVUA: https://www.ua-bw.de/pub/beitrag.asp?ID=2609&subid=1&Thema_ID=3&lang=DE (abgerufen am: 20.11.2022)

https://www.verbraucherzentrale-hessen.de/plastiksparen/plastikalternativen-sind-glas-und-bambus-wirklich-besser-53217 (abgerufen am: 19.11.2022)

https://www.mdr.de/brisant/ratgeber/bambus-nachhaltig-102.html (abgerufen am: 20.11.2022)

https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/umwelt-haushalt/produkte/vorsicht-schadstoffe-in-kunststoffgeschirr-mit-bambusbeimischung-20573 (abgerufen am: 18.11.2022)

Bildquellen

  • Plastikalternativen aus Bambus: iStock/AlinaBuzunova
  • Bambuswald: iStock/ensar zengin
  • Bambus Kleinbauer: iStock/FotoMaximum
  • Bambus Schneidebrett: iStock/Yuliya Shauerman
  • Bunte Bambusbecher: iStock/Alla Simacheva