CO₂-Preis (CO₂-Steuer): Was kostet CO₂ 2026 und 2027?
CO₂-Steuer erklärt: BEHG-Preis 55–65 € je Tonne, Kosten je Liter Benzin, Diesel, Heizöl und je kWh Gas, Mieter und Vermieter, Klimageld, ETS 2 ab 2028.
Von Johanna Jung · aktualisiert am · 14 Min. Lesezeit
Kurz erklärt
Der CO₂-Preis ist ein Aufschlag je Tonne CO₂ auf fossile Brennstoffe, den Lieferanten von Heizöl, Erdgas, Benzin und Diesel an den Staat zahlen und über den Preis weitergeben. Rechtlich ist er in Deutschland ein nationaler Emissionshandel nach dem BEHG, keine Steuer; ab 2028 soll ihn der EU-Emissionshandel ETS 2 ablösen.
Preis 2026
55–65 € je t CO₂Korridor nach BEHG, Versteigerungen bisher bei 65 €
Aufschlag je Liter Benzin
15,7–18,5 ctinkl. 19 % MwSt., gesetzlicher Standardwert, eigene Rechnung
Aufschlag je kWh Erdgas
1,2–1,4 ctje kWh laut Gasrechnung, inkl. MwSt., eigene Rechnung
Was ist der CO₂-Preis und ist er eine CO₂-Steuer?
Der CO₂-Preis ist der Betrag, den Unternehmen für jede Tonne CO₂ zahlen, die beim Verbrennen der von ihnen verkauften Brennstoffe entsteht. In Deutschland gilt er seit 1. Januar 2021 nach dem Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) für Heizöl, Erdgas, Flüssiggas, Benzin und Diesel, seit 2023 auch für Kohle und seit 2024 für Abfall in Verbrennungsanlagen.
Rechtlich ist der CO₂-Preis keine Steuer, sondern ein Emissionshandel: Verpflichtet sind die Inverkehrbringer, also Mineralölhändler, Gaslieferanten und Raffinerien. Sie müssen für jede Tonne CO₂ ein nationales Emissionszertifikat (nEZ) bei der Deutschen Emissionshandelsstelle (DEHSt) abgeben und legen die Kosten auf den Liter- oder Kilowattstundenpreis um. Haushalte zahlen den CO₂-Preis deshalb nie direkt, sondern über die Tankquittung, die Heizölrechnung und die Gasrechnung.
Der Name „CO₂-Steuer“ hat einen sachlichen Kern. Von 2021 bis 2025 verkaufte der Staat die Zertifikate zu einem festen Preis und in unbegrenzter Menge; 2025 kamen zu rund 277 Mio. Zertifikaten zu 55 € noch rund 17 Mio. aus dem Nachkauf zu 45 € hinzu. Ein fester Preis ohne Mengengrenze wirkt wirtschaftlich wie eine Steuer. Seit 2026 werden die Zertifikate an der Energiebörse EEX in Leipzig versteigert, allerdings nur innerhalb eines Korridors von 55 bis 65 € je Tonne. Echte Knappheit mit einem Marktpreis bringt erst der europäische ETS 2. Das Prinzip „Obergrenze und Handel“ erklärt die Seite zum Emissionshandel mit EU-ETS 1 und ETS 2.
Daneben besteht die Energiesteuer, die nicht vom CO₂-Gehalt abhängt. Brennholz und Holzpellets unterliegen keiner Energiesteuer und damit nicht den Pflichten des BEHG (Wissenschaftliche Dienste des Bundestags, August 2025). Anlagen im EU-Emissionshandel zahlen den nationalen CO₂-Preis nicht ein zweites Mal.
Wie hat sich der CO₂-Preis seit 2021 entwickelt?
Der CO₂-Preis stieg von 25 € je Tonne im Jahr 2021 auf 55 € im Jahr 2025 und liegt 2026 im Korridor von 55 bis 65 €. Für 2027 sieht ein Gesetzentwurf der Bundesregierung erneut 55 bis 65 € vor; der Bundestag soll am 15. Oktober 2026 abschließend darüber abstimmen.
CO₂-Preis nach BEHG 2021–2028 und Aufschlag im Endpreis
Jahr
Preis je t CO₂
Benzin je Liter (brutto)
Erdgas je kWh laut Gasrechnung (brutto)
2021
25 € (Festpreis)
7,1 ct
0,54 ct
2022
30 € (Festpreis)
8,5 ct
0,65 ct
2023
30 € (Festpreis)
8,5 ct
0,65 ct
2024
45 € (Festpreis)
12,8 ct
0,97 ct
2025
55 € (Festpreis)
15,7 ct
1,19 ct
2026
55–65 € (Versteigerung, bisher 65 €)
15,7–18,5 ct
1,19–1,40 ct
2027
55–65 € (laut Gesetzentwurf)
15,7–18,5 ct
1,19–1,40 ct
ab 2028
Marktpreis im EU-ETS 2
offen
offen
Seit 2021 hat sich der CO₂-Aufschlag auf einen Liter Benzin mehr als verdoppelt, von rund 7 auf bis zu 18,5 Cent. Quellen: BEHG; DEHSt (02.07.2026); Deutscher Bundestag, Drucksache 21/7869; Aufschläge eigene Rechnung mit den gesetzlichen Standardwerten der EBeV 2030 (Benzin 2,39 kg CO₂ je Liter, Erdgas 0,181 kg je kWh laut Gasrechnung) und 19 % Mehrwertsteuer. Balken proportional, Maximum 120px bei 65 €.
Ohne die Gesetzesänderung würde sich der Preis 2027 am Durchschnitt der Versteigerungen im EU-ETS 1 orientieren, der am 5. Oktober 2026 bei 82,40 € je Tonne notierte. Der Entwurf (Drucksache 21/7869 vom 7. September 2026) hält den Korridor deshalb ein weiteres Jahr fest und senkt die Höchstmenge je Bieter und Versteigerungstermin von 50 auf 20 %; der Bundesrat erhob am 25. September 2026 keine Einwendungen. Bis zum Beschluss ist das ein Entwurf, kein geltendes Recht.
Fallbeispiel
EEX Leipzig: erste Versteigerung nationaler CO₂-Zertifikate (1. Juli 2026)
Am 1. Juli 2026 versteigerte die EEX erstmals nationale Emissionszertifikate; der Zuschlag lag mit 65 € genau an der Obergrenze des Korridors (DEHSt, 02.07.2026)
101 Bieter boten zusammen für knapp 292 Mio. Zertifikate; zugeteilt wurden rund 21,3 Mio., Erlös knapp 1,4 Mrd. € (DEHSt)
Weitere Termine finden wöchentlich mittwochs statt, der voraussichtlich letzte am 21. Oktober 2026 (DEHSt)
Bis Anfang September 2026 blieben die Versteigerungen am oberen Ende des Korridors; die Zuteilungsquote lag zuletzt bei rund 2 % der gebotenen Menge (ASEW, 04.09.2026)
Einordnung
Was der Fall zeigt
Der nationale CO₂-Preis ist 2026 trotz Versteigerung faktisch ein Festpreis von 65 €. Die Bieter wollten beim ersten Termin rund 13,7-mal so viele Zertifikate kaufen, wie angeboten wurden (292 ÷ 21,3 Mio.); ein freier Markt hätte den Preis über 65 € getrieben, der Korridor hat ihn gedeckelt. Für Haushalte und Betriebe heißt das: Wer 2026 und 2027 plant, sollte mit dem oberen Wert rechnen, nicht mit 55 €. Der Fall zeigt nicht, wo ein freier Preis läge; die hohen Gebotsmengen spiegeln auch die Sorge von Händlern, keine Zertifikate zu bekommen, und nicht nur ihre Zahlungsbereitschaft.
Im Vergleich ist der deutsche CO₂-Preis niedrig. Kraftwerke und Industrie zahlen im EU-ETS 1 rund 17 bis 27 € mehr je Tonne, für Diesel im Lkw kommt seit Dezember 2023 ein CO₂-Aufschlag von 200 € je Tonne in der Maut hinzu, den die Seite zu den Emissionen des Verkehrs und der CO₂-Maut erklärt.
Explizite CO₂-Preise im Vergleich (Stand Oktober 2026)
Instrument
Erfasst
€ je t CO₂
Österreich, nationaler CO₂-Preis (NEHG)
Heiz- und Kraftstoffe
55 (Fixpreis 2026)
Deutschland, BEHG
Heiz- und Kraftstoffe
55–65
EU-ETS 1
Kraftwerke, Industrie, Luft- und Seeverkehr
82,40 (5.10.2026)
Schweden, CO₂-Steuer
fossile Brenn- und Kraftstoffe
rund 134 (1.520 SEK)
Deutschland, CO₂-Aufschlag Lkw-Maut
Lkw ab 3,5 t
200
Derselbe Liter Diesel trägt im Pkw 55 bis 65 € je Tonne, im mautpflichtigen Lkw zusätzlich 200 €. Quellen: BMF Österreich (18.02.2026), BEHG, S&P Global (05.10.2026), IEA Policies Database (04.06.2026), Bundesregierung (Lkw-Maut, 2023). Balken proportional, Maximum 120px bei 200 €.
Wie viel CO₂-Preis steckt in einem Liter Benzin, Diesel oder Heizöl?
Ein Liter Benzin kostet 2026 durch den CO₂-Preis 15,7 Cent (bei 55 €) bis 18,5 Cent (bei 65 €) mehr, ein Liter Diesel oder Heizöl 17,5 bis 20,7 Cent, jeweils inklusive Mehrwertsteuer. Eine Kilowattstunde Erdgas laut Gasrechnung verteuert sich um 1,2 bis 1,4 Cent.
goClimate-Rechnung
goClimate-Rechnung: CO₂-Aufschlag je Einheit nach BEHG (Cent, netto / brutto inkl. 19 % MwSt.)
Brennstoff
CO₂ je Einheit (Standardwert BEHG)
bei 55 €/t
bei 65 €/t
Szenario 100 €/t
Benzin, je Liter
2,39 kg
13,2 / 15,7
15,6 / 18,5
23,9 / 28,5
Diesel, je Liter
2,68 kg
14,7 / 17,5
17,4 / 20,7
26,8 / 31,8
Heizöl EL, je Liter
2,68 kg
14,7 / 17,5
17,4 / 20,7
26,8 / 31,8
Erdgas, je kWh laut Gasrechnung (Brennwert)
0,181 kg
1,00 / 1,19
1,18 / 1,40
1,81 / 2,15
Erdgas, je kWh Heizwert (Statistik)
0,201 kg
1,11 / 1,32
1,31 / 1,55
2,01 / 2,39
So haben wir gerechnet: CO₂ je Einheit × Preis je Tonne ÷ 1.000, danach × 1,19 für die Mehrwertsteuer. Die CO₂-Werte sind die gesetzlichen Standardwerte der Emissionsberichterstattungsverordnung 2030 (EBeV, Anlage 2 Teil 4), auf die der CO₂-Preis erhoben wird: Benzin 43,5 GJ je t × 0,0729 t CO₂ je GJ × 0,755 t je 1.000 l = 2,394 kg je Liter; Diesel und Heizöl EL 42,8 GJ je t × 0,074 × 0,845 = 2,676 kg je Liter; Erdgas 0,0558 t CO₂ je GJ Heizwert = 0,201 kg je kWh Heizwert bzw. 0,181 kg je kWh Brennwert. Gasrechnungen weisen kWh nach Brennwert aus; Emissionsstatistiken rechnen meist mit dem Heizwert. Für die Gasrechnung gilt deshalb die erste Erdgaszeile. Annahmen: volle Weitergabe, fossiler Kraftstoff ohne Biokomponente (E10 und B7 liegen etwas niedriger). Die 100 € sind ein Rechenszenario für den ETS 2, keine Prognose.
Wer mit einem Benziner 15.000 km im Jahr bei 7 Litern je 100 km fährt, tankt 1.050 Liter und zahlt 2026 rund 165 bis 195 € CO₂-Preis, je Tankfüllung von 50 Litern 7,80 bis 9,30 €.
Wie viel CO₂-Preis zahlt ein Haushalt pro Jahr?
Ein Haushalt mit Gasheizung (20.000 kWh laut Gasrechnung) und einem Benziner (1.000 Liter) zahlt 2026 rund 390 bis 465 € CO₂-Preis im Jahr, mit Ölheizung (2.000 Liter) rund 505 bis 600 €. Davon entfallen bei Gas rund 237 bis 280 € auf die Heizung, das sind 10 bis 12 % der Gasrechnung.
goClimate-Rechnung
goClimate-Rechnung: CO₂-Preis eines Musterhaushalts pro Jahr (brutto inkl. 19 % MwSt.)
Posten
t CO₂ (BEHG)
bei 55 €/t
bei 65 €/t
Szenario ETS 2: 100 €/t
Gasheizung, 20.000 kWh laut Gasrechnung
3,62
237 €
280 €
431 €
Ölheizung, 2.000 l Heizöl EL
5,35
350 €
414 €
637 €
Benziner, 1.000 l im Jahr
2,39
157 €
185 €
285 €
Summe Gas plus Benziner
6,01
394 €
465 €
716 €
Summe Öl plus Benziner
7,75
507 €
599 €
922 €
So haben wir gerechnet: Menge × Standardwert nach EBeV × Preis × 1,19. Gas: 20.000 kWh × 0,181 kg = 3,62 t; Heizöl: 2.000 l × 2,676 kg = 5,35 t; Benzin: 1.000 l × 2,394 kg = 2,39 t. Annahmen: Musterhaus mit 140 m² und 20.000 kWh Gas laut Rechnung bzw. gleicher Wärmebedarf mit Öl (rund 10 kWh je Liter), volle Weitergabe, Eigentümer zahlt allein. Anteil an der Gasrechnung: 237 bzw. 280 € geteilt durch 20.000 kWh × 11,93 ct (BDEW, Durchschnitt 2026) = 2.386 €. Summen aus ungerundeten Werten.
Zugleich hat der Bund 2026 andere Energiekosten gesenkt: Die Gasspeicherumlage von 0,289 Cent je kWh entfällt seit 1. Januar 2026, im Musterhaus rund 58 € netto im Jahr, und ein Bundeszuschuss von 6,5 Mrd. € senkt die Stromnetzentgelte, laut Bundesregierung um rund 100 € bei 3.500 kWh. Das ist kein Klimageld, denn die Entlastung hängt am Verbrauch, nicht an der Zahl der Personen. Welche Heizung wie viel CO₂ und damit CO₂-Preis verursacht, vergleicht die Seite zum CO₂-Ausstoß von Gas, Öl, Wärmepumpe und Pellets.
Senkt der CO₂-Preis die Emissionen?
Der CO₂-Preis senkt Emissionen messbar, schließt die Klimalücke bei Gebäuden und Verkehr aber allein nicht. Eine Studie für das Umweltbundesamt (2024) rechnet für 2030 mit einer Minderung von 9,2 Mio. t CO₂-Äquivalenten durch den BEHG, davon 7,1 Mio. t in Gebäuden und Verkehr; diese beiden Sektoren überschreiten ihre Budgets von 2021 bis 2030 nach der Projektion 2026 um zusammen rund 297 Mio. t, im Mittel rund 30 Mio. t pro Jahr.
Die Wirkung entsteht über zwei Kanäle. Kurzfristig fahren Menschen etwas weniger und heizen sparsamer: Das RWI wertete Daten des Deutschen Mobilitätspanels von 2004 bis 2019 aus und fand, dass 10 % höhere Benzinpreise die Fahrleistung von Benzinern um rund 2,5 % senken; für 55 € je Tonne schätzte es mindestens 1,62 Mio. t weniger CO₂ im Jahr. Langfristig wirkt er über Investitionen in Heizung, Dämmung und Auto, bisher aber schwach: Beim Heizöl machte der CO₂-Preis laut der Untersuchung für das UBA Anfang 2024 nur 11,4 % des Verbraucherpreises aus. Mit 250 € je Tonne im Jahr 2030 kämen 4,9 Mio. t hinzu, mit zusätzlich schnellerem Heizungstausch bis zu 10,2 Mio. t.
Fallbeispiel
Schweden: CO₂-Steuer seit 1991 (Stand Oktober 2026)
Eingeführt 1991 mit 250 SEK je Tonne (rund 24 €); 2026 gelten 1.520 SEK, rund 134 € je Tonne (IEA Policies Database, 04.06.2026)
Die Emissionen aus der Beheizung von Wohnungen und Gebäuden sanken von 1990 bis 2024 um 94 %; den größten Beitrag leistete der Ausstieg aus Ölkesseln zugunsten von Fernwärme und Strom (Naturvårdsverket, Stand 17.06.2026)
Schwedens Treibhausgase lagen 2025 vorläufig bei 46,7 Mio. t CO₂-Äq., rund 34 % unter 1990 (Naturvårdsverket)
Vom 1. Juli bis 30. November 2026 ist die CO₂-Steuer auf Benzin befristet um 2,40 SEK je Liter gesenkt, auf 0,87 statt 3,27 SEK je Liter (Skatteverket, 25.06.2026)
Einordnung
Was der Fall zeigt
Ein hoher CO₂-Preis senkt Emissionen dort zuverlässig, wo es eine fertige Alternative gibt, und wird dort politisch gesenkt, wo sie fehlt. Beim Heizen standen Fernwärme und Wärmepumpe bereit, die Emissionen fielen um 94 %; beim Benzin senkte die Regierung die Steuer 2026 auf 0,87 SEK je Liter, umgerechnet rund 7,7 Cent und damit weniger als der deutsche Aufschlag von 15,6 Cent netto bei 65 €. Für deutsche Haushalte folgt daraus: Über den Umstieg entscheiden Strompreis, Förderung und Wärmenetze, nicht der CO₂-Preis allein. Der Fall zeigt nicht, wie viel der schwedischen Minderung allein auf die Steuer zurückgeht; Wasserkraft, Kernenergie und eine frühe Fernwärme-Infrastruktur halfen mit, und mit −34 % liegt Schweden insgesamt unter dem deutschen Rückgang von 48 %, weil es von einem niedrigeren Niveau startete.
Wie die Lücke bis 2030 gemessen wird und was der Expertenrat 2026 dazu festgestellt hat, beschreibt die Seite zum Klimaschutzgesetz und seinen Zielen.
Wie teilen sich Mieter und Vermieter die CO₂-Kosten?
Seit 2023 teilen Mieter und Vermieter die CO₂-Kosten der Heizung nach dem Kohlendioxidkostenaufteilungsgesetz (CO2KostAufG): Je schlechter das Gebäude, desto mehr trägt der Vermieter, von 0 % bei unter 12 kg CO₂ je m² und Jahr bis 95 % ab 52 kg. Bei Nichtwohngebäuden gilt eine hälftige Teilung.
Stufenmodell für Wohngebäude nach CO2KostAufG (Anlage zu §§ 5–7)
kg CO₂ je m² Wohnfläche und Jahr
Anteil Mieter
Anteil Vermieter
unter 12
100 %
0 %
12 bis unter 17
90 %
10 %
17 bis unter 22
80 %
20 %
22 bis unter 27
70 %
30 %
27 bis unter 32
60 %
40 %
32 bis unter 37
50 %
50 %
37 bis unter 42
40 %
60 %
42 bis unter 47
30 %
70 %
47 bis unter 52
20 %
80 %
ab 52
5 %
95 %
Im Musterhaus mit Gas (25,9 kg je m²) trägt der Vermieter 30 %, mit Öl (38,2 kg je m²) 60 % der CO₂-Kosten. Quelle: CO2KostAufG vom 05.12.2022, Anlage; Musterhaus eigene Rechnung (3.620 kg bzw. 5.353 kg CO₂ ÷ 140 m²).
Der Vermieter ermittelt die Stufe mit der Heizkostenabrechnung aus dem CO₂-Ausstoß laut Brennstoffrechnung, geteilt durch die Wohnfläche. Im gasbeheizten Musterhaus mit 140 m² ergeben 3.620 kg CO₂ rund 25,9 kg je m²: Der Vermieter trägt 30 % der 237 bis 280 €, rund 71 bis 84 € im Jahr. Mieter, die selbst einen Gasliefervertrag haben, können den Vermieteranteil von ihm zurückfordern. Seit 29. Juli 2026 gilt ergänzend: Baut ein Vermieter eine neue Gas- oder Ölheizung ein, werden CO₂-Kosten, Netzentgelte und die Mehrkosten der Bio-Treppe hälftig geteilt (§§ 5a und 5b). Was das Gebäudemodernisierungsgesetz sonst regelt, steht auf der Seite zur Dekarbonisierung von Gebäuden mit GModG und Förderung.
Wohin fließen die Einnahmen und was ist aus dem Klimageld geworden?
Die Einnahmen aus dem CO₂-Preis fließen vollständig in den Klima- und Transformationsfonds (KTF), aus dem der Bund Förderprogramme für Gebäude, Industrie und Verkehr bezahlt. 2025 brachte der nationale Emissionshandel rund 16 Mrd. € ein, zusammen mit dem EU-Emissionshandel 21,4 Mrd. €. Ein Klimageld, also eine Rückzahlung pro Kopf, gibt es bis Oktober 2026 nicht.
Der Bundestag lehnte am 26. Februar 2026 einen Antrag der Linken ab, ein Klimageld von 320 € je Person und Jahr einzuführen; CDU/CSU, SPD und AfD stimmten dagegen. Die Regierungsfraktionen sehen das Klimageld laut Beschlussempfehlung „nicht als vorrangiges Instrument“ und entlasten stattdessen über Netzentgelte und Energiepreise. Rechnerisch hätten die Einnahmen 2025 für rund 256 € je Einwohner gereicht; die ausführliche Rechnung steht auf der Seite zu den Einnahmen aus dem Emissionshandel.
Fallbeispiel
Österreich: CO₂-Preis mit Klimabonus, Klimabonus abgeschafft (2022 bis 2026)
Fixpreise nach dem Nationalen Emissionszertifikatehandelsgesetz (NEHG 2022): 30 € (2022), 32,50 € (2023), 45 € (2024), je 55 € von 2025 bis 2027; ab 2028 Marktphase im ETS 2 (BMF, Stand 18.02.2026)
Klimabonus ab 2022 jährlich für alle mit Hauptwohnsitz, seit 2023 regional gestaffelt; 2024 je Person 145 € Sockelbetrag plus 0 bis 145 € Regionalausgleich, Kinder die Hälfte (oesterreich.gv.at, Stand 17.06.2026)
Mit dem Budgetbegleitgesetz 2025 abgeschafft, Budgetausschuss am 3. Juni 2025; „Ab dem Jahr 2025 gibt es keinen Klimabonus mehr“; als Ausgleich wurde unter anderem der Pendlereuro erhöht (Parlamentskorrespondenz, 03.06.2025)
Ansprüche aus früheren Jahren können bis Dezember 2027 nachträglich geltend gemacht werden (oesterreich.gv.at)
Einordnung
Was der Fall zeigt
Der Sockelbetrag von 145 € deckte 2024 bei 45 € je Tonne die CO₂-Kosten von rund 3,2 t je Person; eine vierköpfige Familie mit Gasheizung wie im Musterhaus (3,62 t, rund 163 € netto) bekam mindestens 435 € zurück (zwei Erwachsene mit 145 €, zwei Kinder mit 72,50 €). 2025 stieg der Preis auf 55 €, der Bonus fiel auf null. Österreich zeigt: Eine Rückgabe, die nicht gesetzlich an die Einnahmen gekoppelt ist, übersteht die erste Sparrunde nicht. Für Deutschland heißt das, dass ein Klimageld mit dem Start des ETS 2 nur Bestand hätte, wenn es aus den CO₂-Einnahmen zweckgebunden finanziert würde. Der Fall zeigt nicht, ob der Klimabonus das Verhalten oder die Zustimmung zum CO₂-Preis messbar verändert hat; dazu liegt keine amtliche Auswertung vor.
Wen belastet der CO₂-Preis am stärksten?
Der CO₂-Preis belastet Haushalte mit niedrigem Einkommen anteilig stärker als wohlhabende, weil Heizung und Tanken bei ihnen einen größeren Teil des Budgets ausmachen. Ohne Rückgabe wäre nach einer Auswertung des DIW Berlin bei 65 € je Tonne fast jeder zweite Haushalt im untersten Einkommensfünftel mit mehr als 0,5 % seines Nettoeinkommens belastet.
Das DIW (Wochenbericht 42/2024) beziffert den Anteil im untersten Fünftel auf 44,8 %; mit einer Klimaprämie von rund 124 € je Person und Jahr sänke er auf 16,3 %. Die unterste Einkommensgruppe würde dann im Mittel um 0,6 % ihres Nettoeinkommens entlastet, die oberen 30 % um rund 0,2 % belastet. Besonders betroffen sind laut Umweltbundesamt Geringverdiener in schlecht gedämmten Wohnungen mit Öl- oder Gasheizung und Pendler ohne Alternative zum Verbrenner. Das Stufenmodell für Mieter schützt vor schlechten Gebäuden, nicht vor geringem Einkommen.
Für den ETS 2 hat die EU deshalb einen Klima-Sozialfonds geschaffen (Verordnung (EU) 2023/955), der ab 2026 Maßnahmen für einkommensschwache Haushalte und Kleinstunternehmen finanziert.
Was bedeutet der CO₂-Preis für Unternehmen?
Für Unternehmen ist der CO₂-Preis ein direkter Kostenblock auf jede Tonne Scope-1-Emissionen aus eigener Heizung und eigenem Fuhrpark: 2026 sind das 55 bis 65 € je Tonne zuzüglich Mehrwertsteuer, die vorsteuerabzugsberechtigte Betriebe zurückerhalten. Abgabepflichtig sind nur Inverkehrbringer, alle anderen zahlen über den Einkaufspreis.
Fuhrpark: Ein Betrieb, der 10.000 Liter Diesel im Jahr tankt, zahlt mit dem gesetzlichen Standardwert (26,8 t CO₂) rund 1.470 bis 1.740 € netto CO₂-Preis. Für die Klimabilanz bleibt der physikalische Wert von 2,65 kg je Liter maßgeblich, also 26,5 t.
Heizung: 500.000 kWh Erdgas laut Gasrechnung entsprechen rund 90,5 t CO₂ und rund 4.980 bis 5.880 € netto. Wie sich das je Heizungsart unterscheidet, zeigt der Vergleich auf der Seite zum CO₂-Ausstoß von Heizungen.
Planung 2027 und 2028: Für 2027 sieht der Entwurf 55 bis 65 € vor; realistisch ist der obere Wert. Für Investitionen mit 15 bis 20 Jahren Laufzeit, etwa Heizung oder Fahrzeugflotte, sollten Betriebe mehrere Preispfade ab 2028 durchrechnen, zum Beispiel 65, 100 und 200 € je Tonne, statt den Korridor fortzuschreiben.
Weitergabe: Logistik, Bau und Handwerk geben CO₂-Kosten über Preisgleitklauseln oder Treibstoffzuschläge weiter; beim Angebotsvergleich lohnt der Blick, auf welchen CO₂-Preis sich eine Klausel bezieht.
Carbon Leakage: Unternehmen bestimmter Branchen im internationalen Wettbewerb können nach der BEHG-Carbon-Leakage-Verordnung (BECV) eine teilweise Kompensation beantragen.
Berichten: CO₂-Kosten sind keine Emissionen, gehören aber in die Darstellung finanzieller Klimarisiken nach ESRS E1 und in Berichte nach dem freiwilligen Standard VS (Nachfolger des VSME) oder dem DNK. Die Grundlage, Scope 1 sauber zu erfassen, beschreibt die Seite zu Scope 1, 2 und 3 nach dem GHG Protocol. Der CO₂-Preis ist keine CO₂-Kompensation: Gezahlte Beträge senken die eigene Bilanz nicht.
Wie geht es mit dem CO₂-Preis ab 2028 weiter?
Ab 2028 soll der europäische Emissionshandel ETS 2 den nationalen CO₂-Preis für Gebäude und Straßenverkehr ersetzen; dann bildet sich der Preis am Markt innerhalb einer EU-weiten Obergrenze. Ursprünglich war der Start für 2027 geplant; die Änderung des EU-Klimagesetzes (Verordnung (EU) 2026/667) hat ihn um ein Jahr verschoben.
Gegen Preissprünge hat der ETS 2 eine Marktstabilitätsreserve mit anfangs 600 Mio. Zertifikaten. Steigt der Preis über 45 € je Tonne in Preisen von 2020 oder zu schnell, werden zusätzliche Zertifikate freigegeben. Im ersten Jahr werden außerdem rund 30 % mehr Zertifikate versteigert (Frontloading). Einen Kommissionsvorschlag vom November 2025, die Freigabemenge zu verdoppeln, haben Rat und Parlament bis Oktober 2026 nicht beschlossen. Wie der ETS 2 im Detail funktioniert, beschreibt die Seite zum ETS 2 für Gebäude und Verkehr.
Für Haushalte heißt das: 2026 und, wenn der Bundestag zustimmt, 2027 bleibt der Aufschlag bei höchstens 18,5 Cent je Liter Benzin und 1,4 Cent je kWh Gas; ab 2028 ist er offen. Bei einem Rechenszenario von 100 € je Tonne zahlt der Musterhaushalt mit Gasheizung und Benziner rund 716 € im Jahr, rund 250 € mehr als 2026.
Häufige Fragen zum CO₂-Preis
Was ist die CO₂-Steuer?
„CO₂-Steuer“ ist der umgangssprachliche Name für den nationalen CO₂-Preis nach dem Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG). Lieferanten von Heizöl, Erdgas, Benzin und Diesel zahlen seit 2021 je Tonne CO₂ einen festgelegten Betrag und geben ihn über den Preis weiter. Rechtlich ist das ein Emissionshandel, keine Steuer.
Wie hoch ist der CO₂-Preis 2026 und 2027?
2026 liegt der CO₂-Preis in einem Korridor von 55 bis 65 € je Tonne; die Versteigerungen an der EEX endeten bisher bei 65 €. Für 2027 sieht ein Gesetzentwurf (Drucksache 21/7869) erneut 55 bis 65 € vor; der Bundestag soll am 15. Oktober 2026 abstimmen. Ab 2028 soll der EU-Emissionshandel ETS 2 den Preis bestimmen.
Wie viel CO₂-Steuer zahlt man pro Liter Benzin?
2026 sind es 15,7 Cent je Liter Benzin bei 55 € je Tonne und 18,5 Cent bei 65 €, jeweils inklusive Mehrwertsteuer. Diesel und Heizöl verteuern sich um 17,5 bis 20,7 Cent je Liter. Grundlage sind die gesetzlichen Standardwerte von 2,39 kg CO₂ je Liter Benzin und 2,68 kg je Liter Diesel.
Wie viel CO₂-Preis zahlt ein Haushalt mit Gasheizung?
Bei 20.000 kWh laut Gasrechnung entstehen rund 3,6 t CO₂; der CO₂-Preis beträgt 2026 rund 237 bis 280 € im Jahr inklusive Mehrwertsteuer, das sind 10 bis 12 % der Gasrechnung. Je kWh sind es 1,2 bis 1,4 Cent.
Gibt es das Klimageld?
Nein. Bis Oktober 2026 hat Deutschland kein Klimageld eingeführt. Der Bundestag lehnte am 26. Februar 2026 einen Antrag auf 320 € je Person ab. Die Einnahmen von 21,4 Mrd. € (2025) fließen in den Klima- und Transformationsfonds.
Wer zahlt die CO₂-Kosten in einer Mietwohnung?
Mieter und Vermieter teilen sie nach dem Kohlendioxidkostenaufteilungsgesetz. Je mehr CO₂ das Gebäude je m² Wohnfläche ausstößt, desto größer ist der Vermieteranteil: von 0 % unter 12 kg bis 95 % ab 52 kg CO₂ je m² und Jahr. Bei Gewerbeflächen gilt eine Teilung von 50 zu 50.