Glossar

Scope 1, 2 und 3: Was gehört wohin nach dem GHG Protocol?

Scope 1, 2 und 3 nach GHG Protocol: was in welchen Scope gehört, alle 15 Scope-3-Kategorien, standort- vs. marktbasiert, Pflichten 2026.

Von Johanna Jung · aktualisiert am · 14 Min. Lesezeit

Kurz erklärt

Scope 1, 2 und 3 sind die drei Bereiche, in die das Greenhouse Gas Protocol die Treibhausgase eines Unternehmens einteilt. Scope 1 umfasst direkte Emissionen aus eigenen Anlagen und Fahrzeugen, Scope 2 eingekauften Strom, Wärme, Dampf und Kälte, Scope 3 alle übrigen Emissionen der Wertschöpfungskette in 15 Kategorien.

Anteil von Scope 3 an der Gesamtbilanz
rund 75 %Mittelwert der an CDP berichtenden Unternehmen, Daten 2021
Kategorien in Scope 3
158 vorgelagert, 7 nachgelagert, GHG Protocol 2011
Berechnungsmethoden für Scope 2
2 Pflichtwertestandortbasiert und marktbasiert, Scope 2 Guidance 2015

Was sind Scope 1, Scope 2 und Scope 3?

Scope 1, 2 und 3 sind die drei Bilanzbereiche des Greenhouse Gas Protocol (GHG Protocol), des weltweit verbreitetsten Regelwerks für Klimabilanzen von Unternehmen. Sie ordnen jede Tonne Treibhausgas danach, wo sie entsteht und wie direkt das Unternehmen sie verursacht.

  • Scope 1, direkte Emissionen: Treibhausgase aus Quellen, die dem Unternehmen gehören oder die es steuert, also Heizkessel, Öfen, Firmenfahrzeuge, Prozesse und entweichende Kältemittel.
  • Scope 2, indirekte Emissionen aus eingekaufter Energie: Treibhausgase, die bei der Erzeugung von Strom, Fernwärme, Dampf und Kälte entstehen, die das Unternehmen bezieht und selbst verbraucht.
  • Scope 3, alle übrigen indirekten Emissionen: Treibhausgase der Wertschöpfungskette, vom Rohstoff des Lieferanten über Geschäftsreisen und Pendeln bis zur Nutzung und Entsorgung verkaufter Produkte.

Das GHG Protocol ist eine Initiative des World Resources Institute (WRI) und des World Business Council for Sustainable Development (WBCSD). Es erfasst alle sieben Kyoto-Gase, umgerechnet in CO₂-Äquivalente; wie stark die einzelnen Gase wirken, zeigt die Seite zu den Treibhausgasen und ihrem Treibhauspotenzial.

„Scope“ (Bereich) beschreibt also keine Gasart und keinen Sektor, sondern die Verantwortungskette: Dieselbe Tonne CO₂ aus einem Kohlekraftwerk steht beim Betreiber in Scope 1, beim Stromkunden in Scope 2 und bei dessen Kunden in Scope 3. Addiert ergeben Unternehmensbilanzen deshalb keine Landessumme, wie die Seite zu Emissionen, Treibhausgasen und Scopes zeigt.

Steckbrief GHG Protocol (Stand Oktober 2026)
TrägerWorld Resources Institute und WBCSD, seit September 2025 Partnerschaft mit ISO
Corporate Standard (Scope 1 und 2)Erstausgabe 2001, überarbeitet 2004
Scope 2 Guidance2015, zwei Pflichtwerte: standort- und marktbasiert
Corporate Value Chain (Scope 3) Standard2011, 15 Kategorien
Erfasste Gase7 Kyoto-Gase (CO₂, CH₄, N₂O, HFKW, FKW, SF₆, NF₃)
Land Sector and Removals Standardveröffentlicht 30.01.2026, wirksam ab 01.01.2027
Revidierter GesamtstandardEntwurf Q2 2027, Veröffentlichung voraussichtlich Q4 2028

Die Regeln für Scope 1 und 2 sind über 20 Jahre alt, die für Scope 3 15 Jahre; eine gemeinsame Neufassung mit ISO ist für Ende 2028 geplant. Quellen: GHG Protocol, Standard Development Plan (29.07.2026), Scope 3 Standard (2011), Land Sector and Removals Standard (2026).

Welche Emissionen gehören in Scope 1, 2 oder 3? Beispiele nach Branche

Die Zuordnung folgt einer Prüfung: Verbrennt oder verliert das Unternehmen den Stoff selbst, ist es Scope 1; kauft es die Energie ein, Scope 2; entsteht die Emission bei anderen in der Kette, Scope 3. Die Tabelle zeigt typische Posten für sechs Branchen.

Scope 1, 2 und 3 nach Branche: typische Posten
BrancheScope 1Scope 2Scope 3 (größter Posten)
Büro-Dienstleister, AgenturGasheizung, DienstwagenBürostrom, FernwärmeGeschäftsreisen, Pendeln, IT und Cloud (Kat. 6, 7, 1)
Handwerk, MetallbauTransporter, Hallenheizung, KältemittelStrom für Maschineneingekaufter Stahl und Aluminium (Kat. 1)
HotelHeizkessel, Küche (Gas), KältemittelStrom, FernwärmeLebensmittel, Wäscherei, Reinigung (Kat. 1)
Nahrungsmittel und GetränkeProzesswärme, KühlungStromAgrarrohstoffe (Kat. 1): 77 % von Scope 3
Investitionsgüter, MaschinenbauProzesswärme, LackieranlagenStromEnergieverbrauch verkaufter Maschinen (Kat. 11): 91 % von Scope 3
FinanzdienstleisterGebäudeheizungBürostromfinanzierte Emissionen (Kat. 15): über 99 % von Scope 3

Je weiter ein Unternehmen vom Rohstoff oder vom Energieverbrauch beim Kunden entfernt ist, desto größer wird Scope 3 gegenüber den eigenen Emissionen. Quelle: Prozentwerte CDP, Technical Note „Relevance of Scope 3 Categories by Sector“ (2024, Daten 2021); Zuordnung der Posten nach GHG Protocol; Zeilen ohne Prozentwert ohne belegten Branchenwert.

Was zählt zu Scope 1, den direkten Emissionen?

Scope 1 umfasst alle Treibhausgase aus eigenen oder gesteuerten Quellen: stationäre Verbrennung (Heizung, Prozesswärme), mobile Verbrennung (Fuhrpark), Prozessemissionen (etwa CO₂ aus Kalk bei der Zementherstellung) und flüchtige Emissionen (Kältemittel, Methan aus Leitungen). Grundlage sind fast immer Mengen aus Gas-, Heizöl- und Tankrechnungen.

Bei Erdgas kommt es auf die Bezugsgröße an: Gasrechnungen weisen die Kilowattstunden nach dem Brennwert aus, Emissionsstatistiken rechnen meist mit dem Heizwert. Je kWh laut Gasrechnung entstehen deshalb rund 181 g CO₂, je kWh Heizwert 201 g, für dasselbe Gas. Für Diesel gelten 2,65 kg CO₂ je Liter, für Benzin 2,32 kg.

Leicht übersehen werden Kältemittel: Ein Kilogramm R-32 aus einer Klimaanlage entspricht nach dem Weltklimarat (AR6) 771 kg CO₂-Äquivalent, ein Kilogramm R-410A nach den Inventarwerten (AR5) 1.924 kg; die Nachfüllmengen stehen im Wartungsprotokoll. CO₂ aus der Verbrennung von Holz, Pellets oder Biomethan ist biogen und wird nach dem GHG Protocol außerhalb der Scopes in einer eigenen Zeile berichtet; Methan und Lachgas aus derselben Feuerung zählen dagegen in Scope 1.

Wie unterscheiden sich standortbasierter und marktbasierter Scope 2?

Scope 2 wird seit der Scope-2-Leitlinie von 2015 zweimal berechnet: standortbasiert mit dem durchschnittlichen Emissionsfaktor des Stromnetzes, in Deutschland 2025 rund 344 g CO₂ je kWh, und marktbasiert mit dem Faktor des tatsächlich eingekauften Stromprodukts. Beide Werte gehören in den Bericht.

Der marktbasierte Wert folgt einer festen Reihenfolge. An erster Stelle stehen entwertete Herkunftsnachweise und Direktlieferverträge (Power Purchase Agreements, PPA), danach der lieferantenspezifische Faktor aus der Stromkennzeichnung nach § 42 Energiewirtschaftsgesetz, zuletzt der Residualmix. Der Residualmix ist das, was übrig bleibt, wenn alle Ökostrommengen mit Nachweis anderen Kunden zugeordnet sind. Für Deutschland lag er 2025 laut der Association of Issuing Bodies (AIB) bei 701,47 g CO₂ je kWh und zu 98,4 % fossil. Wie Herkunftsnachweise und Siegel funktionieren, steht auf der Seite zu Ökostrom-Zertifikaten und Herkunftsnachweisen.

goClimate-Rechnung
goClimate-Rechnung: Scope 2 eines Hotels mit 400.000 kWh Strom im Jahr
Standortbasiert (Strommix 2025)400.000 kWh × 344 g = 137,6 t CO₂
Marktbasiert mit Ökostrom und Herkunftsnachweisen0 t CO₂
Marktbasiert ohne Ökostrom, Residualmix 2025400.000 kWh × 701,47 g = 280,6 t CO₂
Verhältnis Residualmix zu NetzdurchschnittFaktor 2,0 (701,47 ÷ 344)
Zusätzlich: Vorkette des Netzstroms in Scope 3, Kategorie 3400.000 kWh × (406 − 344) g = 24,8 t CO₂-Äq.
Spanne für denselben Verbrauch0 bis 280,6 t im marktbasierten Wert

So haben wir gerechnet: Verbrauch mal Emissionsfaktor. Annahmen: ein Stadthotel mit 400.000 kWh Strom pro Jahr; der Versorger nennt keinen eigenen Faktor, sodass der Residualmix greift (weist die Stromkennzeichnung einen Lieferantenfaktor aus, gilt dieser). Vorkette als Differenz des Strommix mit und ohne Vorketten (406 und 344 g). Quellen: UBA, Strommix 2025; AIB, European Residual Mixes 2025 (26.05.2026); Rechnung goClimate, gerundet.

Wer beim Strom nichts entscheidet, steht in der marktbasierten Bilanz doppelt so schlecht da wie im Netzdurchschnitt, weil die erneuerbaren Mengen mit Nachweis bereits verkauft sind. Umgekehrt beweist die Null eines Ökostromvertrags keinen sauberen Betrieb in jeder Stunde. Fälle zu Ökostrom im Scope 2 stehen auf der Seite zu den CO₂-Emissionen von Ökostrom und dem stündlichen Abgleich, die Faktoren von Wärmenetzen auf der Seite zur Fernwärme und ihrem Scope-2-Faktor.

Welche 15 Kategorien umfasst Scope 3?

Scope 3 umfasst 15 Kategorien: acht vorgelagerte (eingekaufte Waren und Leistungen bis zu gemieteten Anlagen) und sieben nachgelagerte (vom Transport zum Kunden bis zu Investitionen). Ein Unternehmen muss jede relevante Kategorie berechnen und jede Auslassung begründen.

Die 15 Scope-3-Kategorien mit Beispiel und typischer Datenquelle
Nr.KategorieBeispielTypische Datenquelle
1Eingekaufte Waren und DienstleistungenStahl, Lebensmittel, Software, ReinigungEinkaufsmengen, Lieferanten-PCF, sonst Ausgaben × Faktor
2InvestitionsgüterMaschinen, Fahrzeuge, NeubauAnlagenbuchhaltung, Herstellerangaben
3Brennstoff- und energiebezogene Emissionen (nicht in Scope 1 oder 2)Förderung und Transport von Erdgas, NetzverlusteEnergiemengen aus Scope 1 und 2 × Vorkettenfaktor
4Transport und Verteilung, vorgelagertAnlieferung durch SpediteureTonnenkilometer, Angaben der Logistiker
5Abfall aus dem BetriebRestmüll, Späne, AbwasserEntsorgernachweise in Tonnen
6GeschäftsreisenFlüge, Bahn, Mietwagen, HotelReisekostenabrechnung, Reisebüro
7Pendeln der BeschäftigtenArbeitsweg mit Pkw oder ÖPNVBefragung zu Strecke und Verkehrsmittel
8Gemietete oder geleaste Sachanlagen, vorgelagertangemietetes Lager ohne eigene SteuerungVerbrauch laut Vermieter, Flächenanteil
9Transport und Verteilung, nachgelagertAuslieferung, Anreise von KundenVersanddaten, Kundenbefragung
10Weiterverarbeitung verkaufter ProdukteGranulat, das der Kunde spritzgießtBranchenwerte, Kundenangaben
11Nutzung verkaufter ProdukteStrom einer verkauften Maschine, Kraftstoff eines AutosAbsatz × Verbrauch × Lebensdauer
12Behandlung verkaufter Produkte am LebensendeVerbrennung von VerpackungenAbsatzmengen × Entsorgungswege
13Vermietete oder verleaste Sachanlagen, nachgelagertvermietete GewerbeflächeVerbrauchsdaten der Mieter
14FranchiseFilialen von FranchisenehmernEnergiedaten der Franchisenehmer
15InvestitionenBeteiligungen, KrediteBeteiligungsquote × Emissionen der Beteiligung

Für die meisten Unternehmen sind zwei oder drei der 15 Kategorien für den Großteil von Scope 3 verantwortlich, Kategorie 1 bei Händlern und Herstellern, Kategorie 11 bei Produkten, die Energie verbrauchen. Quelle: GHG Protocol, Corporate Value Chain (Scope 3) Standard (2011); deutsche Bezeichnungen redaktionell; Datenquellen nach Praxis der Bilanzierung.

Kategorie 11 unterscheidet direkte Nutzungsemissionen, etwa den Kraftstoff eines verkauften Autos, und indirekte, etwa das heiße Wasser für ein Waschmittel. Direkte sind Pflicht, indirekte freiwillig; genau hier gehen Berichte großer Konsumgüterhersteller auseinander.

Wie groß ist der Anteil von Scope 3 an den Emissionen eines Unternehmens?

Ein Klimaziel nur für Scope 1 und 2 deckt im Durchschnitt ein Viertel der Emissionen eines Unternehmens ab, bei Markenherstellern wie adidas und Henkel ein bis zwei Prozent. Nach der Auswertung von CDP machte Scope 3 bei den berichtenden Unternehmen im Mittel rund 75 % der Gesamtemissionen aus (Daten 2021); die Emissionen der vorgelagerten Lieferkette lagen 2023 im Schnitt 26-mal so hoch wie Scope 1 und 2.

Die Branchenwerte streuen stark: Bei Fahrzeugherstellern entfallen 86 % von Scope 3 auf die Nutzung verkaufter Fahrzeuge (Kategorie 11). Bei Zement und Stahl ist es umgekehrt: Kategorie 1 macht nur 6 bzw. 8,1 % der Gesamtbilanz aus, der eigene Ofen dominiert. Nur 15 % der an CDP berichtenden Unternehmen hatten ein Scope-3-Ziel. Wie Unternehmen Lieferanten einbinden, um diesen Block zu senken, beschreibt die Seite zur Dekarbonisierung der Lieferkette.

Fallbeispiel

adidas, Herzogenaurach: Scope 3 ohne Nutzungsphase (Geschäftsjahr 2025)

  • Scope 1: 20.839 t CO₂e; Scope 2 marktbasiert 107.143 t, standortbasiert 166.752 t (Geschäftsbericht 2025, ESRS E1-6)
  • Scope 3: 6.236.869 t CO₂e, davon eingekaufte Waren und Dienstleistungen (Kategorie 1) 5.618.143 t; +19 % gegenüber 2024, −5 % gegenüber dem Basisjahr 2022
  • Nutzung verkaufter Produkte (Waschen, Trocknen) 1.128.317 t, aus Gesamtsummen und Zielen ausgenommen; zehn Kategorien als unwesentlich ausgeschlossen, etwa Pendeln
  • Ziele bis 2030 gegenüber 2022: Scope 1 und 2 −70 %, Scope 3 −42 %; 85,5 % der Scope-3-Emissionen beruhen nach Unternehmensangabe auf Primärdaten; Emissionen je Produkt 2025 −3,9 %
Einordnung

Was der Fall zeigt

Scope 1 und 2 machen bei adidas 2,0 % der Gesamtsumme aus, Kategorie 1 allein 90 % von Scope 3: Klimaschutz findet hier fast vollständig in den Fabriken der Lieferanten statt. Je Produkt sanken die Emissionen, absolut stiegen sie um 19 %, weil mehr verkauft wurde. Um das Scope-3-Ziel zu erreichen, müssten die Emissionen ab 2025 um rund 39 % sinken, also um gut 9 % pro Jahr. Würde adidas die Nutzungsphase mitzählen, wäre Scope 3 um 18 % größer. Der Fall zeigt nicht, wie belastbar die Primärdaten der Lieferanten sind; dafür bräuchte es die Prüfung einzelner Werke.

Fallbeispiel

Henkel, Düsseldorf: Nutzungsphase im Bericht, nicht im Ziel (Geschäftsjahr 2025)

  • Scope 1: 357.850 t CO₂e, Scope 2 marktbasiert 34.824 t, Scope 3: 33.455.268 t (Sustainability Indicators 2025)
  • Nutzung verkaufter Produkte (Kategorie 11): 20.495.907 t; eingekaufte Waren (Kategorie 1): 10.332.003 t, davon Rohstoffe 6.599.931 t und Verpackungen 1.485.537 t
  • Die Ziele nach SBTi umfassen alle Scope-3-Kategorien außer der Nutzungsphase, weil Henkels Produkte vor allem indirekte Nutzungsemissionen verursachen, etwa für heißes Waschwasser (Klimatransitionsplan, November 2024)
  • Der Wert der Nutzungsphase für 2024 wurde nach einer Methodenänderung von 23.163.822 t auf 20.552.822 t korrigiert; Ziele 2030 gegenüber 2021: Scope 1 und 2 −42 %, Scope 3 −30 %; Stand 2025: −49,5 % und −28,0 %
Einordnung

Was der Fall zeigt

Bei Henkel stehen 61 % von Scope 3 in einer Kategorie, die außerhalb des Ziels liegt; das Ziel misst 12,96 Mio. t, die Bilanz 33,46 Mio. t. Die Korrektur der Nutzungsphase um 2,61 Mio. t war 6,6-mal so groß wie alle eigenen Emissionen aus Scope 1 und 2 zusammen. Bei Scope 3 ist die Bilanzgrenze die wichtigste Angabe eines Berichts, obwohl sie selten in einer Tabelle steht: adidas lässt dieselbe Kategorie schon aus der Gesamtsumme weg, Henkel nur aus dem Ziel, beide regelkonform. Der Fall zeigt nicht, wie viel Henkel über Produktentwicklung, etwa Waschmittel für niedrige Temperaturen, in der Nutzungsphase tatsächlich einspart.

goClimate-Rechnung
goClimate-Rechnung: Was ein Ziel nur für Scope 1 und 2 an der Gesamtbilanz ändert
UnternehmenAnteil Scope 1 und 2Ziel Scope 1 und 2Wirkung auf die Gesamtbilanz
Durchschnitt der CDP-Berichte (Scope 3 rund 75 %)25 %−42 %−10,5 %
adidas 2025 (marktbasiert)2,0 %−70 %−1,4 %
Henkel 2025 (marktbasiert, mit Nutzungsphase)1,2 %−42 %−0,5 %

So haben wir gerechnet: Anteil von Scope 1 und 2 an der berichteten Gesamtsumme mal Minderungsziel. Werte: adidas 127.983 von 6.364.851 t, Henkel 392.674 von 33.847.942 t; Durchschnitt mit 25 % als Gegenwert zu rund 75 % Scope 3 und einem Ziel von −42 %, wie es Henkel für Scope 1 und 2 gesetzt hat. Quellen: CDP (2024), adidas Geschäftsbericht 2025, Henkel Sustainability Indicators 2025; Rechnung goClimate, gerundet; Balken proportional, Maximum 120px.

Ein ehrgeiziges Ziel für die eigenen Standorte bewegt die Gesamtbilanz eines Markenherstellers um ein bis zwei Prozent. Das spricht nicht gegen Ökostrom und Wärmepumpen, wohl aber gegen die Aussage, ein Unternehmen sei „auf dem Weg zur Klimaneutralität“, wenn nur Scope 1 und 2 sinken. Welche Aussagen seit 27. September 2026 zulässig sind, beschreibt die Seite zur Klimaneutralität von Unternehmen und Produkten.

Wie legen Unternehmen die Grenzen ihrer Bilanz fest?

Vor der ersten Zahl legt ein Unternehmen zwei Grenzen fest: die Organisationsgrenze (welche Gesellschaften und Standorte zählen) und die operative Grenze (welche Emissionen in welchem Scope landen). Das GHG Protocol erlaubt drei Ansätze für die Organisationsgrenze.

  • Operative Kontrolle: 100 % der Emissionen aller Einheiten, deren Betrieb das Unternehmen steuert; passt zu den eigenen Verbrauchsdaten und ist im Mittelstand verbreitet.
  • Finanzielle Kontrolle: 100 % der Einheiten, deren Finanz- und Geschäftspolitik das Unternehmen bestimmt, wie im Konzernabschluss.
  • Kapitalanteil (Equity Share): anteilig nach Beteiligung, etwa 30 % eines Gemeinschaftsunternehmens bei 30 % Anteil.

Die Wahl verschiebt Emissionen zwischen den Scopes: Ein angemietetes Büro mit eigenem Stromvertrag steht bei operativer Kontrolle in Scope 1 und 2, ohne Steuerung in Scope 3, Kategorie 8. Die vereinfachten europäischen Standards (ESRS) setzen ab dem Geschäftsjahr 2027 die finanzielle Kontrolle als Ausgangspunkt und lassen die beiden anderen Ansätze zu. Der Ansatz wird genannt und beibehalten; nach Zukauf oder Verkauf wird das Basisjahr neu berechnet.

Eine feste Prozentschwelle für das Weglassen einer Scope-3-Kategorie kennt der Scope-3-Standard nicht. Relevant ist eine Kategorie nach Größe, Einfluss des Unternehmens, Risiko und Erwartungen von Kunden und Investoren; Ausschlüsse sind zu begründen. Erste Schätzungen erfolgen meist ausgabenbasiert (Euro mal Durchschnittsfaktor) und werden für große Posten durch Mengen und Lieferantenwerte ersetzt.

Welche Scope-Angaben verlangen ESRS, VSME und DNK (Stand Oktober 2026)?

In der Nachhaltigkeitsberichterstattung ist eine Scope-Bilanz nur Pflicht für Unternehmen, die nach den europäischen Standards (ESRS) berichten müssen und den Klimawandel als wesentlich einstufen: dann mit Scope 1, Scope 2 standort- und marktbasiert und den wesentlichen Scope-3-Kategorien. Für alle übrigen ist sie freiwillig, Kunden und Banken fragen sie aber zunehmend ab.

Scope-Angaben in den Berichtsrahmen (Stand 12. Oktober 2026)
RahmenWerScope 1Scope 2Scope 3
ESRS E1 (CSRD), Fassung 2023berichtspflichtige Unternehmen, Klimawandel wesentlichPflichtPflicht, standort- und marktbasiertPflicht für wesentliche Kategorien
ESRS vereinfacht (VO 2026/1563), ab GJ 2027nach Omnibus I: über 1.000 Beschäftigte und über 450 Mio. € UmsatzPflichtPflichtPflicht, THG-Angaben enger an internationale Standards angelehnt
Freiwilliger EU-Standard (VO 2026/1560, Nachfolger des VSME)freiwillig, Unternehmen bis 1.000 BeschäftigteBasismodul B3 (bis 10 Beschäftigte freiwillig)B3, standortbasiertnicht verpflichtend
DNK (VSME-Modul, Umstellung auf VS bis Ende 2026)freiwillig, kostenlose Plattformwie VSMEwie VSMEwie VSME

Scope 3 ist für berichtspflichtige Großunternehmen Pflicht, für den Mittelstand freiwillig; was ein Kunde von Zulieferern bis 1.000 Beschäftigte verlangen darf, begrenzt der Value-Chain-Cap auf den Umfang des freiwilligen Standards. Quellen: Delegierte VO (EU) 2023/2772 und 2026/1563, Delegierte VO (EU) 2026/1560, RL (EU) 2026/470, DNK (2026).

Drei Punkte sind wichtig. Deutschland hat die CSRD noch nicht umgesetzt (Stand Oktober 2026); es gelten die §§ 289b bis 289e HGB zur nichtfinanziellen Erklärung, die keine Scope-Bilanz vorschreiben. Die vereinfachten ESRS gelten ab dem Geschäftsjahr 2027, die Angabe zu den Bruttoemissionen heißt dort E1-8 statt E1-6. Der freiwillige Standard ist seit 24. September 2026 in Kraft, der Value-Chain-Cap gilt ab dem Geschäftsjahr 2027. Wer wann berichten muss, steht auf der Seite zur CSRD nach Omnibus I; wie ein Bericht aufgebaut wird, auf der Seite zum Nachhaltigkeitsbericht für Unternehmen.

Was bedeuten Scope 1, 2 und 3 für Unternehmen?

Für Unternehmen sind die drei Scopes vor allem eine Arbeitsteilung: Scope 1 und 2 lassen sich aus eigenen Rechnungen berechnen und direkt senken, Scope 3 braucht Daten von Lieferanten und Kunden und ist meist der größere Hebel. Vier Schritte bilden eine sinnvolle Reihenfolge.

  • Scope 1 und 2 vollständig erfassen: Gas, Heizöl, Kraftstoff, Kältemittel, Strom und Fernwärme je Standort; Scope 2 immer zweimal.
  • Scope 3 grob schätzen: alle 15 Kategorien prüfen, die drei größten mit Mengen statt Euro rechnen, Ausschlüsse begründen.
  • Grenze und Methode festhalten: Konsolidierungsansatz, Basisjahr, Emissionsfaktoren mit Quelle, GWP-Satz (AR5 oder AR6), Umgang mit Kategorie 11.
  • Daten für Kunden vorbereiten: Der eigene Scope 1 und 2 ist Scope 3 der Kunden; wer Werte je Produkt liefern kann, wird seltener mit Durchschnittswerten gerechnet.

Wie die Bilanz Schritt für Schritt entsteht, mit Musterbetrieb, Emissionsfaktoren und Werkzeugen, zeigt die Anleitung zur CO₂-Bilanz für Unternehmen.

Was sind Scope 4, vermiedene Emissionen und Doppelzählungen?

„Scope 4“ ist kein Bereich des GHG Protocol, sondern ein inoffizieller Name für vermiedene Emissionen: Treibhausgase, die ein Produkt gegenüber einer Alternative einspart, etwa eine Dämmung gegenüber dem ungedämmten Haus. Der WBCSD hält den Begriff für irreführend und empfiehlt „vermiedene Emissionen“.

Nach dem WBCSD-Leitfaden werden vermiedene Emissionen immer getrennt berichtet und nie von Scope 1 bis 3 abgezogen. Dasselbe gilt für CO₂-Gutschriften aus Ausgleichsprojekten: Sie stehen neben der Bilanz, nie darin. Eine Bilanz von 1.000 t bleibt 1.000 t, auch wenn das Unternehmen 1.000 t Zertifikate kauft; das ist ein Beitrag zum Klimaschutz, keine Neutralisierung. Wie Kompensation sinnvoll eingeordnet wird, beschreibt die Seite zur CO₂-Kompensation.

Doppelzählungen sind in Scope 3 gewollt: Die Scope-1-Emissionen eines Stahlwerks stehen in Scope 3 jedes Kunden, der den Stahl kauft, deshalb lassen sich Scope-3-Werte verschiedener Unternehmen nicht addieren. Innerhalb einer Bilanz kommt jede Emission nur einmal vor: Die Verbrennung von Erdgas gehört in Scope 1, seine Förderung und sein Transport in Scope 3, Kategorie 3.

Welche Fehler passieren bei der Zuordnung zu Scope 1, 2 und 3?

Die meisten Fehler betreffen nicht die Rechnung, sondern Zuordnung und Grenze. Fünf typische Zuordnungsfehler, jeweils mit der richtigen Regel:

  • Eigenes Erdgas in Scope 2: Gas, das im eigenen Kessel verbrennt, ist Scope 1, auch wenn es wie Strom eingekauft wird. Scope 2 ist nur Energie, die ein anderer erzeugt.
  • Kategorie 3 als „Doppelzählung“ weglassen: Die Vorkette von Gas, Diesel und Strom ist nicht in Scope 1 oder 2 enthalten; sie kommt nur in Kategorie 3 vor.
  • Nur den marktbasierten Scope 2 nennen: Die Null aus Herkunftsnachweisen ohne den standortbasierten Wert verschweigt den physischen Verbrauch; beide Werte sind Pflicht.
  • Biogenes CO₂ in Scope 1 oder ganz weglassen: Es gehört in eine eigene Zeile außerhalb der Scopes, Methan und Lachgas der Feuerung in Scope 1.
  • Kompensation abziehen: Zertifikate senken die Bilanz nicht; eine „Netto-Bilanz“ nach Abzug von Gutschriften ist nach dem GHG Protocol nicht vorgesehen und kann als Greenwashing durch irreführende Klimaaussagen gelten.

Was ändert sich am GHG Protocol bis 2028?

Das GHG Protocol überarbeitet bis voraussichtlich Ende 2028 alle drei Standards und führt sie mit ISO zusammen; ein gemeinsamer Entwurf soll im zweiten Quartal 2027 zur Konsultation gehen. Bis dahin gelten die Fassungen von 2004, 2011 und 2015.

Für Unternehmen sind drei Entwicklungen absehbar. Beim Strom könnte ein stündlicher Abgleich kommen, mit Ausnahme für kleinere Organisationen; Herkunftsnachweise aus fernen Netzgebieten verlören an Wert. Ab 1. Januar 2027 gilt der Standard für Landsektor und Entnahmen, die getrennt von Scope 1 bis 3 berichtet werden. Und mit den vereinfachten ESRS und dem freiwilligen EU-Standard wird eine Scope-1-und-2-Bilanz für viele Mittelständler zur Eintrittskarte in Lieferantenlisten, auch ohne gesetzliche Pflicht.

Häufige Fragen zu Scope 1, 2 und 3

Was ist der Unterschied zwischen Scope 1, 2 und 3?

Scope 1 sind direkte Emissionen aus eigenen Anlagen und Fahrzeugen, Scope 2 Emissionen aus eingekauftem Strom, Wärme, Dampf und Kälte, Scope 3 alle übrigen Emissionen der Wertschöpfungskette, etwa aus eingekauften Waren.

Was sind Scope-3-Emissionen?

Scope-3-Emissionen sind indirekte Treibhausgase, die bei Lieferanten, Dienstleistern und Kunden entstehen, gegliedert in 15 Kategorien. Im Mittel machen sie rund 75 % der Gesamtbilanz aus (CDP, Daten 2021).

Ist Scope 3 Pflicht?

Scope 3 ist Pflicht für Unternehmen, die nach den ESRS berichten müssen und den Klimawandel als wesentlich einstufen. Im freiwilligen EU-Standard für kleinere Unternehmen und im DNK ist Scope 3 nicht verpflichtend. Deutschland hat die CSRD noch nicht umgesetzt (Stand Oktober 2026).

Was bedeutet standortbasiert und marktbasiert bei Scope 2?

Standortbasiert rechnet mit dem Netzdurchschnitt, in Deutschland 2025 rund 344 g CO₂ je kWh. Marktbasiert rechnet mit dem eingekauften Stromprodukt: Ökostrom mit Herkunftsnachweis 0 g, sonst Lieferantenfaktor oder Residualmix (2025: 701,47 g).

Was ist das GHG Protocol?

Das Greenhouse Gas Protocol ist das weltweit verbreitetste Regelwerk für Klimabilanzen von Unternehmen, getragen von World Resources Institute und WBCSD. Es definiert Scope 1, 2 und 3; eine Neufassung mit ISO ist für Ende 2028 geplant.

Gibt es Scope 4?

Nein, nicht im GHG Protocol. „Scope 4“ ist ein inoffizieller Begriff für vermiedene Emissionen, etwa durch ein sparsameres Produkt; sie werden getrennt berichtet und nie von der Bilanz abgezogen.