Glossar

Emissionen im Gebäudesektor: Wie viel CO₂ verursachen Gebäude in Deutschland?

Der Gebäudesektor stieß 2025 103,4 Mio. t CO₂-Äq. aus. Zeitreihe seit 1990, Zielpfad 2030, Energieträger, Wohn- vs. Nichtwohngebäude und Wettereffekt.

Von Johanna Jung · aktualisiert am · 12 Min. Lesezeit

Kurz erklärt

Emissionen des Gebäudesektors sind die Treibhausgase, die beim Heizen und bei der Warmwasserbereitung direkt in Gebäuden entstehen, vor allem durch Erdgas und Heizöl in Wohnhäusern, Büros, Läden und Schulen. Strom, Fernwärme und Baustoffe zählt die amtliche Statistik anderen Sektoren zu.

Emissionen 2025
103,4 Mio. t CO₂-Äq.+3,4 % ggü. 2024, UBA
Anteil an Deutschlands Emissionen
rund 16 %von 648,9 Mio. t, 2025
Pfad Klimaschutzgesetz 2030
67 Mio. t CO₂-Äq.KSG Anlage 2a

Was zählt zu den Emissionen des Gebäudesektors?

Zum Gebäudesektor zählen in der deutschen Treibhausgasbilanz nur die Emissionen, die in Gebäuden selbst entstehen: Heizkessel, Öfen und Warmwasserbereiter in Haushalten sowie in Gewerbe, Handel und Dienstleistungen. Grundlage ist das Quellprinzip des Bundes-Klimaschutzgesetzes (KSG).

Strom für Wärmepumpen, Licht und Klimaanlagen sowie Fernwärme rechnet das Umweltbundesamt (UBA) der Energiewirtschaft zu, weil das CO₂ im Kraftwerk entsteht. Zement, Stahl und Ziegel für den Bau erscheinen in der Industrie. Nach diesem Quellprinzip lag der Anteil des Gebäudesektors 2023 bei rund 15 % der deutschen Emissionen. Rechnet man Strom und Fernwärme den Gebäuden zu (Verursacherprinzip), steigt der Anteil nach einer Auswertung des Wuppertal Instituts auf rund 28 %. Die oft zitierten Werte von 30 bis 40 % schließen zusätzlich Baustoffe und Bauprozesse ein und beziehen sich teils auf die ganze Welt.

Für Leser heißt das: Wer Zahlen vergleicht, muss die Abgrenzung prüfen. Diese Seite nutzt die amtliche Abgrenzung des UBA, weil nur sie jährlich, einheitlich und mit dem Zielpfad des Klimaschutzgesetzes vergleichbar ist. Wie sich alle Sektoren zueinander verhalten, zeigt die Übersicht der Emissionen nach Sektoren in Deutschland.

Wie viel CO₂ hat der Gebäudesektor 2025 ausgestoßen?

Der Gebäudesektor hat 2025 laut Umweltbundesamt 103,4 Mio. t CO₂-Äquivalente ausgestoßen, 3,4 % mehr als im Vorjahr mit rund 100,0 Mio. t. Er ist damit nach Energiewirtschaft, Verkehr und Industrie der viertgrößte Sektor und der einzige große Sektor, dessen Emissionen 2025 deutlich gestiegen sind.

Das UBA nennt als Hauptgrund die kälteren Wintermonate: Der Erdgaseinsatz in Gebäuden stieg um 90.700 TJ oder 8 %, der Energieeinsatz in stationären Feuerungen insgesamt um 4,1 %. Leichtes Heizöl wurde etwas weniger verbrannt. Gleichzeitig stieg der Anteil erneuerbarer Energien an der Wärme der Haushalte von 22,8 % auf 24,2 %, vor allem durch feste Biomasse und Wärmepumpen. 2025 wurden in Deutschland erstmals mehr Wärmepumpen als Gasheizungen verkauft.

Steckbrief Gebäudesektor Deutschland 2025
Emissionen 2025103,4 Mio. t CO₂-Äq. (+3,4 % ggü. 2024)
Emissionen 2024rund 100,0 Mio. t CO₂-Äq.
Anteil an den Gesamtemissionenrund 16 % (103,4 von 648,9 Mio. t)
Veränderung ggü. 1990rund −51 % (1990: rund 210 Mio. t)
Pfad KSG Anlage 2a für 202592 Mio. t (vom UBA angepasster Wert: 90,1 Mio. t)
Pfad KSG Anlage 2a für 203067 Mio. t
Erdgaseinsatz in Gebäuden 2025+8 % (+90.700 TJ)
Erneuerbare an der Wärme der Haushalte24,2 % (2024: 22,8 %)

Der Gebäudesektor lag 2025 rund 11 Mio. t über dem Wert, den das Klimaschutzgesetz für dieses Jahr vorsieht. Quellen: UBA, Emissionsdaten 2025 (14.03.2026); KSG Anlage 2a; Wert 1990 nach Wuppertal Institut/bpb.

Wie haben sich die Gebäudeemissionen seit 1990 entwickelt?

Die Emissionen des Gebäudesektors haben sich von rund 210 Mio. t im Jahr 1990 auf 103,4 Mio. t im Jahr 2025 etwa halbiert. Im Mittel sanken sie damit um rund 3 Mio. t oder 2 % pro Jahr, mit deutlichen Schwankungen durch Wetter und Energiepreise.

Den größten Teil der Minderung brachten die 1990er- und 2000er-Jahre: Kohleöfen verschwanden, vor allem in Ostdeutschland, Öl- und alte Gaskessel wurden durch effizientere Brennwertgeräte ersetzt, Neubauten wurden besser gedämmt. Gleichzeitig wuchs die Wohnfläche je Person von rund 35 m² (1990) auf rund 47,5 m² (2023), was einen Teil der Effizienzgewinne aufgezehrt hat. 2022 und 2023 senkten hohe Gaspreise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine den Verbrauch, 2024 lag der Sektor bei rund 100,0 Mio. t.

Gebäudesektor: Ist-Werte und Zielpfad des Klimaschutzgesetzes (Mio. t CO₂-Äq.)
JahrIst-EmissionenPfad KSG Anlage 2aEinordnung
1990rund 210 –Basisjahr
2020–118erstes Jahr mit Sektorpfad
2023rund 102 102Gaspreise dämpfen den Verbrauch
2024rund 100,0 97über dem Pfad
2025103,4 92kälterer Winter, rund 11 Mio. t über dem Pfad
2030 (Projektion)rund 80 67Projektion −23 % ggü. 2025, ohne GModG

Der Gebäudesektor hat sein Niveau seit 1990 halbiert, liegt aber seit 2024 über dem Zielpfad und bleibt nach der Projektion auch 2030 rund 13 Mio. t darüber. Quellen: UBA (2024, 2025), Wuppertal Institut/bpb (1990, 2023), KSG Anlage 2a, Expertenrat für Klimafragen (Projektion −23 %, Rechnung goClimate). Werte 2020 bis 2022 sind in der UBA-Tabelle „Emissionsübersichten KSG-Sektoren 1990–2025“ veröffentlicht.

Seit der Novelle des Klimaschutzgesetzes 2024 sind die Sektorwerte in Anlage 2a kein verbindliches Einzelziel mehr. Entscheidend ist die sektorübergreifende, mehrjährige Gesamtrechnung bis 2030. Der Gebäudesektor bleibt aber der Bereich mit der größten Überschreitung: Der Expertenrat für Klimafragen beziffert sie für 2021 bis 2025 auf 23,0 Mio. t, das UBA projiziert für 2021 bis 2030 eine kumulierte Lücke von 110,1 Mio. t.

Welche Energieträger verursachen die Gebäudeemissionen?

Erdgas verursacht den größten Teil der Gebäudeemissionen, gefolgt von Heizöl. Laut Zensus 2022 heizen 53,9 % der Wohnungen in Deutschland überwiegend mit Erdgas und knapp ein Viertel mit Heizöl; erneuerbare Energien sind bei 10,2 % der Hauptenergieträger, Wärmepumpen bei 4,2 %.

Der Bestand ändert sich langsam, der Neubau schnell: 2025 wurden 73,6 % der fertiggestellten Wohngebäude mit einer Wärmepumpe als Hauptheizung gebaut, nur noch 10,5 % mit Erdgas und 190 Gebäude mit Heizöl. Bei den Baugenehmigungen 2025 planten 83,0 % eine Wärmepumpe. Weil jährlich nur rund 59.000 neue Wohngebäude fertig werden, aber rund 20 Mio. Wohngebäude im Bestand stehen, bestimmen die Heizungen von heute die Emissionen der nächsten 20 Jahre.

Hauptheizung im Bestand (Zensus 2022) und im Neubau (Fertigstellungen 2025)
EnergieträgerAnteil Wohnungen im BestandAnteil neuer Wohngebäude 2025CO₂ am Gebäude
Erdgas53,9 % 10,5 % ja, Gebäudesektor
Heizölknapp 25 % 190 Gebäudeja, Gebäudesektor
Wärmepumpe4,2 % 73,6 % nein, Strom in der Energiewirtschaft
Fernwärmekeine Angabe in der Quelle8,3 % nein, Energiewirtschaft
Holz (Pellets, Scheitholz)Teil der 10,2 % Erneuerbaren3,5 %CO₂ biogen, im Inventar nicht im Gebäudesektor

Im Bestand dominieren Gas und Öl, im Neubau die Wärmepumpe; jede ersetzte Gas- oder Ölheizung verschiebt Emissionen aus dem Gebäudesektor in die Energiewirtschaft oder senkt sie ganz. Quelle: Statistisches Bundesamt nach ZfK (10.06.2026).

Holzheizungen erscheinen im Gebäudesektor fast ohne CO₂, weil das Inventar biogenes CO₂ beim Verbrennen nicht zählt, sondern über die Holzernte im Wald. Warum das für das Klima nicht dasselbe ist wie null, erklärt die Seite zu den CO₂- und Feinstaubemissionen der Holzverbrennung. Die Klimabilanz von Erdgas einschließlich Methanverlusten in der Vorkette steht unter Emissionen von Erdgas.

Wie verteilen sich die Emissionen auf Wohn- und Nichtwohngebäude?

Wohngebäude verursachen rund drei Viertel der Emissionen des Gebäudesektors, Nichtwohngebäude wie Büros, Schulen, Läden und Werkstätten rund ein Viertel. Das ergibt eine Auswertung des Wuppertal Instituts für 2023.

In Deutschland stehen laut Zensus 2022 rund 20 Mio. Wohngebäude mit rund 43,1 Mio. Wohnungen, davon rund 18,6 Mio. in Ein- und Zweifamilienhäusern und rund 23,6 Mio. in Mehrfamilienhäusern. Private Haushalte verbrauchten 2023 gut 630 TWh Endenergie, davon 67 % für Raumwärme und rund 16 % für Warmwasser. Nichtwohngebäude kamen auf 268 TWh für Heizung, Warmwasser, Klimatisierung und Beleuchtung. Zusammen stehen Gebäude für fast 40 % des deutschen Endenergieverbrauchs, aber nur für rund 16 % der Emissionen nach Quellprinzip, weil Strom und Fernwärme anderswo bilanziert werden.

Für Nichtwohngebäude ist die Datenlage dünner, weil Gewerbe, Handel und Dienstleistungen (GHD) in der Statistik zusammen mit übrigen Verbrauchern erfasst werden. Für Unternehmen ist gerade dieser Teil relevant: Er ist Scope 1 ihrer eigenen Klimabilanz, sobald sie die Heizung selbst betreiben.

Warum steigen die Gebäudeemissionen in kalten Jahren, und was heißt witterungsbereinigt?

Ein kalter Winter erklärt den Anstieg 2025, nicht aber die Lücke zum Zielpfad. Schon der wärmere Wert von 2024 mit rund 100,0 Mio. t lag über dem Pfad des Klimaschutzgesetzes von 97 Mio. t.

Gebäudeemissionen hängen direkt am Heizbedarf. Den misst der Deutsche Wetterdienst mit Gradtagzahlen: Je kälter die Heizperiode, desto höher die Zahl und desto mehr Gas und Öl verbrennen die Heizungen. Eine witterungsbereinigte Zahl rechnet den Verbrauch auf ein langjähriges Normaljahr um und zeigt so, ob Gebäude tatsächlich effizienter geworden sind. Das amtliche Inventar und die Zielprüfung nach dem Klimaschutzgesetz arbeiten jedoch mit den tatsächlichen, nicht bereinigten Emissionen. Ein milder Winter verbessert die Bilanz, ohne dass ein Gebäude saniert wurde, ein kalter verschlechtert sie.

Wie groß ist die Lücke zum Zielpfad bis 2030?

Der Gebäudesektor müsste seine Emissionen bis 2030 um gut 8 % pro Jahr senken, um den Pfad des Klimaschutzgesetzes von 67 Mio. t zu erreichen. Seit 1990 hat er im Mittel 2 % pro Jahr geschafft, die Projektion des UBA erwartet bis 2030 rund 80 Mio. t.

goClimate-Rechnung
goClimate-Rechnung: Nötiges Tempo bis 2030 im Vergleich zum bisherigen Tempo
Ausgangswert 2025103,4 Mio. t (UBA)
Pfad KSG Anlage 2a für 203067 Mio. t
Nötige Minderung bis 203036,4 Mio. t, also rund 7,3 Mio. t pro Jahr
Nötiges Tempo−8,3 % pro Jahr (fünf Jahre in Folge)
Bisheriges Tempo 1990–2025−2,0 % pro Jahr bzw. rund 3,0 Mio. t pro Jahr (von rund 210 auf 103,4 Mio. t)
Projektion 2030rund 80 Mio. t (103,4 Mio. t × (1 − 0,23))
Verbleibende Lücke 2030rund 13 Mio. t über dem Pfad

So haben wir gerechnet: Jahresrate = (67 / 103,4)^(1/5) − 1; historische Rate = (103,4 / 210)^(1/35) − 1. Projektion: Der Expertenrat für Klimafragen gibt für die UBA-Projektionsdaten 2026 einen Rückgang von 23 % zwischen 2025 und 2030 an; das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) ist darin noch nicht enthalten. Annahme: Der Wert von 1990 (rund 210 Mio. t) ist gerundet; bei 205 oder 215 Mio. t ändert sich die historische Rate um weniger als 0,1 Prozentpunkte.

Das Tempo müsste sich also rund vervierfachen. Das UBA begründet die höhere Projektion für 2030 unter anderem damit, dass ältere fossile Kessel länger in Betrieb bleiben und der Ausbau der Wärmenetze an verfügbare Förderung gebunden ist. Der Expertenrat für Klimafragen hält die Projektion für den Gebäudesektor sogar für eher zu optimistisch, weil Sanierungs- und Heizungstauschraten zu hoch angesetzt seien. Ab 2028 erfasst der europäische Emissionshandel für Gebäude und Straßenverkehr (ETS 2) Heizbrennstoffe; welche Preissignale daraus folgen, erklärt die Seite zum Emissionshandel in der EU und in Deutschland.

Wie viel CO₂ verursacht eine Wohnung oder ein Einwohner?

Rechnerisch verursacht jede Wohnung in Deutschland rund 1,8 t CO₂-Äquivalente pro Jahr direkt durch Heizung und Warmwasser, jeder Einwohner rund 1,2 t für alle Gebäude zusammen. Strom und Fernwärme kommen hinzu.

goClimate-Rechnung
goClimate-Rechnung: Gebäudeemissionen je Einwohner und je Wohnung 2025
GrößeEingangswertErgebnis
Gebäudesektor gesamt je Einwohner103,4 Mio. t / rund 83,5 Mio. Einwohnerrund 1,24 t
Anteil Wohngebäuderund 75 % von 103,4 Mio. trund 77,6 Mio. t
je Wohnung (direkt, Heizung und Warmwasser)77,6 Mio. t / 44,0 Mio. Wohnungenrund 1,76 t
Vergleich Vonovia-Bestand, 60-m²-Wohnung30,7 kg CO₂e/m² × 60 m²rund 1,84 t (inkl. Fernwärme und Vorkette)

So haben wir gerechnet: Sektorwert 2025 (UBA) geteilt durch Einwohnerzahl (Destatis, Ende 2025) bzw. Wohnungsbestand (Destatis, Ende 2025). Annahme: Der Anteil der Wohngebäude von rund drei Vierteln (Wuppertal Institut für 2023) gilt auch 2025. Die Vonovia-Kennzahl umfasst nach Unternehmensangabe Scope 1, 2 und 3.3, also auch Fernwärme und Energievorketten, und ist deshalb nur grob vergleichbar. Ein persönlicher Wert hängt stark von Heizung, Wohnfläche und Dämmstandard ab; der CO₂-Rechner von goClimate berechnet ihn individuell.

Die Rechnung zeigt zwei Dinge. Erstens ist eine Gasheizung in einer durchschnittlichen Wohnung für knapp 2 t CO₂ pro Jahr verantwortlich, mehr als ein Mittelstreckenflug pro Person. Zweitens unterscheidet sich der Wert je Wohnung kaum zwischen der Statistik und dem größten Wohnungsunternehmen des Landes, obwohl die Unternehmenskennzahl die Fernwärme einschließt. Ein Bestand mit viel Fernwärme kann in der amtlichen Statistik sauberer aussehen, als er ist.

Wie messen Wohnungsunternehmen und Städte ihre Gebäudeemissionen?

Wohnungsunternehmen messen Gebäudeemissionen meist als Intensität in kg CO₂ je m² Mietfläche, Städte als Gesamtbilanz nach Quell- oder Verursacherprinzip. Zwei öffentliche Fälle zeigen, wie unterschiedlich das Bild je nach Kennzahl ausfällt.

Fallbeispiel

Vonovia: CO₂-Intensität des deutschen Wohnungsbestands (Berichtsjahr 2025)

  • CO₂-Intensität des deutschen Bestands 2025: 30,7 kg CO₂e je m² Mietfläche, 1,6 % weniger als 2024 (31,2 kg) und 0,6 % unter dem eigenen Zwischenziel von 30,9 kg (Vonovia, ESRS E1, Bericht 2025)
  • Ziel 2030: unter 25 kg CO₂e je m²; Ziel 2045: unter 5 kg CO₂e je m², Restemissionen sollen ausgeglichen werden, die Maßnahmen dafür sind noch nicht festgelegt
  • Treiber 2025 laut Unternehmen: Modernisierung von Gebäudehülle und Heizungen, Zertifikate für zwei Fernwärmenetze und Verkäufe von Gebäuden
  • Absolutes Ziel: Scope 1 und 2 im gesamten Bestand (Deutschland, Schweden, Österreich) −42 % bis 2030 gegenüber 2021
Einordnung

Was der Fall zeigt

Vonovia hat sein Zwischenziel 2025 erreicht, aber mit einem Tempo von 1,6 % pro Jahr. Für unter 25 kg bis 2030 sind rund 4,0 % pro Jahr nötig, für unter 5 kg bis 2045 rund 8,7 % pro Jahr, also fast dasselbe Tempo, das dem ganzen Gebäudesektor bis 2030 fehlt. Zwei der drei Treiber verbessern die Kennzahl, ohne dass ein Gebäude weniger verbraucht: Zertifikate für Fernwärme ändern die Bilanzierung, Verkäufe verschieben Emissionen zum Käufer. Wer Mieter, Investor oder Kreditgeber ist, sollte deshalb nach der Kennzahl ohne Verkäufe und ohne Zertifikate fragen.

Fallbeispiel

Berlin: Gebäude in der Energie- und CO₂-Bilanz 2024

  • Verursacherbilanz 2024: 13,3 Mio. t CO₂, 4,0 % weniger als 2023 und 54,4 % unter 1990 (Amt für Statistik Berlin-Brandenburg)
  • Quellenbilanz 2024 nach Sektoren: Haushalte 1,5 Mio. t, Gewerbe, Handel, Dienstleistungen und übrige Verbraucher 1,5 Mio. t, Verkehr 3,6 Mio. t, Umwandlungssektor (Kraft- und Heizkraftwerke) 4,7 Mio. t, Industrie 0,2 Mio. t
  • Ein großer Teil der Berliner Wohnungen wird über Fernwärme aus Heizkraftwerken versorgt, deren Emissionen im Umwandlungssektor stehen
Einordnung

Was der Fall zeigt

In Berlin stammen nach Quellprinzip nur 3,0 Mio. t oder rund 26 % der Emissionen direkt aus Gebäuden, je Einwohner rund 0,8 t, deutlich weniger als die 1,24 t im Bundesschnitt; der Vergleich ist nur grob, weil die Berliner Bilanz nur energiebedingtes CO₂ von Haushalten und Gewerbe zählt, der Bundeswert alle Treibhausgase des KSG-Gebäudesektors. Der Grund ist nicht ein besserer Gebäudebestand, sondern die Fernwärme: Ein Großteil der Heizwärme erscheint im Umwandlungssektor mit 4,7 Mio. t. Städte mit großen Wärmenetzen sehen im Gebäudesektor gut aus und tragen das Problem im Kraftwerkspark. Für Kommunen folgt daraus, dass die Wärmeplanung nur mit einer Bilanz nach Verursacherprinzip ehrlich messbar ist; wie Wärmenetze dekarbonisiert werden, zeigt die Seite zur Dekarbonisierung der Fernwärme.

Was bedeuten die Gebäudeemissionen für Unternehmen und Eigentümer?

Für Unternehmen sind Gebäudeemissionen meist der größte Posten in Scope 1 und 2 außerhalb der Produktion: Die eigene Gas- oder Ölheizung zählt zu Scope 1, eingekaufte Fernwärme und Strom zu Scope 2. Für Vermieter von Gewerbeflächen landen die Heizemissionen der Mieter in Scope 3.

  • Kennzahl wählen: Neben den absoluten Emissionen eine Intensität je m² berichten, wie es Vonovia tut, und Verkäufe, Zukäufe und Zertifikate getrennt ausweisen. Sonst ist ein Rückgang nicht von Bilanzkosmetik zu unterscheiden.
  • Gemietete Flächen: Mieter ohne eigene Heizung brauchen Verbrauchsdaten des Vermieters. Bei Nichtwohngebäuden teilen Vermieter und Mieter die CO₂-Kosten nach dem Kohlendioxidkostenaufteilungsgesetz derzeit hälftig.
  • CO₂-Preis einplanen: Heizbrennstoffe tragen seit 2021 einen nationalen CO₂-Preis; ab 2028 übernimmt der EU-Emissionshandel ETS 2. Eine Gasheizung mit 1,8 t CO₂ pro Wohnung oder Büroeinheit wird damit jedes Jahr teurer, wenn der Preis steigt.
  • Berichterstattung: Wer nach VSME, DNK oder ESRS berichtet, sollte die Gebäudeemissionen nach Standort aufschlüsseln und eine witterungsbereinigte Steuerungskennzahl ergänzen. Wie Lieferanten- und Scope-3-Daten zusammenkommen, beschreibt die Seite zur Dekarbonisierung der Lieferkette.

Wie lassen sich die Emissionen des Gebäudesektors senken?

Die Emissionen des Gebäudesektors sinken vor allem durch den Austausch fossiler Heizungen gegen Wärmepumpen und Wärmenetze und durch Sanierung, die den Wärmebedarf senkt. Die Reihenfolge, die Kosten und den Rechtsrahmen seit dem Gebäudemodernisierungsgesetz erklärt die Seite zur Dekarbonisierung von Gebäuden mit Heizungstausch, Sanierung und GModG.

Das Gebäudemodernisierungsgesetz gilt seit 29. Juli 2026 und hat die Pflicht abgeschafft, neue Heizungen zu 65 % mit erneuerbaren Energien zu betreiben. Seine Wirkung auf die Emissionen ist in den Projektionen 2026 noch nicht enthalten. Für die Zahlen auf dieser Seite heißt das: Die nächste Projektion des UBA zeigt, ob die Wahlfreiheit den Abstand zum Pfad von 67 Mio. t vergrößert oder verkleinert. Ein schneller Hebel ohne Investition ist die Optimierung bestehender Anlagen, etwa durch einen hydraulischen Abgleich der Heizung.

Häufige Fragen zu den Emissionen im Gebäudesektor

Wie viel CO₂ verursacht der Gebäudesektor in Deutschland?

Der Gebäudesektor hat 2025 laut Umweltbundesamt 103,4 Mio. t CO₂-Äquivalente ausgestoßen, 3,4 % mehr als 2024. Das sind rund 16 % der deutschen Treibhausgasemissionen von 648,9 Mio. t.

Warum sind die Emissionen der Gebäude 2025 gestiegen?

Vor allem wegen kälterer Wintermonate. Der Erdgaseinsatz in Gebäuden stieg um 8 %, weil mehr geheizt wurde. Gleichzeitig wuchs der Anteil erneuerbarer Wärme in Haushalten auf 24,2 %, was den Anstieg dämpfte.

Welches Klimaziel gilt für den Gebäudesektor bis 2030?

Das Klimaschutzgesetz sieht in Anlage 2a für 2030 rund 67 Mio. t CO₂-Äquivalente vor. Seit der Novelle 2024 ist dieser Sektorwert kein verbindliches Einzelziel mehr, sondern Teil einer sektorübergreifenden Gesamtrechnung. Nach der Projektion 2026 bleibt der Sektor 2030 rund 13 Mio. t über diesem Pfad.

Zählen Strom und Fernwärme zum Gebäudesektor?

Nein. Im amtlichen Inventar stehen Strom und Fernwärme in der Energiewirtschaft, weil das CO₂ im Kraftwerk entsteht. Rechnet man sie den Gebäuden zu, steigt deren Anteil an den deutschen Emissionen von rund 15 auf rund 28 %.

Wie viel CO₂ verursacht eine Wohnung pro Jahr?

Im Durchschnitt rund 1,8 t CO₂-Äquivalente direkt durch Heizung und Warmwasser. Das ergibt sich aus rund drei Vierteln der 103,4 Mio. t des Gebäudesektors, verteilt auf 44,0 Mio. Wohnungen. Strom und Fernwärme kommen hinzu.

Was bedeutet witterungsbereinigt bei Gebäudeemissionen?

Witterungsbereinigt heißt, dass der Heizenergieverbrauch auf ein langjähriges Normaljahr umgerechnet wird, meist mit Gradtagzahlen des Deutschen Wetterdienstes. So wird sichtbar, ob Gebäude effizienter geworden sind. Das amtliche Inventar und die Zielprüfung nutzen dagegen die tatsächlichen Emissionen.