Glossar

Emissionen von Erdgas: Wie klimaschädlich ist Erdgas mit Methanschlupf und LNG?

Erdgas verursacht rund 181 g CO₂ je kWh laut Gasrechnung (201 g je kWh Heizwert). Wie Methanschlupf, US-LNG und Pipelinegas die Klimabilanz verändern.

Von Johanna Jung · aktualisiert am · 12 Min. Lesezeit

Kurz erklärt

Die Emissionen von Erdgas sind die Treibhausgase aus Förderung, Transport und Verbrennung: rund 181 g CO₂ je kWh laut Gasrechnung (201 g je kWh Heizwert) bei der Verbrennung plus Methan, das entlang der Lieferkette entweicht. Wie klimaschädlich Erdgas im Vergleich zu Kohle und Öl ist, hängt deshalb stark vom Methanschlupf und vom Transportweg ab.

CO₂ bei der Verbrennung
181 g je kWhlaut Gasrechnung (Brennwert); 201 g je kWh Heizwert, UBA
Treibhauspotenzial fossiles Methan
82,5 (20 J.) / 29,8 (100 J.)CO₂ = 1, IPCC AR6
LNG-Anteil an Gasimporten 2025
10,3 %106 TWh, davon 96 % aus den USA

Wie viel CO₂ entsteht bei der Verbrennung von Erdgas?

Bei der Verbrennung von Erdgas entstehen rund 181 g CO₂ je Kilowattstunde, wie sie auf der Gasrechnung steht, und rund 201 g je Kilowattstunde bezogen auf den Heizwert. Gasrechnungen weisen kWh nach Brennwert aus; Emissionsstatistiken rechnen meist mit dem Heizwert. Ein Kubikmeter Erdgas (rund 11 kWh laut Gasrechnung, rund 10 kWh Heizwert) setzt damit rund 2 kg CO₂ frei.

CO₂ je kWh Erdgas: Brennwert und Heizwert
je kWh laut Gasrechnung (Brennwert, Hs)rund 181 g CO₂
je kWh Heizwert (Hi, Emissionsstatistik)rund 201 g CO₂

Dieselbe Gasmenge hat zwei Bezugsgrößen: Der Brennwert zählt die Wärme aus dem kondensierenden Wasserdampf mit, deshalb enthält dieselbe Gasmenge rund 11 % mehr kWh laut Gasrechnung als kWh Heizwert. Umrechnung für Erdgas H: 201 g ÷ 1,11 ≈ 181 g. Quelle: UBA (Heizwert-Faktor), eigene Umrechnung.

Erdgas besteht überwiegend aus Methan (CH₄). Weil Methan im Verhältnis zu seinem Energiegehalt weniger Kohlenstoff enthält als Öl oder Kohle, entsteht bei der Verbrennung weniger CO₂ je Kilowattstunde. Von allen fossilen Brennstoffen hat Erdgas deshalb den niedrigsten direkten Emissionsfaktor: rund ein Viertel weniger als leichtes Heizöl, rund 40 % weniger als Steinkohle und rund die Hälfte von Braunkohle.

Direkte CO₂-Emissionen fossiler Brennstoffe bei der Verbrennung (je kWh Heizwert)
Brennstofft CO₂ je TJg CO₂ je kWh (Heizwert)
Erdgasrund 56201
Leichtes Heizölrund 74266
Ottokraftstoff73,1263
Steinkohle (Mittelwert)93,5337
Rohbraunkohle Lausitz111,2400

Erdgas verursacht bei der Verbrennung rund halb so viel CO₂ je Kilowattstunde wie Braunkohle. Umrechnung: 1 t CO₂/TJ = 3,6 g CO₂/kWh. Alle Werte je kWh Heizwert, weil der Brennstoffvergleich so standardisiert ist; je kWh laut Gasrechnung (Brennwert) sind es bei Erdgas rund 181 g. Quelle: UBA, CO₂-Emissionsfaktoren für fossile Brennstoffe, Climate Change 28/2022; Werte für Erdgas und Heizöl nach UBA-Standardfaktoren.

Diese Werte gelten nur für den Schornstein. Sie lassen die Vorkette aus: Förderung, Aufbereitung, Transport und Speicherung. Bei Erdgas ist diese Vorkette für die Klimabilanz wichtiger als bei Öl oder Kohle, weil dabei Methan entweicht.

Warum ist Methanschlupf für die Klimabilanz von Erdgas entscheidend?

Methanschlupf entscheidet über die Klimabilanz von Erdgas, weil fossiles Methan über 20 Jahre rund 80-mal und über 100 Jahre rund 30-mal so stark wärmt wie CO₂. Schon wenige Prozent entweichendes Gas können den Vorteil gegenüber Kohle stark verringern.

Der Weltklimarat IPCC beziffert das Treibhauspotenzial (GWP) von fossilem Methan im sechsten Sachstandsbericht auf 82,5 über 20 Jahre und 29,8 über 100 Jahre. Der Unterschied entsteht, weil Methan in der Atmosphäre nach rund einem Jahrzehnt abgebaut wird, CO₂ dagegen Jahrhunderte bleibt. Laut Internationaler Energieagentur (IEA) verursacht der Energiesektor mehr als 35 % der menschengemachten Methanemissionen, und Methan ist für rund 30 % des globalen Temperaturanstiegs seit der Industrialisierung verantwortlich. Welche Bedeutung Nicht-CO₂-Gase für die Erwärmung haben, erklärt die Seite zum Treibhauseffekt.

Methan entweicht bei Bohrungen und beim Fracking, durch Abfackeln und Ablassen (Venting), an undichten Ventilen, Kompressoren und Leitungen sowie bei Verflüssigung und Transport von LNG. Wie hoch die Verluste sind, unterscheidet sich je Förderregion um ein Vielfaches. Deshalb rechnen wir mit zwei Szenarien.

goClimate-Rechnung
goClimate-Rechnung: Klimabilanz von Erdgas bei 0,5 % und 3 % Methanschlupf
SzenarioMethan je kWhje kWh Gas (Heizwert)je kWh Strom (Gaskraftwerk, 58 %)
0,5 % Schlupf, GWP1000,36 g212 g 365 g
0,5 % Schlupf, GWP200,36 g231 g 398 g
3 % Schlupf, GWP1002,23 g267 g 461 g
3 % Schlupf, GWP202,23 g385 g 663 g
Vergleich Heizöl (nur Verbrennung)entfällt266 g entfällt
Vergleich Steinkohlekraftwerk (42 %, nur Verbrennung)entfällt337 g802 g
Vergleich Braunkohlekraftwerk (38 %, nur Verbrennung)entfällt400 g1.053 g

So haben wir gerechnet: Methan hat einen Heizwert von 50 MJ/kg, also 13,9 kWh/kg; eine kWh Erdgas entspricht 72 g Methan. Bei x % Schlupf entweichen 72 g × x / (1 − x) je gelieferter kWh. Diese Menge mal GWP plus 201 g CO₂ aus der Verbrennung ergibt die Bilanz je kWh Gas (Heizwert, weil Methangehalt und Kraftwerkswirkungsgrade auf den Heizwert bezogen sind; je kWh laut Gasrechnung alle Gaswerte durch 1,11 teilen); geteilt durch den Wirkungsgrad je kWh Strom. Annahmen: Erdgas als reines Methan, Wirkungsgrade Gas-und-Dampf 58 %, Steinkohle 42 %, Braunkohle 38 %; CO₂ aus der Vorkette (Kompressoren, Verflüssigung) und Grubengas aus dem Kohlebergbau nicht berücksichtigt. Emissionsfaktoren UBA, GWP IPCC AR6.

Unsere These: Erdgas ist nur so klimafreundlich, wie seine Lieferkette dicht ist. Bei 0,5 % Schlupf bleibt Gasstrom mit rund 400 g CO₂-Äq. je kWh halb so klimaschädlich wie Steinkohlestrom. Bei 3 % Schlupf und 20-Jahres-Sicht steigt er auf rund 660 g, und Wärme aus Erdgas wird mit 385 g klimaschädlicher als aus Heizöl mit 266 g CO₂ je kWh (beides je kWh Heizwert) ohne dessen Vorkette. Für die Klimaziele bis 2045, die in den nächsten 20 Jahren entschieden werden, ist die 20-Jahres-Sicht die relevantere.

Wie unterscheiden sich LNG und Pipelinegas in der Klimabilanz?

Flüssigerdgas (LNG) hat in der Regel eine schlechtere Klimabilanz als Pipelinegas aus Europa, weil Verflüssigung, Schiffstransport und Regasifizierung Energie verbrauchen und weil LNG aus den USA überwiegend aus Schiefergas stammt, das mit Fracking gefördert wird. Pipelinegas aus Norwegen gilt dagegen als besonders methanarm.

Für die Verflüssigung wird Erdgas auf rund −162 °C gekühlt; dafür wird ein Teil des Gases selbst verbraucht. Hinzu kommen Transportwege von rund 7.000 bis 9.000 km über den Atlantik. Eine viel diskutierte Studie von Robert Howarth (Cornell University, Oktober 2024) kam für US-LNG über 20 Jahre zu einem um rund ein Drittel höheren Treibhausgas-Fußabdruck als Kohle; andere Fachleute halten die dort angesetzten Methanverluste für zu hoch. Belastbar ist: Je höher der Methanschlupf bei Förderung und Transport, desto kleiner der Abstand zu Kohle.

Fallbeispiel

Deutsche LNG-Terminals: Wilhelmshaven, Brunsbüttel und Mukran (2025/2026)

  • LNG-Importe 2025: 106 TWh nach 69 TWh 2024; davon 96 % aus den USA (DUH-Auswertung nach Bundesnetzagentur und EIA, 22.01.2026)
  • Volumen 2025 je Terminal: Wilhelmshaven 1: 35 TWh, Wilhelmshaven 2 (seit August 2025): 22 TWh, Brunsbüttel: 22 TWh, Rügen/Mukran: 27 TWh; mittlere Auslastung 66 %
  • LNG-Anteil an den deutschen Gasimporten: 8 % 2024, 10,3 % 2025, rund 12 % im ersten Halbjahr 2026 (Bundesnetzagentur nach dpa, 04.07.2026)
  • Mukran (Deutsche ReGas) erhielt im März 2026 die dauerhafte Betriebsgenehmigung; nach dem LNG-Beschleunigungsgesetz dürfen die Terminals ab 2044 nur noch klimaneutralen Wasserstoff und dessen Derivate umschlagen (ingenieur.de, 29.01.2026)
Einordnung

Was der Fall zeigt

Der Fall zeigt, dass Deutschland seine Gasversorgung seit 2022 klimapolitisch nicht verbessert, sondern verschoben hat: Fast jede LNG-Lieferung stammt aus den USA, wo der Methanschlupf schwerer zu kontrollieren ist als bei norwegischem Pipelinegas. Nach unserer Rechnung entspricht jeder Prozentpunkt Methanschlupf über 20 Jahre rund 60 g CO₂-Äq. je kWh Heizwert, also rund 54 g je kWh Brennwert. Bei 106 TWh LNG (Brennwert, wie in der Gasstatistik) sind das rund 5,7 Mio. t CO₂-Äq. zusätzlich je Prozentpunkt, knapp 0,9 % der gesamten deutschen Treibhausgasemissionen von 648,9 Mio. t im Jahr 2025. Für Gaskunden heißt das: Die tatsächliche Klimawirkung ihres Gases hängt von der Lieferkette ab, die sie weder sehen noch in der Standardbilanz abgebildet finden.

Fallbeispiel

Equinor und LichtBlick: norwegisches Pipelinegas mit Herkunftsnachweis (2026)

  • Equinor liefert seit April 2026 rund 2,2 TWh Erdgas pro Jahr (rund 0,2 Mrd. m³) an LichtBlick, die deutsche Tochter des niederländischen Versorgers Eneco; Laufzeit bis Ende 2030 (The Chemical Engineer, 21.05.2026)
  • Treibhausgasintensität laut Unternehmen rund 9 % niedriger als bei alternativen Lieferungen
  • Eneco kauft Herkunftsnachweise von Equinor, um die geringere Intensität zu belegen
  • Equinor will die Methanintensität seiner Öl- und Gasförderung bis 2030 auf nahezu null senken; Maßnahmen sind Methanmessung, bessere Daten und Drohnen zur Lecksuche
Einordnung

Was der Fall zeigt

Der Fall zeigt, dass Methanintensität zum Verkaufsargument wird, aber der Vorteil über Zertifikate belegt wird, nicht physisch. Die 9 % beziehen sich auf die Vorkette und die gesamte Intensität; bei 181 g CO₂ je kWh laut Gasrechnung (201 g je kWh Heizwert) aus der Verbrennung bleibt die Wirkung am Schornstein unverändert. Der Hebel ist also kleiner als bei einem Wechsel des Energieträgers: Eine Wärmepumpe senkt die Emissionen je kWh Wärme bereits mit dem heutigen Strommix um fast die Hälfte. Für Einkäufer heißt das: Methanarmes Gas ist besser als Gas ohne Nachweis, aber kein Ersatz für den Ausstieg aus Erdgas. Angebote „klimafreundliches Erdgas“ sollten sie nur mit offengelegter Methode und unabhängiger Prüfung akzeptieren.

Wie schneidet Erdgas gegen Heizöl und Wärmepumpe beim Heizen ab?

Je kWh Brennstoff (Heizwert) verursacht Erdgas rund ein Viertel weniger CO₂ als Heizöl, beim Heizen aber fast doppelt so viel wie eine Wärmepumpe mit dem Strommix 2025. Mit einer Jahresarbeitszahl von 3,5 kommt die Wärmepumpe auf rund 98 g CO₂ je kWh Wärme, die Gasheizung auf rund 181 g je kWh laut Gasrechnung.

CO₂ je kWh Wärme und je Einfamilienhaus (15.000 kWh laut Gasrechnung bzw. 1.500 l Heizöl)
Heizungg CO₂ je kWh Wärmet CO₂ pro Jahr
Ölheizung (Verbrennung, je kWh Heizwert)266 4,0
Gasheizung (Verbrennung, je kWh laut Gasrechnung)181 2,7
Gasheizung mit 3 % Schlupf, GWP20 (je kWh laut Gasrechnung)347 5,2
Wärmepumpe, JAZ 3,5, Strommix 2025 (344 g)98 1,5
Wärmepumpe, JAZ 3,5, Strommix mit Vorkette (406 g)116 1,7

Eine Wärmepumpe senkt mit dem Strommix 2025 die CO₂-Emissionen gegenüber einer Gasheizung um fast die Hälfte (98 g je kWh Wärme statt 181 g je kWh Gas laut Rechnung), ohne dass der Methanschlupf eingerechnet ist. Annahmen: 15.000 kWh Erdgas laut Gasrechnung (Brennwert, 181 g; bezogen auf den Heizwert wären es 201 g und 3,0 t) bzw. 1.500 l Heizöl (15.000 kWh Heizwert, 266 g; Heizöl wird in Litern abgerechnet), Kesselwirkungsgrad vereinfacht 100 %, Schlupfzeile 385 g je kWh Heizwert ÷ 1,11, Strom ohne Ökostromtarif. Quellen: UBA (Emissionsfaktoren, Strommix 2025), eigene Rechnung.

2025 wurden in Deutschland laut Umweltbundesamt erstmals mehr Wärmepumpen als Gasheizungen verkauft, die Emissionen des Gebäudesektors stiegen wegen kälteren Wetters dennoch auf 103,4 Mio. t CO₂-Äq. Wie sich der Gebäudesektor entwickelt, zeigt die Seite zu den Emissionen im Gebäudesektor; Wege zum Heizungswechsel beschreibt die Seite zur Dekarbonisierung von Gebäuden. Zusätzlich verteuert der nationale CO₂-Preis Erdgas 2026 um 1,2 bis 1,4 Cent je kWh laut Gasrechnung brutto; ab 2028 gilt der europäische ETS 2. Die Rechenwege dazu stehen auf der Seite zum CO₂-Preis auf Erdgas je kWh. Die eigene Heizung können Sie im goClimate CO₂-Rechner einordnen.

Was regelt die EU-Methanverordnung für Gasimporte?

Die EU-Methanverordnung (EU) 2024/1787 verpflichtet Importeure von Erdgas, Öl und Kohle ab 1. Januar 2027 nachzuweisen, dass Lieferungen aus Verträgen ab 4. August 2024 von Produzenten mit gleichwertiger Messung, Berichterstattung und Prüfung (MRV) der Methanemissionen stammen. Später folgen Angaben zur Methanintensität und Höchstwerte.

Die Verordnung trat am 4. August 2024 in Kraft. Für Verträge, die vor diesem Datum geschlossen wurden, müssen Importeure „alle zumutbaren Anstrengungen“ unternehmen und jährlich berichten. Ab 2030 sollen Höchstwerte für die Methanintensität der Produktion gelten, auch für importiertes Gas. Am 20. Juli 2026 veröffentlichte die EU-Kommission zwei Empfehlungen: Die erste beschreibt Nachweiswege wie Rückverfolgung über Handelsketten (Trace-and-Claim) und Zertifizierung, die zweite empfiehlt den Mitgliedstaaten, Verstöße gegen Pflichten der Jahre 2027 bis 2029 außer bei Betrug nicht zu sanktionieren, um die Versorgungssicherheit nicht zu gefährden. Die Empfehlungen ändern die Pflichten selbst nicht. Die Gleichwertigkeit der Messung gilt vor allem für US-LNG als zentrale Hürde.

Steckbrief EU-Methanverordnung: Pflichten für Importeure
RechtsaktVerordnung (EU) 2024/1787, in Kraft seit 4. August 2024
Stichtag Verträgeab 4. August 2024 geschlossene oder verlängerte Verträge
Ab 1. Januar 2027Nachweis gleichwertiger MRV-Maßnahmen der Produzenten
Ab 2030Höchstwerte für die Methanintensität
Empfehlung der Kommission (20.07.2026)keine Sanktionen für Pflichten 2027 bis 2029, außer bei Betrug; Überprüfung zum 1. Januar 2028

Die Methanverordnung macht die Vorkette von Importgas erstmals rechtlich relevant, wird aber bis 2029 voraussichtlich ohne Sanktionen vollzogen. Quellen: EUR-Lex, HSF Kramer (06.08.2026).

Was bedeutet die Klimabilanz von Erdgas für Unternehmen?

Für Unternehmen gehört verbranntes Erdgas in Scope 1, die Vorkette mit Methanschlupf in Scope 3, Kategorie 3 (brennstoff- und energiebezogene Emissionen). Wer nur den Verbrennungsfaktor von 181 g je kWh laut Gasrechnung (201 g je kWh Heizwert) ansetzt, unterschätzt die Klimawirkung seines Gasverbrauchs.

  • Emissionsfaktor mit Vorkette nutzen: Für Scope 3 Kategorie 3 einen Faktor wählen, der Methan aus Förderung und Transport enthält, und die Quelle sowie den GWP-Zeithorizont (in der Berichterstattung üblich: GWP100) angeben.
  • Kosten einplanen: Ein Betrieb mit 500.000 kWh Erdgas laut Gasrechnung verursacht rund 90 t CO₂ in Scope 1 und zahlt 2026 dafür rund 5.000 bis 5.900 € CO₂-Preis netto; ab 2028 hängt der Preis vom ETS 2 ab.
  • Einkauf: Bei neuen Gaslieferverträgen nach Herkunft und Methanintensität fragen; Angebote „klimaneutrales Gas“ mit Kompensation sind keine Minderung und bergen ein Greenwashing-Risiko.
  • Prozesswärme und Gebäude: Wärmepumpen, Abwärme und Fernwärme senken die Gasnachfrage dauerhaft. Förderprogramme dazu stehen auf der Seite zur Dekarbonisierung der Industrie und ihrer Förderung.
  • Berichten: In VSME, DNK oder ESRS den Gasverbrauch in kWh, Scope 1 und Scope 3 Kategorie 3 getrennt ausweisen; so wird ein späterer Wechsel des Energieträgers in den Zahlen sichtbar.

Welche Rolle spielt Erdgas bis 2045?

Erdgas bleibt bis in die 2030er-Jahre ein wichtiger Energieträger in Deutschland, muss aber bis 2045 weitgehend verschwinden, wenn das Ziel der Netto-Treibhausgasneutralität erreicht werden soll. Die LNG-Terminals dürfen nach dem LNG-Beschleunigungsgesetz ab 2044 nur noch klimaneutrale Gase umschlagen.

Kurzfristig hängt die Versorgung stärker an LNG als vor 2022: Im ersten Halbjahr 2026 kamen rund 12 % der Importe per Schiff, und die Gasspeicher waren am 18. August 2026 nur zu rund 50 % gefüllt, so niedrig wie seit mindestens 15 Jahren nicht zu dieser Jahreszeit. Mit dem Terminal in Stade, dessen Start für September 2026 geplant war, wächst die Importinfrastruktur weiter; Mukran soll bis 2027 ein zweites Regasifizierungsschiff erhalten. Diese Kapazitäten sind auf Versorgungssicherheit ausgelegt, nicht auf Klimaschutz, und ihre Klimawirkung hängt davon ab, wie streng die EU-Methanverordnung ab 2027 tatsächlich durchgesetzt wird. Langfristig sinkt die Nachfrage durch Wärmepumpen, Wärmenetze und Elektrifizierung der Industrie. Der europäische Emissionshandel verteuert Erdgas in Kraftwerken und Industrie bereits heute; ab 2028 trifft der ETS 2 auch Heizungen. Für Leser bedeutet das: Jede neue Gasheizung legt Emissionen und CO₂-Kosten für 15 bis 20 Jahre fest. Wie viel CO₂ andere Energieträger verursachen, zeigt der Vergleich mit Solarstrom und seiner CO₂-Bilanz.

Häufige Fragen zu den Emissionen von Erdgas

Wie viel CO₂ entsteht bei der Verbrennung von Erdgas?

Bei der Verbrennung von Erdgas entstehen rund 181 g CO₂ je Kilowattstunde laut Gasrechnung (Brennwert) bzw. 201 g je Kilowattstunde bezogen auf den Heizwert, also rund 2 kg CO₂ je Kubikmeter. Je kWh Heizwert ist das rund ein Viertel weniger als bei Heizöl und rund 40 % weniger als bei Steinkohle.

Ist Erdgas klimafreundlicher als Kohle?

Bei der Verbrennung ja, über die ganze Lieferkette nur, wenn wenig Methan entweicht. Bei 0,5 % Methanschlupf verursacht Strom aus einem Gaskraftwerk nach goClimate-Rechnung rund 400 g CO₂-Äq. je kWh, bei 3 % und 20-Jahres-Betrachtung rund 660 g. Steinkohlestrom liegt bei rund 800 g CO₂ je kWh.

Was ist Methanschlupf?

Methanschlupf ist Methan, das bei Förderung, Aufbereitung, Transport und Nutzung von Erdgas unverbrannt in die Atmosphäre entweicht. Fossiles Methan wirkt über 100 Jahre rund 30-mal und über 20 Jahre rund 80-mal so stark wie CO₂.

Ist LNG schlechter für das Klima als Pipelinegas?

In der Regel ja. Verflüssigung, Schiffstransport und Regasifizierung verbrauchen zusätzliche Energie, und Schiefergas aus den USA wird oft mit höherem Methanschlupf gefördert als Pipelinegas aus Norwegen. Wie groß der Unterschied ist, hängt von Förderregion und Lieferkette ab.

Was regelt die EU-Methanverordnung für Gasimporte?

Ab 1. Januar 2027 müssen Importeure nachweisen, dass Gas aus Verträgen ab 4. August 2024 von Produzenten mit gleichwertiger Messung, Berichterstattung und Prüfung der Methanemissionen stammt. Die EU-Kommission empfiehlt, Verstöße von 2027 bis 2029 außer bei Betrug nicht zu sanktionieren.

Wie viel CO₂ spart eine Wärmepumpe gegenüber einer Gasheizung?

Mit dem Strommix 2025 und einer Jahresarbeitszahl von 3,5 verursacht eine Wärmepumpe rund 98 g CO₂ je kWh Wärme, eine Gasheizung rund 181 g je kWh laut Gasrechnung (201 g je kWh Heizwert) plus Methanschlupf. Bei 15.000 kWh laut Gasrechnung sind das rund 1,5 statt 2,7 t CO₂ im Jahr.