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Textilindustrie Bio Wolle

Emissionen Textilindustrie: So umweltfreundlich ist unsere Kleidung tatsächlich

Die Textilindustrie ist einer der größten Umweltverschmutzer der Welt und für einen großen Teil der weltweiten CO2 Emissionen bzw. einen erheblichen Anteil des weltweiten CO2 Ausstoßes verantwortlich. Sie stößt jährlich mehrere Milliarden Tonnen CO2 aus.

Die Art und Weise, wie wir Kleidung produzieren und konsumieren, hat große Auswirkungen auf die Umwelt, angefangen bei den in der Produktion verwendeten Chemikalien bis hin zu den enormen Mengen an Energie und Ressourcen, die für die Herstellung neuer Kleidungsstücke benötigt werden. Jedes Jahr werden Milliarden von Tonnen an Treibhausgasen ausgestoßen, die größtenteils aus der Produktion von synthetischen Stoffen wie Polyester und Nylon stammen – doch auch Baumwolle hat einen wesentlichen Einfluss auf die Umweltverträglichkeit von Textilien.

Die gute Nachricht ist, dass es viele Möglichkeiten gibt, die Umweltauswirkungen der Textilindustrie zu verringern. Von der Unterstützung von Marken, die nachhaltige Materialien und ethische Herstellungspraktiken verwenden, bis hin zum einfachen Kauf von weniger Kleidungsstücken und der besseren Pflege derer, die wir haben. Auch besteht eine Möglichkeit darin, auf nachhaltigere Materialien wie Bio-Baumwolle oder Bambus umzusteigen.

Wir alle können eine Rolle dabei spielen, die Modeindustrie nachhaltiger zu machen. Hoffen wir, dass die Branche beginnt, Verantwortung für ihre Auswirkungen zu übernehmen und bald einige dringend benötigte Änderungen vornimmt.

Wie umweltfreundlich ist die Textilindustrie?

Umweltbelastung Textilindustrie
Quelle: https://www.europarl.europa.eu/news/de/headlines/society/20201208STO93327/umweltauswirkungen-von-textilproduktion-und-abfallen-infografik

Die Textilindustrie ist eine der größten Industrien der Welt. Die Herstellung von Kleidung, Schuhen und Heimtextilien verursacht Wasserverschmutzung und Treibhausgasemissionen. Fast Fashion – das ständige Angebot an neuer Mode zu sehr niedrigen Preisen – hat zu einem starken Anstieg der hergestellten und weggeworfenen Kleidungsstücke geführt. Oftmals kaufen wir nämlich mehr mehr Kleidung, als wir brauchen. Und diese Kleidung wird dann meist sehr schnell wieder entsorgt und weg geworfen und unsere Kleidungsstücke und stapeln sich auf den Mülldeponien.

Hieran erkennt man, dass das Umwelt-Problem nicht nur bei der Textilindustrie selbst liegt, sondern auch bei uns selbst als Endkunden. Wir müssen damit aufhören, nicht nachhaltige Kleidung zu kaufen und sie derart schnell wieder zu entsorgen, wir müssen weniger konsumieren und wir müssen uns mehr Gedanken machen über die die Umweltauswirkungen der Kleidung, die wir kaufen.

Darüber hinaus werden viele Textilien aus synthetischen Fasern hergestellt, die aus fossilen Brennstoffen gewonnen werden, so dass sie einen großen ökologischen Fußabdruck hinterlassen.

Wie umweltfreundlich ist also die Textilindustrie? Nicht sehr. Aber es gibt einige positive Schritte, die unternommen werden können, um ihre Auswirkungen auf den Planeten zu verringern. Die Umstellung auf Naturfasern, Investitionen in recycelte Materialien und die Verlangsamung des Modezyklus sind allesamt Möglichkeiten, die Textilindustrie nachhaltiger zu machen.

Wie viel CO2 verursacht die Textilindustrie?

CO2 Textilindustrie
Quelle: https://www.europarl.europa.eu/news/de/headlines/society/20201208STO93327/umweltauswirkungen-von-textilproduktion-und-abfallen-infografik

Die Textilindustrie ist für einen großen Teil der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich. Man schätzt, dass die Modeindustrie 10 Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen verursacht – mehr als der internationale Luft- und Seeverkehr zusammen.

Nach Angaben der Europäischen Umweltagentur verursachte der Kauf von Textilien in der EU im Jahr 2017 rund 654 kg CO₂-Emissionen pro Person.

Wenn Sie nach dem größten Umweltverschmutzer in der Modeindustrie suchen, sind es nicht die Kleidungsstücke selbst. Der größte Teil des CO2-Fußabdrucks eines Kleidungsstücks entsteht bei der Herstellung des Stoffs – insbesondere beim Anbau, Spinnen, Weben und Färben der Stoffe.

Wie konnte ein Wirtschaftszweig, der Millionen von Menschen beschäftigt und Milliarden von Dollar an Einnahmen generiert, so umweltschädlich werden? Die Antwort ist leider ganz einfach: unsere unstillbare Nachfrage nach billiger Kleidung. Wir leben in einer Welt, in der wir ein T-Shirt für weniger als den Preis einer Tasse Kaffee kaufen können, und daher sind wir dazu übergegangen, Tiefstpreise für unsere Kleidung zu erwarten. Die Wahrheit ist jedoch, dass die wahren Kosten für diese Kleidungsstücke weit höher sind als das, was wir an der Kasse bezahlen.

Wir müssen einen Weg finden, die von der Textilindustrie produzierte CO2-Menge zu reduzieren, oder wir werden ernsthafte Konsequenzen für unseren Planeten erleben. Wenn Sie also das nächste Mal über ein neues Kleidungsstück nachdenken, denken Sie an die Umwelt.

Wie viel CO2 verbraucht ein Kleidungsstück?

Das hängt davon ab, um welche Art von Kleidungsstück es sich handelt. Eine Jeans zum Beispiel verbraucht mehr als ein Baumwollhemd. Und eine Lederjacke? Nun, eine Lederjacke verbraucht mehr als eine Jeans. Die Herstellung von synthetischen Stoffen wie Polyester und Nylon verbraucht ebenfalls große Mengen an Energie und verursacht erhebliche Treibhausgasemissionen. Sie sollten also nicht nur bei allseits bekannten Themen, wie den Kraftstoffen rund um Gas, Öl & Holz mit denen Sie Ihr Haus heizen, die jeweiligen Emissionen bedenken, sondern auch bei der Auswahl ihres nächsten Outfits. Und vergessen Sie auch nicht die Emissionen, die durch den Transport zu Ihnen entstehen. Die Modeindustrie ist für einen großen Teil der Kohlenstoffverschmutzung verantwortlich. Aber Sie können dazu beitragen, diese Emissionen zu verringern, indem Sie beim Kauf Ihrer Kleidung kluge Entscheidungen treffen.

Wie viel CO2 für ein T Shirt?

CO2 T-Shirt
Quelle: https://imbstudent.donau-uni.ac.at/lessemissions2/der-co2-fussabdruck-unserer-kleidung/

Im Auftrag des Konzerns Otto wurde der CO2-Fußabdruck eines Baumwoll-T-Shirts errechnet. Hierbei kam man zu dem Ergebnis, dass ein Shirt im Laufe seines gesamten Lebenszyklus ca. 11 Kilogramm CO2-Emissionen verursacht. Das sind ungefähr das 50-fache des Eigengewichtes.

Dabei entfallen 28% des CO2-Ausstoßes auf die Herstellung, 14% auf Werbe-Kataloge und 12% auf den Baumwollanbau. Aber auch die Konsumenten haben einen wesentlichen einfluss auf den Anteil des CO2-Ausstoßes. 31% der Emissionen entfallen auf die Gebrauchsphase, also aufs Waschen, Trocknen und Bügeln der Kleidung.

Beim CO2-Fußabdruck von T-Shirts aus synthetischen Chemiefasern, wie Polyester, sieht die Bilanz  noch schlechter aus. 65% aller Kleidungsfasern sind tatsächlich Chemiefasern. Da bereits für die Produktion Erdöl gebraucht wird, ist der Energieaufwand wesentlich höher als bei der Herstellung von Baumwolle. Hier entfallen auf den Herstellungsprozess mehr als doppelt so viele CO2-Emissionen.

Der Großteil der Kleidung besteht jedoch aus Mischfasern. Diese haben das Problem, dass die unterschiedlichen Bestandteile nicht so einfach wieder getrennt werden können. Das hat zur Folge, dass man diese Mischfaser-Textilien nicht recyceln kann. Aus diesem Grund werden weltweit auch nur rund 1% aller Textilien recycelt.

CO2-Fußabdruck eines T-Shirts im Laufe der Lebensphasen

LebensphaseTreibhaus-Potential bzw. CO2-Äquivalente in kgAnteil
Anbau0,141,71%
Herstellung inkl. Transport3,7344,15%
Distribution0,040,44%
Nutzung4,5253,49%
Entsorgung0,020,20%
SUMME8,4510,00%
Quelle: https://www.waschbaer.de/magazin/co2-bilanz-eines-kleidungsstuecks/

Insgesamt sind zwei Lebensphasen hauptsächlich für die Emissionen eines T-Shirts verantwortlich: Die Herstellungsphase und die Nutzungsphase.

Die Herstellungsphase umfasst dabei den gesamten Prozess vom Spinnen des Garns über das Nähen des T-Shirts bis hin zum Transport an den jeweiligen Ziel-Ort.

Die Nutzungsphase umfasst hier den gesamten Prozess der tatsächlichen Nutzung, bei der das Shirt getragen, gewaschen und getrocknet werden muss. In beiden Phasen ist in erster Linie der verbrauchte Strom ausschlaggebend für den jeweiligen CO2-Emissionsanteil.

Wie man hier deutlich sehen kann liegen die zwei größten Hebel zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes bei der Herstellung und bei der Nutzung. Hier gibt es beiderseitig noch einiges an Optimierungspotential. Auf beide Bereiche haben wir als Verbraucher einen nicht unwesentlichen Einfluss, den wir bewusst nutzen sollten!

Was muss die Textilindustrie tun, um umweltfreundlicher zu werden?

Textilindustrie umweltfreundlicher
Quelle: https://www.wwf.ch/de/unsere-ziele/wwf-rating-der-bekleidungs-und-textilindustrie

Da der Bedarf an Kleidung weltweit weiter steigen wird, ist es notwendiger denn je zuvor, dass wir die Industrie rund um Textilien, Bekleidung und Co. umweltfreundlicher und effizienter gestalten. Denn insgesamt wird der Bedarf an produzierter Kleidung ungefähr von 62 Millionen Tonnen im Jahr 2015 auf 102 Millionen Tonnen 2030 steigen.

Dieser Anstieg wird leider wiederum viele weitere Umweltbelastungen und Risiken mit sich bringen. Hier keine grundlegenden Veränderungen vorzunehmen ist weder für die Wirtschaftlichkeit der Branche noch für den Planeten auf lange Sicht tragbar.

Die Industrie muss – ähnlich wie der Verkehrssektor mit den E-Autos und den alternativen Antriebsarten – Wege finden, um ihre Abhängigkeit von den aktuellen Gegebenheiten zu verringern. Eine Möglichkeit dazu ist die Verwendung von mehr Naturfasern wie Baumwolle. Diese Maßnahmen berschränken sich jedoch nicht nur auf die verwendeten Materialien. Wichtig ist auch, dass die Unternehmen Maßnahmen ergreifen, um den Wasser- und Energieverbrauch im Produktionsprozess zu senken.

Schließlich muss auch das Recycling von Textilabfällen stärker in den Mittelpunkt gerückt werden, da dies derzeit ein großes Problem darstellt. Wenn die Industrie jetzt nicht handelt, wird sie unserem Planeten weiterhin irreparablen Schaden zufügen. 🌱

Bildquellen

  • Textilindustrie-Bio-Wolle: iStock/Firn