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Grüner Strom

Ökostrom: Deutschland Aktuell (Stand 2022)

Im Rahmen der Energiewende will Deutschland alle Kernkraftwerke im Land auslaufen lassen. Mit erheblichen Auswirkungen auf die Stromversorgung der Bevölkerung: Auf dem Weg zur Unabhängigkeit vom Import von fossilen Heiz-, Kraft- und Brennstoffen ist der Ausbau von erneuerbaren Energien unabdinglich. Denn im Jahr 2025 sollen 40 bis 45 Prozent des in Deutschland verbrauchten Stroms aus erneuerbaren Energien stammen. Hier erklären wir wie die aktuellen Zahlen und Fakten der Stromerzeugung in Deutschland und wie sich der Ökostrom im Stromsektor profiliert.

Erneuerbare Energien: Wie groß ist ihr Anteil an der Stromerzeugung?

Bei der Energieerzeugung in Deutschland wird normalerweise zwischen zwei Arten unterschieden: dem konventionellen Strommix aktuell aus Stein- und Braunkohle, Erdgas und Kernkraft und dem erneuerbaren Strommix, aus Windenergie, Photovoltaik, Biomasse, Wasserkraft und Geothermie. Für den erneuerbaren Strommix gibt es verschiedene Zertifikate und Gütesiegel. Doch auch in der Preisentwicklung unterscheiden sich Ökostrom und konventioneller Strom. Komplettiert wird die Energieversorgung Deutschlands durch Einsatz von Strom, der aus dem Ausland importiert wird. Insgesamt wird jedoch mehr Energie aus Deutschland exportiert als importiert.

Im Jahr 2021 wurden in Deutschland rund 579,1 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugt und in das Stromnetz eingespeist. Davon kamen etwa 59 % aus konventionellen Energiequellen und 41 % von erneuerbaren Energieträgern. Der Großteil der eingespeisten Energie war aus Windstrom und löste damit Kohle als wichtigsten Energieträger ab.

Wie setzt sich der Ökostrom-Anteil zusammen?

Anteil verschiedener Enrgiequellen
Quelle: Statistisches Bundesamt Anteil verschiedener Energiequellen an der Stromerzeugung in Deutschland 2019 bis 2021, www.destatis.de

Insgesamt kann man in den vergangenen Jahren eine Steigerung im Anteil der Erneuerbaren Energien beobachten. Dies ist einer der Gründe, warum erneuerbare Energien für Anleger als Aktien- & Geld-Anleihe immer attraktiver wird.

Dabei gibt es jedoch große Unterschiede zwischen den einzelnen Sektoren: Obwohl sich der Anteil der erneuerbaren Energien an der Bruttostromerzeugung ⁠⁠ in den letzten 10 Jahren mehr als verdoppelte, steigen die Anteile in den Bereichen der Wärmeerzeugung und im Verkehr nur langsam.

Laut der erneuerbare Energien Statistik vom Umweltbundesamt wurden im ersten Halbjahr des Jahres 2022 252 Milliarden Kilowattstunden Strom in Deutschland erzeugt. Der Anteil Erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung lag mit 130 Mrd. kWh bei etwa 52% .

Für dieses Ergebnis sorgte vor allem die Stromgewinnung aus Windkraft und Solarenergie dank günstiger Wetterverhältnisse zu Jahresbeginn. Die Windenergie hatte durch das stürmische Wetter im Februar einen Rekordmonat mit 20,6 Mrd. kWh von dem Energieträger erzeugtem Strom. Im März 2022 sorgten die überdurchschnittlich vielen Sonnenstunden für ein sehr gutes Ergebnis bei der Photovoltaik (etwa 33% mehr als im Vorjahr).

Windenergie 

Trotz des Rückgangs von 14 Prozent im Jahr 2021 leistete die Windenergie den größten Beitrag zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien. Insgesamt ist die Entwicklung der Windkraft aber positiv: Vor sechs Jahren (2016) lag die Einspeisung noch bei 79,9 Mrd. kWh. Somit ist die Bruttostromerzeugung aus Wind seitdem um mehr als 42 Prozent angestiegen.

Obwohl der Ausbau von Windenergieanlagen nun im Rahmen des Erneuerbare Energien Gesetz gefördert werden stieg die installierte Leistung von Windenergie an Land und auf See im Jahr 2021 lediglich um weitere 1.677 Megawatt. Um Klimaschutzziele der Bundesregierung zu erreichen, ist laut Umweltbundesamt jedoch ein deutlich beschleunigter Ausbau der Windenergieleistung nötig.

Windenergie Windräder

Photovoltaik

Zwar wurden in den Jahren 2020 und 2021 viele Photovoltaik Anlagen neu gebaut, aber aufgrund vergleichsweise sonnenarmer Witterung konnte nur ein leichtes Plus in der Stromgewinnung von diesem Energieträger verzeichnet werden. Im Jahr 2021 kamen rund 49 Mrd. kWh Strom von der Sonne.

Innerhalb der letzten Jahre stieg die insgesamt installierte Photovoltaik-Leistung um 44 Prozent (von etwa 40.700 MW (2016) auf etwa 58.700 MW (2020)). Im Vergleich zu 2016 betrug der Zuwachs der erzeugten Strommenge somit satte 33 Prozent.

Solarpark Solarenergie
Solarpark-Solarenergie

⁠Biomasse⁠

Im Jahr 2021 wurden etwa 45 Mrd. kWh aus Biomasse gewonnen und im Strommix bereitgestellt. Ein Großteil der Stromerzeugung aus dem Energieträger Biomasse kommt aus Biogas, fester Biomasse und dem biogenen Anteil des Abfalls.

Obwohl die Installierte Leistung seit 2016 um 20 Prozent gewachsen ist, hat sich die Stromerzeugung aus Biomasse insgesamt seit 2016 kaum gesteigert. Durch diese Entwicklung kann erneuerbare Energie bedarfsgerechter bereitgestellt werden.

Ein Biomasse-Kraftwerk von innen

Wasserkraft und Geothermie

Die Stromerzeugung aus Wasserkraft lag 2021 wegen höherer Niederschläge mit 19,1 Mrd. kWh deutlich über dem Wert des Vorjahres (18,3 Mrd. kWh). Die installierte Leistung der Wasserkraft ändert sich seit einigen Jahren ebenfalls nur noch wenig und lag am Ende des Jahres 2021 bei 5.383 MW. Die jährliche Einspeisung erreicht je nach Witterung seit vielen Jahren relativ konstante Werte.

Zwar überstieg die Stromerzeugung aus dem Energieträger der Geothermik in 2021 den Wert des Vorjahres um etwa 8 Prozent, sie macht jedoch insgesamt nur weniger als 0,1 Prozent erneuerbarer Stromproduktion aus.

Wasserkraftwerk

Welches Bundesland erzeugt den meisten Ökostrom?

Die erneuerbaren Energien sind weiter auf dem Vormarsch. Im Jahr 2019 dominierten in zehn von 16 Bundesländern der Strommix aus erneuerbaren Energien. Die installierte Kraftwerksleistung gibt die maximal mögliche Stromerzeugung einer Erzeugungsanlage an. Dieser Wert ist im Normalfall höher als die realisierte Erzeugung, da Windräder und Photovoltaikanlagen wegen des natürlichen Aufkommens von Wind- und Sonnenenergie den Stromverbrauch nicht immer decken können.

Zwischen den einzelnen Bundesländern gibt es erhebliche Unterschiede: Am größten war die installierte Kraftwerksleistung in Bayern mit 20,1 Gigawatt, wovon Solaranlagen mit über 65 Prozent beteiligt waren. Auf dem Zweiten Platz ist Niedersachsen mit 17,3 GW. Anders als in Bayern kamen hier mit rund 65 Prozent der installierten Leistung von der Windenergie an Land. Gemessen an der jeweils in den Bundesländern gesamten installierten Leistung (inklusive der konventionellen Stromproduktion) hatten jedoch Mecklenburg-Vorpommern (87 Prozent), Schleswig-Holstein (78 Prozent) und Sachsen-Anhalt (78 Prozent) den höchsten Anteil an Erneuerbaren.

Auf dem Weg zur Treibhausgasneutralität

Langsam verdrängen erneuerbare Energien den Bedarf fossiler Energien und führen somit zu einer zunehmenden Vermeidung klimaschädlicher Treibhausgasemissionen. Laut Berechnungen des ⁠Umweltbundesamtes⁠ verdrängen erneuerbare Energien insbesondere Steinkohle und Erdgas aus dem deutschen Energiemix. Im Jahr 2021 haben erneuerbare Energien ⁠Emissionen von rund 221 Millionen (Mio.) Tonnen CO₂-Äquivalenten vermieden.

Dabei war die größte Emissionseinsparung (etwa 75 Prozent der Gesamtmenge) in der Stromerzeugung durch erneuerbare Quellen. Im Wärmesektor wurden Treibhausgase in Höhe von 45 Mio. Tonnen CO₂-Äquivalente vermieden (etwa 20 Prozent), durch Biokraftstoffe etwa 10 Mio. Tonnen CO₂-Äquivalente (etwa 5 Prozent).

CO2-Berechnung

Politik fordert Ausbau der erneuerbaren Energien

Der Ausbau erneuerbarer Energien gilt als entscheidend, damit die innerhalb der Energiewende beschlossenen höheren Klimaziele erreicht werden können. Bisher war das Ziel der Bundesregierung ein Anteil von 65 Prozent an erneuerbaren Energieträgern. Aber Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung erklärt, dass ein Anteil von mindestens 70 Prozent erneuerbarer Energien erforderlich ist, um das höhere CO2-Einsparziel bis 2030 zu erreichen. 🌱

Bildquellen

  • Gruener-Strom: iStock/A stockphoto
  • Solarpark-Solarenergie: iStock/StockSeller_ukr
  • Wasserkraftwerk: iStock/DedMityay
  • CO2-Berechnung: iStock/Melpomenem
  • Geldanlage-Oekostrom: iStock/Petmal