CO₂-Bilanz für Unternehmen: Schritt für Schritt nach GHG Protocol
CO₂-Bilanz nach GHG Protocol in acht Schritten: Daten, Emissionsfaktoren 2026, Musterbetrieb mit 50 Beschäftigten, Tools, Förderung, Fehler.
Von Johanna Jung · aktualisiert am · 14 Min. Lesezeit
Das Wichtigste in Kürze
Die Grundformel jeder Bilanz lautet Aktivitätsmenge mal Emissionsfaktor, sortiert nach Scope 1, 2 und 3.
Im Musterbetrieb mit 50 Beschäftigten entfallen 81 % der rund 1.170 t auf Scope 3, allein der eingekaufte Stahl macht 74 % aus.
Für die Bilanz gelten 344 g CO₂ je kWh Strom und 181 g je kWh Erdgas laut Gasrechnung; BAFA- und KfW-Pauschalwerte sind für Förderanträge gedacht.
Das kostenlose ecocockpit der Effizienz-Agentur NRW nutzen Partner in fünf weiteren Bundesländern; Baden-Württemberg bezuschusst die Beratung mit 75 %.
Pflicht ist die Bilanz nur für Unternehmen, die nach ESRS berichten; Kunden und Banken fragen sie aber auch im Mittelstand ab.
Was ist eine CO₂-Bilanz für Unternehmen?
Eine CO₂-Bilanz für Unternehmen, auch Treibhausgasbilanz oder Corporate Carbon Footprint genannt, ist die Summe aller Treibhausgase, die ein Unternehmen in einem Jahr verursacht, umgerechnet in Tonnen CO₂-Äquivalente. Sie folgt fast immer dem Greenhouse Gas Protocol und teilt die Emissionen in Scope 1, 2 und 3.
Die Bilanz umfasst alle sieben Kyoto-Gase, nicht nur CO₂: Methan aus Erdgasleitungen, Lachgas aus der Landwirtschaft und Kältemittel aus Klimaanlagen zählen mit ihrem Treibhauspotenzial. Welche Gase das sind, erklärt die Seite zu den Treibhausgasen und CO₂-Äquivalenten; was in welchen Scope gehört, die Seite zu Scope 1, 2 und 3 mit allen 15 Kategorien.
Anlässe gibt es vier. Kunden verlangen Daten für ihren eigenen Scope 3, Banken fragen Emissionen für ihre finanzierten Emissionen ab, Unternehmen brauchen Kennzahlen für einen Nachhaltigkeitsbericht, und wer ein Klimaziel setzen will, braucht ein Basisjahr. Der Anlass bestimmt die Tiefe: Für eine Kundenanfrage reichen oft Scope 1 und 2, für ein Ziel nach der Science Based Targets initiative (SBTi) muss Scope 3 vollständig geprüft sein.
Wie erstellt man eine CO₂-Bilanz in acht Schritten?
Eine CO₂-Bilanz entsteht in acht Schritten, von der Festlegung des Zwecks bis zur jährlichen Wiederholung. Die ersten drei Schritte entscheiden über Vergleichbarkeit, die mittleren über Genauigkeit, die letzten über den Nutzen.
Zweck und Empfänger festlegen
Klären Sie, wer die Bilanz liest: Kunde, Bank, Bericht nach freiwilligem EU-Standard oder internes Klimaziel. Danach richten sich Umfang, Genauigkeit und Prüfung.
Organisationsgrenze bestimmen
Legen Sie fest, welche Gesellschaften und Standorte zählen, meist nach operativer Kontrolle: alles, was Sie betreiben, einschließlich gemieteter Flächen mit eigenem Energievertrag.
Basisjahr und Methode festhalten
Wählen Sie ein Basisjahr mit vollständigen Daten, den GWP-Satz (AR5 oder AR6) und die Faktorquellen. Diese Festlegungen gelten für alle Folgejahre.
Daten für Scope 1 und 2 sammeln
Erfassen Sie Gas, Heizöl, Kraftstoff und Kältemittel (Scope 1) sowie Strom und Fernwärme (Scope 2) je Standort aus Rechnungen, Tankkarten und Wartungsprotokollen.
Scope 3 eingrenzen und erfassen
Prüfen Sie alle 15 Kategorien, schätzen Sie sie zunächst grob und erfassen Sie die zwei oder drei größten mit Mengen statt Euro.
Emissionsfaktoren zuordnen und rechnen
Multiplizieren Sie jede Menge mit einem Faktor aus einer genannten Quelle und Jahr. Strom wird zweimal gerechnet, standort- und marktbasiert.
Ergebnis prüfen und dokumentieren
Plausibilisieren Sie Ausreißer, notieren Sie Annahmen und Datenlücken und lassen Sie die Bilanz bei Bedarf extern prüfen.
Ziele ableiten und jährlich wiederholen
Leiten Sie aus den größten Posten Maßnahmen und ein Ziel ab und rechnen Sie jedes Jahr mit derselben Methode neu.
Welche Daten braucht man für Scope 1, 2 und 3?
Für Scope 1 und 2 reichen die eigenen Rechnungen des Unternehmens, für Scope 3 braucht es Einkaufs-, Reise- und Personaldaten. Die Tabelle zeigt für die häufigsten Posten, woher die Mengen kommen und welcher Faktor dazugehört.
Datenquellen, Einheiten und Emissionsfaktoren je Scope
Posten
Datenquelle
Einheit
Emissionsfaktor
Quelle des Faktors
Erdgas (Scope 1)
Gasrechnung
kWh (Brennwert)
181 g CO₂/kWh
UBA, umgerechnet auf Brennwert
Diesel, Benzin (Scope 1)
Tankkarten, Tankbelege
Liter
2,65 / 2,32 kg CO₂/l
UBA
Kältemittel (Scope 1)
Wartungsprotokoll, Nachfüllmenge
kg
R-32: 771 kg CO₂-Äq./kg
IPCC AR6
Strom (Scope 2)
Stromrechnung, Lastgang
kWh
344 g CO₂/kWh (standortbasiert)
UBA, Strommix 2025
Fernwärme (Scope 2)
Wärmerechnung
kWh
versorgerspezifisch
Versorger, Netzbetreiber
Einkauf (Scope 3, Kat. 1)
Warenwirtschaft, Lieferantenrechnungen
t oder €
z. B. Stahl 1,92 t CO₂/t (Weltmittel)
Lieferanten-PCF, worldsteel, ecoinvent, ProBas
Geschäftsreisen (Kat. 6)
Reisekostenabrechnung, Reisebüro
Personenkilometer
Bahn Fernverkehr 26 g, Inlandsflug 193 g
UBA TREMOD; international DESNZ
Pendeln (Kat. 7)
anonyme Befragung
Personenkilometer
Pkw 164 g CO₂-Äq./Pkm
UBA TREMOD
Scope 1 und 2 lassen sich mit sechs Belegarten vollständig erfassen; bei Scope 3 bestimmt die Wahl des Faktors das Ergebnis stärker als die Menge. Quellen: UBA Climate Change 28/2022 und Strommix 2025; IPCC AR6; worldsteel Sustainability Indicators 2025 (Daten 2024); UBA TREMOD 6.71B (Bezugsjahr 2024, mit Vorkette; Flug ohne Nicht-CO₂-Effekte, abgeleitet aus 290 g ÷ 1,5).
Wer ein Energieaudit nach DIN EN 16247 hat, besitzt die Daten für Scope 1 und 2 bereits nahezu vollständig; welche Unterlagen dort gesammelt werden, zeigt die Checkliste für das Energieaudit. Für das Pendeln genügt eine anonyme Befragung zu Strecke, Verkehrsmittel und Arbeitstagen.
Welche Emissionsfaktoren gelten 2026 für Bilanzen in Deutschland?
Der richtige Emissionsfaktor hängt vom Zweck ab: Für den Förderantrag gelten andere Werte als für die Bilanz, und wer beides mischt, kann seine Zahlen nicht vergleichen. Für eine Bilanz nach GHG Protocol nutzt man aktuelle UBA-Werte, für Anträge bei BAFA und KfW deren Pauschalfaktoren.
Beim Erdgas kommt es auf die Bezugsgröße an. Gasrechnungen weisen kWh nach dem Brennwert aus, Emissionsstatistiken rechnen meist mit dem Heizwert. Je kWh laut Gasrechnung sind es rund 181 g CO₂, je kWh Heizwert 201 g; wer die Rechnungsmenge mit 201 g multipliziert, überschätzt das Erdgas um rund 11 %.
Emissionsfaktoren: Bilanz nach GHG Protocol und Förderantrag im Vergleich
Energieträger
Bilanz (UBA)
Förderantrag (BAFA/KfW-Infoblatt)
Hinweis
Erdgas
181 g/kWh Brennwert (201 g Heizwert)
201 g/kWh
Infoblatt rechnet je kWh Endenergie
Heizöl leicht, Diesel
266 g/kWh Heizwert
266 g/kWh
identisch
Flüssiggas
nach Liefermenge
239 g/kWh
Liefermenge meist in Litern oder kg
Fernwärme
versorgerspezifisch
280 g/kWh
Pauschalwert, kein Netzwert
Strom
344 g/kWh (standortbasiert 2025)
435 g/kWh bei Effizienzmaßnahmen
107 g bei Energieträgerwechsel, 0 g bei Wechsel zu erneuerbaren Energien
Für Strom liegt der Förderwert 26 % über dem Bilanzwert: 50.000 eingesparte kWh zählen im Antrag als 21,75 t, in der Bilanz als 17,2 t CO₂. Quellen: UBA Climate Change 28/2022, UBA Strommix 2025; KfW-Infoblatt CO₂-Faktoren (Stand 24.10.2024, gleiche Struktur wie das BAFA-Infoblatt 2025); Rechnung goClimate.
Für Scope 3 gibt es keine amtliche Einheitsliste. Gängige Quellen sind die UBA-Datenbank ProBas, das Modell GEMIS, die kostenpflichtige Datenbank ecoinvent, die Faktoren der britischen Regierung (DESNZ) für Reisen und Transporte sowie Branchenwerte wie die von worldsteel für Stahl. Entscheidend ist, die Quelle mit Jahr zu nennen und sie über die Jahre beizubehalten.
Wie sieht die CO₂-Bilanz eines Metallbaubetriebs mit 50 Beschäftigten aus?
Ein Metallbaubetrieb mit 50 Beschäftigten verursacht in unserem Rechenbeispiel rund 1.170 t CO₂-Äquivalente im Jahr, 23 t je Beschäftigtem. Scope 1 und 2 machen zusammen 19 % aus, Scope 3 81 %, und davon entfallen 92 % auf den eingekauften Stahl.
goClimate-Rechnung
goClimate-Rechnung: CO₂-Bilanz eines Metallbaubetriebs mit 50 Beschäftigten
Posten
Menge × Faktor
t CO₂-Äq.
Erdgas, Hallen- und Büroheizung (Scope 1)
220.000 kWh laut Gasrechnung × 181 g
39,8
Diesel, 12 Transporter und Pkw (Scope 1)
28.000 l × 2,65 kg
74,2
Kältemittel R-32, Nachfüllung (Scope 1)
2 kg × 771
1,5
Scope 1
115,6
Scope 2 Strom, standortbasiert
320.000 kWh × 344 g (marktbasiert mit Ökostrom: 0 t)
110,1
Stahl, Kategorie 1
450 t × 1,92 t
864,0
Vorkette Strom, Kategorie 3
320.000 kWh × 62 g
19,8
Anlieferung Stahl per Lkw, Kategorie 4
67.500 tkm × 118 g
8,0
Geschäftsreisen, Kategorie 6
12 Flüge à 1.200 Pkm × 193 g; 40 Bahnreisen à 800 Pkm × 26 g
So haben wir gerechnet: jede Menge mal Faktor aus der Datentabelle, Summen gerundet. Annahmen (fiktiver Betrieb in Bayern): Stahl unbekannter Herkunft mit dem weltweiten Mittel; Anlieferung über 150 km; 35 Beschäftigte pendeln 18 km einfach mit dem Pkw, 10 fahren 15 km mit dem Nahverkehrszug, 5 mit dem Rad, je 210 Arbeitstage; Flüge ohne Nicht-CO₂-Effekte (mit Faktor 1,5 wären es 4,2 statt 2,8 t). Nicht beziffert: Vorketten von Gas und Diesel, übriger Einkauf, Abfall, Investitionsgüter; die Summe ist eine Untergrenze. Quellen: UBA, IPCC AR6, worldsteel 2025, UBA TREMOD 6.71B; Balken proportional, Maximum 120px.
Wer Stahl, Aluminium oder Kunststoff einkauft, senkt seine Bilanz am Einkaufstisch, nicht im Heizungskeller. Die zweite Rechnung zeigt drei Hebel im selben Betrieb.
goClimate-Rechnung
goClimate-Rechnung: Drei Hebel im Musterbetrieb
Maßnahme
Rechenweg
Minderung
Stahl aus Elektrostahlwerk mit Lieferanten-PCF statt Weltmittel
450 t × (1,92 − 0,69) t
−553,5 t
Ökostrom mit Herkunftsnachweisen (nur marktbasiert)
320.000 kWh × 344 g
−110,1 t
Hälfte des Diesels durch E-Transporter ersetzen
14.000 l × 2,65 kg − 35.000 kWh × 344 g
−25,1 t
Der Stahlwechsel bringt fünfmal so viel wie Ökostrom (553,5 ÷ 110,1) und senkt die Gesamtbilanz um 47 %. So haben wir gerechnet: Routenwert Schrott-Elektrostahl 0,69 t CO₂/t (worldsteel, Daten 2024); E-Transporter mit 25 kWh/100 km statt 10 l/100 km, also 140.000 km mit 35.000 kWh Netzstrom; Ökostrom senkt nur den marktbasierten Wert, der standortbasierte bleibt bei 110,1 t. Mit Stahl- und Fuhrparkhebel sinkt die standortbasierte Summe auf rund 589 t (−50 %). Rechnung goClimate.
Ein Lieferantenwechsel beim Stahl bringt im Musterbetrieb fünfmal so viel wie der Wechsel zu Ökostrom. Er wirkt in der Bilanz aber nur, wenn der Lieferant einen eigenen Product Carbon Footprint liefert; mit einem ausgabenbasierten Durchschnittsfaktor bliebe er unsichtbar, wie die Seite zur Dekarbonisierung der Lieferkette vorrechnet. Wie Stahl mit niedrigem CO₂-Wert entsteht, beschreibt die Seite zur Dekarbonisierung der Stahlindustrie.
Wie sehen veröffentlichte CO₂-Bilanzen im Mittelstand aus?
Veröffentlichte Bilanzen mittelständischer Unternehmen zeigen dasselbe Muster wie der Musterbetrieb: Scope 3 dominiert, und Abweichungen vom GHG Protocol betreffen eher die Zuordnung als die Rechnung. Zwei Fälle zeigen, wie eine Bilanz in der Praxis aussieht und womit sie entsteht.
Familienunternehmen seit 1876, Metall- und Stahlhandel mit über 200 Beschäftigten an vier Standorten (Stolberg, Aachen, Bitburg, Würselen); Bilanz nach GHG Protocol, operative Kontrolle (Treibhausgasbericht 2024, veröffentlicht 2025)
Scope 1: 1.551 t CO₂e, davon Kraftstoffe 1.384 t; Scope 2: 434 t, darunter Strom 373 t, Erdgas 36 t und Strom aus der eigenen Photovoltaikanlage 25 t
Scope 3: 204.765 t, davon eingekaufte Güter und Dienstleistungen 199.295 t; Kategorie 3 „ausgeklammert“, weil sie „bereits in Scope 1 und 2 enthalten“ sei
Ziel: Scope 1 und 2 bis 2030 um mindestens 25 % gegenüber 2020 senken; Photovoltaik deckte 2024 29,7 % des Stroms und sparte nach Unternehmensangabe rund 104 t CO₂
Einordnung
Was der Fall zeigt
Scope 1 und 2 machen bei Kerschgens 0,96 % der Bilanz aus, eingekaufte Güter und Dienstleistungen 96 %. Selbst wenn das Ziel von −25 % vollständig erreicht wird, sinkt die Gesamtbilanz, gerechnet mit den Werten von 2024, um rund 500 t oder 0,24 %. Zwei Zuordnungen weichen vom GHG Protocol ab: Erdgas aus eigener Verbrennung gehört in Scope 1, und Kategorie 3 erfasst die Vorkette von Strom und Kraftstoff, die in Scope 1 und 2 gerade nicht enthalten ist. Der Fall zeigt nicht, wie die 199.295 t berechnet wurden; die Methodik liegt in einem separaten Dokument. Für Leser heißt das: Ein öffentlicher Bericht eines Mittelständlers ist wertvoll, aber erst die Methode zeigt, ob ein Lieferantenwechsel überhaupt sichtbar würde.
Fallbeispiel
Effizienz-Agentur NRW: ecocockpit als kostenloses Bilanzwerkzeug (Stand Oktober 2026)
Webbasiertes Werkzeug der Effizienz-Agentur NRW (Duisburg) im Auftrag des Umweltministeriums Nordrhein-Westfalen, kostenfrei und anbieterunabhängig, Registrierung nötig
Berechnet Unternehmensbilanz und Product Carbon Footprint mit Scope 1 bis 3 und wählbaren Unterkategorien, Bericht angelehnt an das GHG Protocol; Faktoren unter anderem aus GEMIS und ProBas
Der Emissionsbericht zeigt Ergebnisse mit und ohne Sicherheitszuschlag; Kooperationen bestehen mit Baden-Württemberg, Bremen, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Oberösterreich und dem IHK-Unternehmensnetzwerk Klimaschutz
Nächste Online-Schulung „Treibhausgasbilanzierung mit ecocockpit“: 17. November 2026; Nutzerzahlen veröffentlicht die Agentur nicht
Einordnung
Was der Fall zeigt
Die Software ist für einen Mittelständler kein Kostenfaktor: Ein öffentliches Werkzeug in NRW und sechs Partnerregionen ist kostenlos, der Aufwand liegt in der Datensammlung. Kombiniert mit der Beratungsförderung in Baden-Württemberg (75 % Zuschuss, höchstens 900 € je Beratertag bei förderfähigen Tagessätzen bis 1.200 € netto) kostet eine begleitete erste Bilanz bei zwei bis fünf Beratertagen zum Höchstsatz netto 600 bis 1.500 € Eigenanteil. Der Sicherheitszuschlag ist ein ehrlicher Umgang mit Datenlücken, sollte im Bericht aber benannt werden. Der Fall zeigt nicht, wie genau die Ergebnisse sind; GEMIS- und ProBas-Faktoren können vom aktuellen UBA-Strommix abweichen, deshalb gehört die verwendete Faktorversion in jede Dokumentation.
Wie gut sind die Daten, und wann wird das Basisjahr neu berechnet?
Die Qualität einer Bilanz hängt an der Herkunft ihrer Faktoren: Gemessene Mengen mit spezifischen Lieferantenwerten sind genau, ausgabenbasierte Schätzungen mit Branchendurchschnitt grob. Der Scope-3-Standard bewertet Daten nach fünf Kriterien: technologische, zeitliche und geografische Passung, Vollständigkeit und Verlässlichkeit.
Für die Praxis heißt das: Scope 1 und 2 sind vergleichsweise genau, weil Mengen aus Rechnungen und Faktoren aus amtlichen Daten stammen. In Scope 3 kann allein die Wahl des Faktors das Ergebnis vervielfachen; im Musterbetrieb liegt der Stahl je nach Faktor zwischen 310,5 t (Elektrostahl) und 1.053 t (Hochofenroute mit 2,34 t). Datenlücken werden geschätzt, kenntlich gemacht und in den Folgejahren geschlossen.
Das Basisjahr wird neu berechnet, wenn sich die Struktur ändert (Zukauf, Verkauf, Auslagerung), die Methode wechselt oder ein Fehler entdeckt wird; die Schwelle legt das Unternehmen selbst fest und nennt sie. Ohne diese Regel entstehen Scheinerfolge: Wer einen Standort verkauft, senkt seine Emissionen auf dem Papier, nicht in der Atmosphäre.
Welche Werkzeuge, Kosten und Förderung gibt es für die CO₂-Bilanz?
Für eine erste Bilanz genügen ein kostenloses Werkzeug oder eine Tabellenkalkulation; Kosten entstehen vor allem für Beratung, Software-Lizenzen bei vielen Standorten und eine externe Prüfung. Eine belastbare Marktspanne für die Kosten einer Bilanz hat keine öffentliche Stelle veröffentlicht.
Kostenlose Werkzeuge: ecocockpit der Effizienz-Agentur NRW (siehe Fall) und die Plattform des Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) für den Bericht nach dem freiwilligen EU-Standard.
Förderung Baden-Württemberg: Das Programm „Unternehmen machen Klimaschutz“ bezuschusst die Beratung zu Treibhausgasbilanz, Einsparpotenzialen und Fahrplan mit 75 % der Beratungskosten, höchstens 900 € netto je Beratertag (förderfähig bis 1.200 € je Tag), zwei bis fünf Tage je Teil; Investitionen bis 50 %, höchstens 80.000 €; Laufzeit bis 31. Dezember 2027, als De-minimis-Beihilfe.
Bund: Die BAFA-Förderung Energieberatung für Nichtwohngebäude, Anlagen und Systeme (EBN, Modul 1) zahlt 50 % eines Energieaudits, höchstens 3.000 €, bis 31. Dezember 2026; eine reine Treibhausgasbilanz fördert sie nicht, das Audit liefert aber die Daten für Scope 1 und 2.
Software und Beratung: Lohnend bei mehreren Standorten, vielen Lieferanten oder Prüfungspflicht; vor dem Kauf prüfen, welche Faktordatenbank hinterlegt ist und ob Daten exportierbar sind.
Was unterscheidet die Unternehmensbilanz vom Product Carbon Footprint?
Die Unternehmensbilanz (Corporate Carbon Footprint) zeigt alle Emissionen eines Unternehmens in einem Jahr, der Product Carbon Footprint (PCF) die Emissionen je Produkt über seinen Lebensweg, etwa je Kilogramm Stahlträger oder je Maschine. Die Norm für den PCF ist ISO 14067; für den Austausch von PCF-Daten zwischen Unternehmen hat der WBCSD die PACT-Methodik entwickelt.
Beide Rechnungen nutzen dieselben Daten, schneiden sie aber anders. Für den PCF werden die Emissionen eines Werks auf die Produkte verteilt und um die Vorkette der Materialien ergänzt, meist „von der Wiege bis zum Werkstor“. PACT Version 3 vom 30. April 2025 gilt für alle neuen PCF-Berechnungen; ein PCF wird neu berechnet, wenn sich der Prozess um mehr als 10 % ändert. Für Zulieferer ist der PCF die wichtigere Zahl, weil Kunden mit ihm ihre Kategorie 1 rechnen. Was ein Produkt-Fußabdruck aussagt und was nicht, zeigt die Seite zum CO₂-Fußabdruck von Produkten.
Was bedeutet die CO₂-Bilanz für Unternehmen im Mittelstand?
Für den Mittelstand ist die CO₂-Bilanz keine gesetzliche Pflicht, aber eine Lieferbedingung: Nach Omnibus I müssen ab dem Geschäftsjahr 2027 nur Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten und mehr als 450 Mio. € Umsatz nach CSRD berichten, deren Kunden und Banken fragen die Zahlen trotzdem ab. Deutschland hat die CSRD noch nicht umgesetzt (Stand Oktober 2026).
Berichten: Der freiwillige EU-Standard (Delegierte Verordnung 2026/1560) verlangt im Basismodul Scope 1 und Scope 2 standortbasiert, Scope 3 ist freiwillig. Der DNK bietet dafür eine kostenlose Plattform. Was Berichte enthalten, steht auf der Seite zum Nachhaltigkeitsbericht für Unternehmen, wer berichtspflichtig ist, auf der Seite zur CSRD und ihren Schwellen.
Kundenanfragen begrenzen: Unternehmen bis 1.000 Beschäftigte müssen ab dem Geschäftsjahr 2027 keine Angaben liefern, die über den freiwilligen Standard hinausgehen (Value-Chain-Cap).
Kommunizieren: Seit 27. September 2026 sind auf Kompensation gestützte „klimaneutral“-Aussagen über Produkte unzulässig. Eine Bilanz plus Minderungsplan ist die belastbarere Botschaft; welche Begriffe noch erlaubt sind, beschreibt die Seite zur Klimaneutralität und den Regeln für Klimaaussagen.
Wie wird aus der Bilanz ein Klimaziel mit Maßnahmen?
Aus der Bilanz wird ein Klimaziel, indem das Unternehmen die größten Posten nach Hebel und Einfluss ordnet, für jeden eine Maßnahme mit Jahr und Tonnen festlegt und ein absolutes Ziel gegenüber dem Basisjahr setzt. Wer ein geprüftes Ziel will, lässt es von der SBTi validieren.
Im Musterbetrieb ergibt sich die Reihenfolge aus den Rechnungen: zuerst Stahl mit Lieferanten-PCF einkaufen, dann Ökostrom, Wärmepumpe und E-Transporter, zuletzt das Pendeln über Jobticket oder Dienstrad. Kompensation kann ein zusätzlicher Beitrag für verbleibende Emissionen sein, senkt die Bilanz aber nicht; die Einordnung steht auf der Seite zur CO₂-Kompensation. Energieeffizienz in Halle und Maschinenpark zeigt ein Energieaudit; wie es abläuft, beschreibt die Seite zum Energieaudit für Unternehmen.
Welche Fehler machen Unternehmen bei der ersten CO₂-Bilanz?
Die häufigsten Fehler einer ersten Bilanz sind falsche Bezugsgrößen, falsche Zuordnungen und fehlende Dokumentation. Sechs Prüffragen decken die meisten davon auf.
Brennwert oder Heizwert? Gasrechnungsmengen mit 181 g multiplizieren, nicht mit 201 g.
Förder- oder Bilanzfaktor? BAFA- und KfW-Pauschalwerte gehören in den Förderantrag, nicht in die Bilanz.
Richtiger Scope? Eigenes Erdgas ist Scope 1, die Vorkette Kategorie 3; beide fehlen oft oder stehen am falschen Platz.
Beide Stromwerte? Standort- und marktbasiert ausweisen, die Null aus Ökostrom allein genügt nicht.
Kältemittel und Mietflächen? Nachfüllmengen aus dem Wartungsprotokoll und Flächen mit eigenem Energievertrag gehören dazu.
Methode notiert? Faktorquelle mit Jahr, GWP-Satz, Ausschlüsse und Annahmen; sonst ist das Folgejahr nicht vergleichbar.
Wie erstellt man eine CO₂-Bilanz für ein Unternehmen?
Man legt Zweck, Organisationsgrenze und Basisjahr fest, sammelt Verbrauchs- und Einkaufsmengen, multipliziert sie mit Emissionsfaktoren und ordnet sie Scope 1, 2 und 3 zu. Danach wird das Ergebnis dokumentiert, geprüft und jährlich mit derselben Methode wiederholt.
Ist eine CO₂-Bilanz für Unternehmen Pflicht?
Nur für Unternehmen, die nach den ESRS berichten müssen und den Klimawandel als wesentlich einstufen. Nach Omnibus I sind das ab dem Geschäftsjahr 2027 Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten und mehr als 450 Mio. € Umsatz; Deutschland hat die CSRD noch nicht umgesetzt (Stand Oktober 2026).
Welche Emissionsfaktoren nutzt man für die CO₂-Bilanz?
Für Strom 344 g CO₂ je kWh (UBA, Strommix 2025), für Erdgas 181 g je kWh laut Gasrechnung, für Diesel 2,65 kg und Benzin 2,32 kg je Liter. Für Scope 3 dienen Lieferantenwerte oder Datenbanken wie ProBas, ecoinvent oder DESNZ.
Was kostet eine CO₂-Bilanz?
Kostenlose Werkzeuge wie ecocockpit gibt es; Kosten entstehen vor allem für Beratung. Baden-Württemberg bezuschusst die Beratung mit 75 %, höchstens 900 € je Beratertag, bei zwei bis fünf Tagen also höchstens 1.800 bis 4.500 € Zuschuss. Eine belegte Marktspanne für die Gesamtkosten gibt es nicht.
Was ist der Unterschied zwischen Corporate und Product Carbon Footprint?
Der Corporate Carbon Footprint erfasst alle Emissionen eines Unternehmens pro Jahr nach Scope 1, 2 und 3. Der Product Carbon Footprint erfasst die Emissionen eines einzelnen Produkts über seinen Lebensweg, nach ISO 14067 und oft im PACT-Format.