Glossar

Treibhausgase: Welche gibt es und wie stark wirken sie?

Welche Treibhausgase gibt es? Alle sieben Kyoto-Gase mit Treibhauspotenzial (IPCC AR6), CO₂-Äquivalente, Anteile in Deutschland 2025 und Quellen.

Von Johanna Jung · aktualisiert am · 14 Min. Lesezeit

Kurz erklärt

Treibhausgase sind Gase, die Wärmestrahlung der Erdoberfläche aufnehmen und zum Teil zurückstrahlen und so die Erde erwärmen. Vom Menschen stammen vor allem Kohlendioxid, Methan, Lachgas und fluorierte Gase. Wie stark ein Gas je Tonne wirkt, gibt sein Treibhauspotenzial (GWP) an; daraus ergeben sich CO₂-Äquivalente.

Treibhausgase Deutschland 2025
648,9 Mio. t CO₂-Äq.vorläufig, rund 48 % unter 1990, Umweltbundesamt
Anteil der Gase außer CO₂
11,6 %2025; Methan 6,8 %, Lachgas 3,5 %, F-Gase 1,4 %
Stärkstes Gas im Kyoto-Korb
SF₆Treibhauspotenzial 24.300 über 100 Jahre, IPCC AR6

Was sind Treibhausgase?

Treibhausgase sind Bestandteile der Atmosphäre, die Sonnenlicht weitgehend durchlassen, die Wärmestrahlung der Erdoberfläche aber aufnehmen und in alle Richtungen wieder abgeben. So halten sie Energie im Klimasystem. Den physikalischen Ablauf beschreibt die Seite Wie der Treibhauseffekt funktioniert.

Stickstoff und Sauerstoff, zusammen rund 99 % der trockenen Luft, nehmen Wärmestrahlung praktisch nicht auf und sind keine Treibhausgase. Wasserdampf, CO₂, Methan, Lachgas und Ozon kommen natürlich vor; seit der Industrialisierung steigen ihre Konzentrationen durch Verbrennung, Rodung, Tierhaltung, Düngung und Industriegase. Fluorierte Gase sind fast ausschließlich menschengemacht.

Zwei Treibhausgase stehen in keinem Emissionsinventar. Wasserdampf ist das wichtigste natürliche Treibhausgas, seine Menge folgt aber der Temperatur und verstärkt eine Erwärmung, die andere Gase auslösen. Bodennahes Ozon wird nicht ausgestoßen, sondern bildet sich aus Vorläufern wie Stickstoffoxiden und Methan und lässt sich nur über diese mindern.

Welche Treibhausgase gibt es? Die Liste mit Treibhauspotenzial

Die Klimaberichterstattung erfasst sieben Treibhausgase bzw. Gasgruppen, den sogenannten Kyoto-Korb: Kohlendioxid (CO₂), Methan (CH₄), Lachgas (N₂O), teilfluorierte Kohlenwasserstoffe (HFKW), perfluorierte Kohlenwasserstoffe (FKW), Schwefelhexafluorid (SF₆) und Stickstofftrifluorid (NF₃).

Die ersten sechs legte das Kyoto-Protokoll von 1997 fest, NF₃ kam ab 2013 hinzu. Dieselben sieben Gase verlangen die Berichtsregeln des Pariser Abkommens und das Greenhouse Gas Protocol. Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) wirken ebenfalls als Treibhausgase, ihr Ausstieg ist aber seit 1987 im Montrealer Protokoll geregelt.

Treibhausgase im Vergleich: Hauptquellen, Lebensdauer und Treibhauspotenzial (GWP)
GasHauptquellenLebensdauer in der AtmosphäreGWP 100 Jahre (AR6)GWP 20 Jahre (AR6)GWP 100 Jahre im Inventar (AR5)
Kohlendioxid (CO₂)Kohle, Öl, Erdgas, Zement und Kalk, Entwaldungkeine einzelne Lebensdauer, Teile Jahrhunderte bis Jahrtausende111
Methan (CH₄), fossilFörderung und Transport von Erdgas, Öl und Kohle11,8 Jahre29,882,528
Methan (CH₄), biogenRindermägen, Gülle, Deponien, Reisanbau, Biogasanlagen11,8 Jahre27,080,828
Lachgas (N₂O)Stickstoffdüngung und Böden, Chemie (Adipin- und Salpetersäure)109 Jahre273273265
HFKW-32 (Kältemittel R-32)Klimageräte, Wärmepumpen5,4 Jahre7712.690677
HFKW-134a (Kältemittel R-134a)Kühlgeräte, ältere Pkw-Klimaanlagen, Schaumstoffe14 Jahre1.5304.1401.300
HFKW-125Bestandteil von Kältemittelgemischen wie R-410A und R-404A30 Jahre3.7406.7403.170
R-410A (Gemisch je zur Hälfte aus R-32 und R-125)ältere Klimageräte und WärmepumpenGemisch2.2564.7151.924
HFKW-23Nebenprodukt der Herstellung von Fluorchemikalien228 Jahre14.60012.40012.400
FKW-14 (CF₄)Aluminiumherstellung, HalbleiterfertigungJahrtausende7.380k. A.6.630
Schwefelhexafluorid (SF₆)Isoliergas in Schaltanlagen, ältere Schallschutzscheibenrund 1.000 Jahre24.300k. A.23.500
Stickstofftrifluorid (NF₃)Halbleiter-, Display- und SolarzellenfertigungJahrhunderte17.400k. A.16.100

Je Kilogramm wirkt SF₆ rund 24.000-mal so stark wie CO₂, Lachgas rund 270-mal; in der Summe dominiert CO₂, weil davon am meisten ausgestoßen wird. Quellen: IPCC AR6, Tab. 7.SM.7 (2021); SF₆, NF₃, CF₄ und AR5-Werte nach GHG Protocol (2024) und UBA (2026); R-410A eigene Rechnung (0,5 × 771 + 0,5 × 3.740). SF₆: 24.300 ist der Wert der Tabelle 7.SM.7 mit der im AR6 neu bewerteten Lebensdauer von rund 1.000 Jahren (zuvor 3.200 Jahre); ihn verwenden GHG Protocol, Umweltbundesamt und F-Gas-Verordnung (EU) 2024/573. Die Kurztabelle 7.15 im Hauptkapitel nennt mit der alten Lebensdauer 25.200. k. A.: in den Quellen nicht ausgewiesen.

Der Wert hängt vom Zeithorizont ab: Methan wirkt über 20 Jahre rund 80-mal, über 100 Jahre rund 30-mal (fossil) bzw. rund 27-mal (biogen) so stark wie CO₂, weil es nach rund zwölf Jahren weitgehend abgebaut ist. Außerdem gelten mehrere Wertesätze nebeneinander, wie der Abschnitt zu AR5 und AR6 zeigt.

Was sind CO₂-Äquivalente und wie rechnet man sie aus?

CO₂-Äquivalente (CO₂-Äq., englisch CO₂e) rechnen alle Treibhausgase in die Menge CO₂ um, die über einen festgelegten Zeitraum dieselbe Erwärmung verursachen würde: Masse des Gases mal Treibhauspotenzial. 1 t fossiles Methan entspricht nach IPCC AR6 29,8 t CO₂-Äq., 1 t Lachgas 273 t und 1 kg SF₆ rund 24 t.

Das Treibhauspotenzial (Global Warming Potential, GWP) vergleicht die Wärmewirkung eines Kilogramms eines Gases mit der eines Kilogramms CO₂ über einen Zeitraum, meist 100 Jahre. So lassen sich Gase addieren: zur deutschen Summe von 648,9 Mio. t im Jahr 2025, zu einer Unternehmensbilanz oder zum CO₂-Fußabdruck eines Produkts oder einer Person. Den Stoff, der als Maßstab dient, beschreibt die Seite Kohlendioxid: Eigenschaften und Konzentration.

goClimate-Rechnung
goClimate-Rechnung: Scope 1 eines Musterbetriebs in t CO₂-Äquivalenten, mit drei GWP-Sätzen
Quelle (ein Jahr)IPCC AR6F-Gas-Verordnung (AR4)Inventar (AR5)
Erdgas 150.000 kWh laut Gasrechnung (CO₂)27,227,227,2
Diesel 8.000 l für den Fuhrpark (CO₂)21,221,221,2
Kältemittel R-410A, 6 kg nachgefüllt13,512,511,5
Summe Scope 161,960,959,9
Anteil des Kältemittels21,9 %20,6 %19,3 %

So haben wir gerechnet: Menge mal Emissionsfaktor bzw. Treibhauspotenzial. Erdgas 150.000 kWh × 181 g CO₂ je kWh laut Gasrechnung (Brennwert); Gasrechnungen weisen kWh nach Brennwert aus, Emissionsstatistiken rechnen meist mit dem Heizwert (201 g je kWh). Diesel 8.000 l × 2,65 kg. Kältemittel 6 kg × 2.256 (AR6, eigene Rechnung), × 2.088 (F-Gas-Verordnung) bzw. × 1.924 (AR5). Annahme: Nachgefüllte Menge = im Jahr entwichene Menge. Quellen: UBA (Emissionsfaktoren 2022, GWP-Tabelle 2026), IPCC AR6.

Sechs Kilogramm Kältemittel machen in diesem Musterbetrieb rund ein Fünftel der direkten Emissionen aus. Je nach Wertesatz liegt die Summe zwischen 59,9 und 61,9 t; wer zwischen zwei Berichtsjahren den Satz wechselt, erzeugt eine scheinbare Veränderung von gut 3 %, die keine Minderung ist.

Warum rechnen Inventare mit anderen GWP-Werten als der Weltklimarat?

Staaten berichten ihre Emissionen nach den Regeln des Pariser Abkommens mit den 100-Jahres-Werten des fünften IPCC-Sachstandsberichts (AR5): Methan 28, Lachgas 265, SF₆ 23.500. Der sechste Bericht (AR6) von 2021 enthält neuere Werte, die für die Staateninventare bisher nicht gelten.

Grund ist die Vergleichbarkeit, festgelegt in der UN-Entscheidung 18/CMA.1 von 2018 und in Deutschland seit der Submission 2023 angewandt. Auch die 648,9 Mio. t des Umweltbundesamts für 2025 beruhen auf AR5. Bewertet man das deutsche Methan von rund 1,57 Mio. t mit dem AR6-Wert für fossiles Methan (29,8), ergeben sich 46,7 statt 43,9 Mio. t CO₂-Äq., mit dem Wert für biogenes Methan (27,0) 42,3 Mio. t (eigene Rechnung).

Ein dritter Satz gilt im F-Gas-Recht: Die Verordnung (EU) 2024/573 bewertet HFKW mit AR4-Werten, etwa R-134a mit 1.430 und R-32 mit 675, die übrigen F-Gase mit AR6-Werten wie SF₆ mit 24.300; für Quoten, Verbote und Dichtheitsprüfungen zählen nur diese. Eine Zahl in CO₂-Äquivalenten ist deshalb erst vollständig, wenn Gas, Zeithorizont und Wertesatz genannt sind.

Wie verteilen sich die Treibhausgase in Deutschland und weltweit?

In Deutschland entfielen 2025 nach vorläufigen Daten des Umweltbundesamts 88,4 % der Treibhausgasemissionen auf CO₂, 6,8 % auf Methan, 3,5 % auf Lachgas und 1,4 % auf F-Gase. Weltweit ist der Anteil der übrigen Gase deutlich höher: Laut EDGAR-Datenbank der EU-Kommission kam fossiles CO₂ 2025 auf 73,8 %, Methan auf 17,6 %, Lachgas auf 5,3 % und F-Gase auf 3,3 %.

Anteile der Treibhausgase 2025: Deutschland und Welt
GasDeutschland (UBA)Welt (EDGAR)
CO₂88,4 % 73,8 %
Methan6,8 % 17,6 %
Lachgas3,5 % 5,3 %
F-Gase1,4 % 3,3 %
Summe in CO₂-Äquivalenten648,9 Mio. t54,1 Mrd. t

Weltweit verursachen Methan und Lachgas fast ein Viertel der Emissionen, in Deutschland rund ein Zehntel. Quellen: UBA (Stand 02.07.2026, vorläufig); JRC/EDGAR 2026 (ohne Landnutzung, CO₂ nur fossil).

Der Unterschied liegt in der Wirtschaftsstruktur: In vielen Staaten setzen große Rinderbestände, Reisanbau, Kohlebergbau und Öl- und Gasförderung mehr Methan frei. Die F-Gase sind weltweit seit 1990 um 441,5 % gewachsen, schneller als jede andere Gruppe. Wie sich die deutschen Emissionen auf Energiewirtschaft, Verkehr, Industrie, Gebäude und Landwirtschaft verteilen, zeigt die Seite Treibhausgasemissionen nach Sektoren; den Ländervergleich enthält die Seite zu den Emissionen pro Kopf weltweit.

Warum wirken kleine Mengen Methan, Lachgas und F-Gase so stark?

Gemessen an der Masse ist das deutsche Klimaproblem fast nur CO₂, gemessen an der Wirkung nicht: Methan und Lachgas machen zusammen nur 0,29 % der Masse der deutschen Treibhausgase aus, aber 10,3 % ihrer Wirkung. Der Grund ist ihr hohes Treibhauspotenzial je Tonne.

goClimate-Rechnung
goClimate-Rechnung: Masse und Klimawirkung der deutschen Treibhausgase 2025
GasMasseAnteil an der MasseCO₂-Äquivalente (AR5)Anteil an der Wirkung
CO₂573,6 Mio. t99,71 %573,6 Mio. t88,4 %
Methan1,57 Mio. t0,27 %43,9 Mio. t6,8 %
Lachgas0,085 Mio. t0,015 %22,5 Mio. t3,5 %
F-Gasenicht ausgewiesenk. A.8,8 Mio. t1,4 %

So haben wir gerechnet: CO₂ = 88,4 % × 648,9 Mio. t; Methan = 43,9 Mio. t CO₂-Äq. ÷ 28 (AR5); Lachgas 85.000 t × 265; Masseanteile bezogen auf die Summe der drei Gase (575,3 Mio. t). Die Masse der F-Gase veröffentlicht das UBA nicht. Quellen: UBA (Stand 02.07.2026).

Ein Prozent der Masse bringt beim Methan rund 25 Prozent der Wirkung, beim Lachgas rund 237 Prozent, beim CO₂ knapp 0,9 Prozent; das Verhältnis entspricht den Inventarwerten 28 und 265. Wer nur in Tonnen Gas denkt, unterschätzt deshalb ein Leck an einer Gasleitung, einen offenen Güllebehälter oder eine undichte Kälteanlage. Welche Quellen das in Deutschland und weltweit sind, beschreibt die Seite zu Methan als zweitwichtigstem Treibhausgas.

Wie hoch ist die Konzentration der Treibhausgase in der Atmosphäre?

Die drei wichtigsten langlebigen Treibhausgase erreichen Rekordwerte: CO₂ lag 2025 auf dem Mauna Loa im Jahresmittel bei 427,0 ppm, Methan und Lachgas im globalen Mittel 2025 bei rund 1.936 ppb bzw. 338,9 ppb (NOAA). Gegenüber 1750 sind das rund das 1,5-Fache, das 2,7-Fache und das 1,25-Fache.

Konzentration der langlebigen Treibhausgase und ihr Beitrag zur Erwärmung
Gasvorindustriell (1750)globales Mittel 2024 (WMO)2025Anteil am Strahlungsantrieb
CO₂278,3 ppm423,9 ppm (152 %)427,0 ppm (Mauna Loa)rund 66 %
Methan729,2 ppb1.942 ppb (266 %)rund 1.936 ppb (NOAA, global)rund 16 %
Lachgas270,1 ppb338,0 ppb (125 %)rund 338,9 ppb (NOAA, global)rund 6 %

Methan ist relativ am stärksten gestiegen; die übrigen rund 12 % des Strahlungsantriebs stammen vor allem von FCKW und anderen halogenierten Gasen. Quellen: WMO-Bulletin No. 21 (2025), NOAA (2026), UBA (Stand 09.07.2026). WMO und NOAA nutzen verschiedene Messnetze; 1.936 ppb (NOAA 2025) gegenüber 1.942 ppb (WMO 2024) ist kein Rückgang.

Zusammen entsprachen alle Treibhausgase 2024 laut Umweltbundesamt 539 ppm CO₂-Äquivalent. Methan stieg 2024 global um 8,04 ppb, 2025 um 4,77 ppb, Lachgas um 1,02 bzw. 1,23 ppb (NOAA, vorläufig). Die Zeitreihe für CO₂ seit 1958 zeigt die Seite zur CO₂-Konzentration auf Mauna Loa und Zugspitze.

Wie haben sich die einzelnen Treibhausgase in Deutschland seit 1990 entwickelt?

Seit 1990 sind in Deutschland alle Treibhausgase gesunken, aber unterschiedlich stark: Methan um 67 %, Lachgas um mehr als die Hälfte, CO₂ um rund 46 % und die F-Gase um rund 28 %. Insgesamt lagen die Emissionen 2025 bei 648,9 Mio. t CO₂-Äq., 48,2 % unter dem Wert von 1990.

Treibhausgase in Deutschland 1990 und 2025 nach Gasen (Mio. t CO₂-Äq., AR5)
Gas19902025 (vorläufig)Veränderung
CO₂rund 1.054rund 574−45,6 %
Methanrund 13343,9−67,1 %
Lachgasrund 52 (197.000 t)rund 23 (85.000 t)mehr als halbiert
F-Gase12,38,8rund −28 %
Summerund 1.253648,9−48,2 %

Methan ist seit 1990 am stärksten gesunken, die F-Gase am wenigsten. 1990-Werte für CO₂ und Methan aus den UBA-Veränderungsraten berechnet, Lachgas aus der Masse × 265; das UBA nennt für Lachgas im Text −54,4 %, die Massenreihe ergibt −57 %. F-Gase erreichten 1995 mit 16,0 Mio. t ihren Höchstwert. Quelle: UBA (Stand 02.07.2026).

Beim CO₂ wirkten der Umbau der ostdeutschen Industrie nach 1990, erneuerbare Energien und weniger Kohlestrom. Beim Methan sanken die Emissionen aus Deponien und Steinkohlebergbau jeweils um über 90 % (Methan in Deutschland seit 1990), beim Lachgas vor allem in der Chemie. Die F-Gase stiegen nach einem Tief um das Jahr 2000 bis 2016 wieder auf rund 14,6 Mio. t und sinken seitdem, weil gesetzliche Regeln ihren Einsatz begrenzen.

Welche Quellen haben die einzelnen Treibhausgase?

Jedes Treibhausgas hat eigene Hauptquellen: CO₂ stammt in Deutschland überwiegend aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe, Methan und Lachgas zu jeweils rund drei Vierteln aus der Landwirtschaft, F-Gase vor allem aus Kälte- und Klimaanlagen.

  • CO₂: Energiebedingte Emissionen aus Kraftwerken, Verkehr, Heizungen und Industrieöfen machten 2025 83,9 % aller deutschen Treibhausgase aus, dazu kommt Prozess-CO₂ aus Zement, Kalk und Stahl.
  • Methan: Fast 76 % stammen aus der Landwirtschaft (Verdauung von Rindern, Gülle), der Rest vor allem aus Deponien und der Gaswirtschaft.
  • Lachgas: 76 % entstehen in der Landwirtschaft bei der Umsetzung von Stickstoffdünger im Boden, kleinere Mengen in Chemieanlagen und bei Verbrennung.
  • F-Gase: Größte Quelle sind Kälte- und Klimaanlagen, danach SF₆ aus alten Schallschutzscheiben (seit 2019 sinkend), Schaumstoffe, Produktion und elektrische Betriebsmittel.

Energiewirtschaft, Verkehr und Industrie verursachten 2025 zusammen rund drei Viertel der deutschen Emissionen. Die Werte jedes Sektors stehen auf der Seite zu den Emissionen der Sektoren in Deutschland und der EU.

Was ist Lachgas und warum ist es ein starkes Treibhausgas?

Lachgas (Distickstoffmonoxid, N₂O) ist ein farbloses Gas, das je Tonne über 100 Jahre 273-mal so stark erwärmt wie CO₂ und rund 109 Jahre in der Atmosphäre bleibt (IPCC AR6). In der Stratosphäre baut es zusätzlich die Ozonschicht ab.

In Deutschland entstanden 2025 rund 85.000 t Lachgas, 1990 waren es 197.000 t. Drei Viertel stammen heute aus der Landwirtschaft, wo Bodenbakterien Stickstoff aus Mineraldünger und Gülle umsetzen; die Zusammenhänge erklärt die Seite zu den Emissionen der Landwirtschaft durch Düngung und Tierhaltung. In der Industrie entsteht Lachgas bei der Herstellung von Adipinsäure (für Nylon) und Salpetersäure (für Dünger). Die Adipinsäure verursachte bis 1997 knapp ein Drittel des deutschen Lachgases, 2017 nur noch wenige Prozent; von 1990 bis 2024 sanken die Lachgasemissionen der Industrie um 98,4 %. Diese Anlagen fallen unter den EU-Emissionshandel; wie die Branche insgesamt mindert, beschreibt die Seite zur Dekarbonisierung der Chemieindustrie.

Fallbeispiel

LANXESS: Lachgas-Zersetzung in Krefeld-Uerdingen und Antwerpen (2009 und 2021)

  • März 2009: zweite Lachgas-Reduktionsanlage in Krefeld-Uerdingen, rund 5.000 t N₂O pro Jahr, laut Unternehmen ungefähr 1,5 Mio. t CO₂-Äq.; die deutschen Standorte sanken von rund 1,9 Mio. t CO₂-Äq. (2007) auf unter 0,3 Mio. t (2009) (chemie.de, 12.03.2010)
  • 10.02.2021: Anlage im Caprolactam-Komplex Antwerpen für rund 10 Mio. €, zersetzt rund 500 t N₂O pro Jahr bei rund 1.000 °C, laut Unternehmen rund 150.000 t CO₂-Äq.; zweite Stufe mit weiteren 300.000 t für 2023 angekündigt (LANXESS)
  • LANXESS rechnet Lachgas mit dem AR4-Wert 298; Scope 1 und 2 sollen bis 2030 gegenüber 2021 (2.202 kt) um 42 % sinken, 2023 waren es 1.722 kt (Grundlagenpapier Klima, Dezember 2024)
Einordnung

Was der Fall zeigt

Eine einzige Anlage in Krefeld zersetzt 5.000 t Lachgas pro Jahr, rund 6 % des gesamten deutschen Lachgasausstoßes von 2025. Die Anlage in Antwerpen kostete rund 10 Mio. € für 150.000 t pro Jahr, auf zehn Jahre ohne Betriebskosten rund 7 € je t CO₂-Äq. und damit ein Bruchteil des EU-ETS-Preises von 82,40 € (5. Oktober 2026); mit dem AR6-Wert 273 statt 298 fallen die gemeldeten Minderungen rund 8 % kleiner aus. Punktquellen von Lachgas lassen sich mit einer Anlage fast vollständig schließen; die verbleibenden drei Viertel des deutschen Lachgases entstehen auf Feldern, wo es keinen Schornstein gibt. Der Fall zeigt nicht die laufenden Betriebskosten und nicht, ob die zweite Stufe in Antwerpen die angekündigte Menge erreicht hat.

Was sind F-Gase und wofür wird SF₆ eingesetzt?

F-Gase sind fluorierte Treibhausgase, die fast nur der Mensch herstellt: HFKW als Kältemittel, FKW aus Aluminium- und Halbleiterherstellung, SF₆ als Isoliergas und NF₃ in der Elektronikfertigung. In Deutschland verursachten sie 2025 8,8 Mio. t CO₂-Äq., 1,4 % der Emissionen.

Je Kilogramm sind F-Gase die stärksten Treibhausgase, und weil SF₆, NF₃ und FKW Jahrhunderte bis Jahrtausende in der Atmosphäre bleiben, wirkt jede entwichene Menge praktisch dauerhaft. Welche Regeln für Kältemittel in Wärmepumpen und Kälteanlagen gelten, steht auf der Seite zu F-Gasen und der EU-F-Gas-Verordnung; was das Kältemittel für die Klimabilanz einer Heizung bedeutet, auf der Seite zu den CO₂-Emissionen von Heizungen.

SF₆ isoliert Schaltanlagen der Mittel- und Hochspannung. Die Emissionen aus deutschen Schaltanlagen sanken laut Umweltbundesamt von rund 50 t SF₆ im Jahr 1998 auf rund 10 t im Jahr 2021, mit dem AR6-Wert rund 243.000 t CO₂-Äq. (eigene Rechnung). Seit 1. Januar 2026 dürfen neue Mittelspannungsanlagen bis 24 kV keine F-Gase mehr enthalten, für über 24 bis 52 kV gilt das ab 1. Januar 2030; für höhere Spannungen sind ab 2028 bzw. 2032 nur noch Isoliergase mit einem Treibhauspotenzial unter 1 zulässig. Ab 1. Januar 2035 darf für die Wartung nur noch aufbereitetes oder recyceltes SF₆ verwendet werden.

Fallbeispiel

Amprion, TenneT und E.ON: SF₆ im deutschen Stromnetz (Stand 2025/2026)

  • Amprion 2025: Scope 1 8.533 t CO₂-Äq., davon 5.355 t aus SF₆-Verlusten (2024: 5.675 von 8.962 t); Scope 2 standortbasiert 812.928 t, davon 770.557 t Netzverluste; Werte 2025 teils geschätzt (Amprion)
  • TenneT Germany nahm im Umspannwerk Oberhaid bei Bamberg den nach Herstellerangabe weltweit ersten SF₆-freien 420-kV-Freiluft-Leistungsschalter in Betrieb (Hitachi Energy, 19.02.2026)
  • E.ON schloss nach einem Pilot bei Westnetz einen langfristigen Rahmenvertrag über SF₆-freie Mittelspannungsanlagen (Schneider Electric, 04.08.2025)
Einordnung

Was der Fall zeigt

SF₆ ist bei Amprion der größte Scope-1-Posten: 63 % der direkten Emissionen 2025, mehr als Diesel, Benzin und Erdgas zusammen (3.166 t). Rechnerisch stecken dahinter nur rund 220 kg entwichenes Gas (5.355 t ÷ 24.300), die so stark wirken wie rund 2 Mio. Liter verbrannter Diesel. Wer Scope 1 nur über Brennstoffe erfasst, übersieht bei einem Netzbetreiber fast zwei Drittel der direkten Emissionen. Zugleich zeigt der Fall die Größenordnung: Scope 1 macht bei Amprion rund 1 % von Scope 1 und 2 aus, der weit größere Posten sind die Netzverluste, deren Emissionen mit dem Strommix sinken. Nicht zeigt der Fall, wie viel SF₆ insgesamt in den Anlagen steckt; diese installierte Menge wächst laut Umweltbundesamt weiter und bleibt bis zum Rückbau ein Risiko.

Wie lassen sich die einzelnen Treibhausgase mindern?

Jedes Gas hat eigene Hebel: CO₂ sinkt durch erneuerbare Energien und Elektrifizierung, Methan durch dichte Gasinfrastruktur und Deponiegaserfassung, Lachgas durch Zersetzungsanlagen und präzise Düngung, F-Gase durch natürliche Kältemittel und SF₆-freie Schaltanlagen.

Minderungshebel je Treibhausgas
GasWichtigste HebelRechtsrahmen bzw. Stand (Oktober 2026)
CO₂Wind- und Solarstrom, Wärmepumpen, E-Mobilität, Effizienz, CO₂-Abscheidung bei ZementEU-Emissionshandel, BEHG mit 55–65 € je t im Jahr 2026, ab 2028 ETS 2
MethanLecksuche und Reparatur, kein Ablassen von Gas, Deponiegas erfassen, Gülle vergären, FütterungEU-Methanverordnung (EU) 2024/1787, Global Methane Pledge (−30 % bis 2030)
LachgasZersetzung in Chemieanlagen, bedarfsgerechte Düngung, weniger StickstoffüberschussEU-Emissionshandel für Säureherstellung, Düngeverordnung
F-GasePropan und CO₂ als Kältemittel, Dichtheitsprüfung, Rückgewinnung, SF₆-freie SchaltanlagenF-Gas-Verordnung (EU) 2024/573, HFKW-Ausstieg bis 2050

CO₂ verlangt den Umbau des Energiesystems, bei den übrigen Gasen helfen oft gezielte Eingriffe an wenigen Quellen. Quellen: UBA (2026), EUR-Lex, Global Methane Pledge.

Das Bundes-Klimaschutzgesetz verlangt über alle Gase −65 % bis 2030, −88 % bis 2040 und Netto-Treibhausgasneutralität bis 2045 (Klimaschutzgesetz und seine Ziele). Methan und Lachgas aus der Landwirtschaft gelten als schwer vollständig vermeidbar; warum solche Restemissionen durch Entnahmen ausgeglichen werden müssen, erklärt die Seite zur Klimaneutralität und Netto-Null.

Was bedeuten Treibhausgase für Unternehmen?

Für Unternehmen bedeutet der Begriff, dass eine Klimabilanz alle sieben Kyoto-Gase erfassen muss, nicht nur CO₂: Das GHG Protocol verlangt CO₂, Methan, Lachgas, HFKW, FKW, SF₆ und NF₃, umgerechnet in CO₂-Äquivalente und aufgeteilt in Scope 1, 2 und 3.

  • Scope 1 jenseits der Brennstoffe: Kältemittelverluste (Nachfüllmengen aus den Wartungsprotokollen), SF₆ aus eigenen Mittelspannungsanlagen, Prozess-CO₂, Methan aus eigenen Biogas- oder Kläranlagen und Lachgas aus Düngung. Die Abgrenzung erklärt die Seite zu Scope 1, 2 und 3 nach GHG Protocol.
  • Kosten: CO₂ aus Heizöl, Erdgas, Benzin und Diesel kostet 2026 über den nationalen Emissionshandel 55 bis 65 € je t, im EU-Emissionshandel zuletzt 82,40 € je t (5. Oktober 2026). Kältemittelverluste haben keinen CO₂-Preis, die sinkenden HFKW-Mengen verteuern aber klimaschädliche Kältemittel. Details zeigt die Seite zum CO₂-Preis für Verbraucher und Unternehmen.
  • Berichten: Nach ESRS E1 und im freiwilligen Standard VS (Nachfolger des VSME) stehen Treibhausgase in t CO₂-Äquivalenten je Scope; GWP-Satz, Quelle der Emissionsfaktoren und Basisjahr gehören dazu.
  • Einstieg: Wie eine erste Bilanz entsteht, beschreibt der Ratgeber zur CO₂-Bilanz für Unternehmen.

Den eigenen Fußabdruck aus Heizung, Strom, Mobilität und Ernährung schätzt der goClimate-CO₂-Rechner.

Häufige Fragen zu Treibhausgasen

Welche Treibhausgase gibt es?

Die Klimaberichterstattung erfasst sieben Treibhausgase bzw. Gasgruppen: Kohlendioxid (CO₂), Methan (CH₄), Lachgas (N₂O), teilfluorierte und perfluorierte Kohlenwasserstoffe (HFKW, FKW), Schwefelhexafluorid (SF₆) und Stickstofftrifluorid (NF₃). Dazu kommen Wasserdampf und Ozon, die in keinem Emissionsinventar stehen.

Welches Treibhausgas ist am schädlichsten?

Je Kilogramm ist SF₆ das stärkste Treibhausgas: Es wirkt über 100 Jahre 24.300-mal so stark wie CO₂ (IPCC AR6). In der Summe richtet CO₂ den größten Schaden an, weil davon mit Abstand am meisten ausgestoßen wird; in Deutschland waren es 2025 88,4 % der Treibhausgase.

Was ist ein CO₂-Äquivalent?

Ein CO₂-Äquivalent ist eine Rechengröße, die andere Treibhausgase in die Menge CO₂ umrechnet, die dieselbe Erwärmung verursacht: Masse mal Treibhauspotenzial. 1 t fossiles Methan entspricht über 100 Jahre 29,8 t CO₂-Äquivalent, 1 t Lachgas 273 t (IPCC AR6).

Wie viel Prozent der Treibhausgase sind CO₂?

In Deutschland waren 2025 88,4 % der Treibhausgasemissionen CO₂, 6,8 % Methan, 3,5 % Lachgas und 1,4 % F-Gase (UBA, vorläufig). Weltweit lag der Anteil von fossilem CO₂ 2025 bei 73,8 %, weil Methan aus Landwirtschaft und Energieförderung dort mehr Gewicht hat.

Was sind F-Gase?

F-Gase sind fluorierte Treibhausgase wie Kältemittel (HFKW), FKW, SF₆ und NF₃, die fast nur der Mensch herstellt. Sie wirken je Kilogramm hunderte bis zehntausende Male stärker als CO₂ und verursachten 2025 in Deutschland 8,8 Mio. t CO₂-Äquivalente.

Wie lange bleiben Treibhausgase in der Atmosphäre?

Sehr unterschiedlich: Methan wird in rund 12 Jahren weitgehend abgebaut, Lachgas bleibt rund 109 Jahre, SF₆ und FKW bleiben Jahrhunderte bis Jahrtausende. CO₂ hat keine einzelne Lebensdauer; ein Teil wird in Jahrzehnten aufgenommen, ein Teil bleibt Jahrtausende in der Luft.