Glossar

Produktion von Biomasse: Wo und wie entsteht sie?

Wo und wie Biomasse in Deutschland entsteht: 2,27 Mio. ha Anbau, Holz, Gülle und Reststoffe, Energieertrag je Hektar im Vergleich, Importe 2026.

Von Johanna Jung · aktualisiert am · 12 Min. Lesezeit

Kurz erklärt

Die Produktion von Biomasse ist die Erzeugung organischer Rohstoffe für Energie und Material: durch Anbau von Energiepflanzen auf dem Acker, durch Holzernte im Wald und durch Sammeln von Rest- und Abfallstoffen wie Gülle, Stroh, Sägespänen und Bioabfall.

Anbaufläche nachwachsende Rohstoffe 2025
2,27 Mio. haknapp 14 % der landwirtschaftlichen Fläche, FNR
davon Energiepflanzen für Biogas
1,19 Mio. ha55 % Silomais, FNR
Holzpellets aus deutscher Produktion 2025
rund 4 Mio. tNettoexport rund 17.000 t, DEPV

Wo wird Biomasse produziert?

Biomasse wird in Deutschland an drei Orten produziert: auf dem Acker (2025 rund 2,27 Mio. ha nachwachsende Rohstoffe), im Wald und in der Holzindustrie sowie überall dort, wo Rest- und Abfallstoffe anfallen, vor allem in der Tierhaltung, in Haushalten und in der Lebensmittelindustrie.

Wo Biomasse in Deutschland entsteht (Stand 2025)
Produktionsortwichtigste BiomassenKennzahl
AckerSilomais, Getreide, Raps, Zuckerrüben, Gräser, Miscanthus, Kurzumtriebsholz2,27 Mio. ha nachwachsende Rohstoffe, davon 1,19 Mio. ha für Biogas und 686.000 ha Raps (FNR)
Wald und HolzindustrieScheitholz, Waldrestholz, Sägespäne, Hackschnitzel, Pellets, Altholzrund 4 Mio. t Pellets 2025 (DEPV); feste Biomasse lieferte 136 TWh Wärme (UBA)
TierhaltungGülle, Misttechnisch mobilisierbar rund 165 PJ (FNR/DBFZ-Ressourcendatenbank)
Haushalte, Kommunen, IndustrieBioabfall, Grünschnitt, Speisereste, Altspeiseöl, Klärschlamm, Reststoffe der Lebensmittelindustriebiogener Abfall lieferte 2025 5,4 TWh Strom und 14 TWh Wärme (UBA)
AuslandRapsöl, Altspeiseöl, Rohstoffe für HVO und Biodiesel, Pellets aus NachbarländernBiokraftstoffe 2025: 37,4 TWh, Rohstoffherkunft nur über Zertifikate nachvollziehbar

Der Acker liefert die Biomasse mit dem größten Flächenbedarf, Reststoffe die ohne zusätzliche Fläche. Quellen: FNR (Anbau 2025), DEPV (Pellets 2025), UBA/AGEE-Stat (2026), FNR/DBFZ nach Wissenschaftlichen Diensten des Bundestags (2026).

Holz für Energie stammt überwiegend aus Nebenprodukten der Sägeindustrie und aus Waldrestholz; wie es um den Wald selbst steht, zeigen die Wald-Statistiken für Deutschland und der Artikel zur nachhaltigen Forstwirtschaft. Wie stark andere Länder auf Biomasse setzen, beschreibt die Seite Biomasse weltweit.

Was gehört alles zu Biomasse?

Zur Biomasse gehören alle Stoffe, die aus Pflanzen und Tieren stammen und nicht fossil sind: Holz und Holzreste, Energiepflanzen, Stroh und Gras, Gülle und Mist, Bioabfall, Speisereste, Altspeiseöl, Klärschlamm und der biogene Anteil im Restmüll. Kohle, Erdöl, Erdgas und Torf gehören nicht dazu.

  • Holzartige Biomasse: Stammholz, Waldrestholz (Äste, Kronen), Landschaftspflegeholz, Sägespäne und Hobelspäne, Altholz, Kurzumtriebsholz aus Pappeln und Weiden.
  • Halmgutartige und krautige Biomasse: Getreide, Mais, Gräser, Stroh, Miscanthus.
  • Öl-, zucker- und stärkehaltige Pflanzen: Raps, Sonnenblumen, Zuckerrüben, Weizen, Körnermais.
  • Tierische Biomasse und Exkremente: Gülle, Mist, Schlachtabfälle, tierische Fette.
  • Organische Abfälle: Inhalt der Biotonne, Grünschnitt, Speisereste, Altspeiseöl, Rückstände aus Molkereien, Brauereien und Zuckerfabriken, Klärschlamm.

Welche dieser Stoffe nach dem EEG als förderfähige Biomasse gelten, regelt die Biomasseverordnung. Ihre Einteilung nach Herkunft und Zustand erklärt der Hauptartikel zur Einteilung der Biomasse.

Wie wird Biomasse produziert?

Biomasse wird produziert, indem Pflanzen auf Acker und Wald wachsen, geerntet und für die Nutzung haltbar gemacht werden, und indem Rest- und Abfallstoffe gesammelt und aufbereitet werden. Für Energiepflanzen sind die Schritte Anbau, Ernte, Konservierung und Transport.

  1. Anbau

    Silomais wird im Frühjahr gesät und im Herbst als ganze Pflanze gehäckselt. Raps wird im Spätsommer gesät und im folgenden Sommer gedroschen. Mehrjährige Kulturen wie Miscanthus und Kurzumtriebsplantagen werden einmal gepflanzt und über viele Jahre beerntet, Pappeln und Weiden alle zwei bis fünf Jahre.

  2. Ernte und Konservierung

    Mais und Gras werden siliert, also luftdicht vergoren, damit sie bis zur nächsten Ernte lagerfähig bleiben. Holz wird gehackt und getrocknet, Sägespäne werden zu Pellets mit rund 10 % Wassergehalt gepresst. Raps und Getreide werden als Korn gelagert.

  3. Sammeln von Reststoffen

    Gülle fällt täglich im Stall an und wird gepumpt, Bioabfall von Kommunen gesammelt, Altspeiseöl von Gastronomie und Industrie. Stroh bleibt zum Teil auf dem Feld, damit der Boden Humus behält.

  4. Aufbereitung zum Energieträger

    Aus der Rohbiomasse entstehen Hackschnitzel, Pellets, Biogas, Biomethan, Pflanzenöl, Biodiesel oder Bioethanol. Gärreste und Futtermittel aus der Ethanolherstellung gehen zurück in die Landwirtschaft.

Jeder Schritt verbraucht Energie und verursacht Emissionen, vor allem Dünger beim Anbau. Lachgas aus Stickstoffdünger und Methan aus Gülle zählen im Treibhausgasinventar zur Landwirtschaft; ihre Größenordnung beschreibt die Seite zu den Emissionen der Landwirtschaft.

Wie viel Energie liefert ein Hektar Biomasse?

Ein Hektar Energiepflanzen liefert je nach Kultur rund 16.000 bis 61.000 kWh Energie im Jahr; ein Hektar Solarpark erzeugt rund 1 Mio. kWh Strom. Unter den Biomassen liefern Miscanthus, Kurzumtriebsholz und Mais für Biomethan am meisten, Raps für Biodiesel am wenigsten.

goClimate-Rechnung
goClimate-Rechnung: Energieertrag je Hektar und Jahr nach Nutzungspfad
Kultur und PfadErtrag je ha (Primärwert)Energie je ha und JahrEnergieform
Raps → Biodiesel1.775 lrund 16.000 kWh Kraftstoff
Weizen → Bioethanol2.926 lrund 17.000 kWh Kraftstoff
Silomais → Biogas → Strom im BHKW50 t Frischmasserund 18.700 kWh Strom (plus Abwärme)
Silomais → Biomethan4.945 Nm³ Methanrund 54.700 kWh (Brennwert) Gas
Kurzumtriebsplantage (Pappel, Weide)12 trund 51.400 kWh Festbrennstoff
Miscanthus15 trund 60.800 kWh Festbrennstoff
Vergleich: Solarpark (Freifläche)1 MWprund 1.000.000 kWh (Balken nicht maßstäblich, 16-fach über Miscanthus)Strom

So haben wir gerechnet: Erträge je Hektar aus FNR Basisdaten Bioenergie (Biodiesel und Bioethanol in Litern; Silomais 50 t Frischmasse mit 4.945 Nm³ Methan und 18.731 kWh Strom; KUP 185 GJ, Miscanthus 219 GJ bei 15 % Wassergehalt), umgerechnet mit 1 GJ = 277,8 kWh. Heizwerte als Annahme: Biodiesel 9,1 kWh je l, Bioethanol 5,9 kWh je l; Methan 11,06 kWh je Nm³ (Brennwert). Solarpark: 1 MWp je ha und 1.000 kWh je kWp (C.A.R.M.E.N. nennt 850 bis 1.100 kWh je kWp). Vergleichbar sind nur Zeilen mit gleicher Energieform; Strom ist wertvoller als Brennstoff. Brutto-Erträge ohne Energie für Anbau und Verarbeitung.

Unsere These: Wer Biomasse produziert, entscheidet mit der Kultur über den Faktor fünfzig. Ein Hektar Mais erzeugt über Biogas rund 18.700 kWh Strom, ein Hektar Photovoltaik rund das 53-Fache. Ein Hektar Kurzumtriebsplantage liefert rund 51.000 kWh Brennstoff, dieselbe Fläche mit Photovoltaik und einer Wärmepumpe mit Jahresarbeitszahl 3 rechnerisch rund 3 Mio. kWh Wärme. Biomasse vom Acker lohnt sich deshalb vor allem dort, wo sie etwas leistet, das Solarstrom nicht kann: lagern, hohe Temperaturen liefern, Kohlenstoff für die Chemie bereitstellen. Was das für den Ersatz von Erdgas bedeutet, rechnet die Seite zu den Vor- und Nachteilen von Biomasse und ihrem Flächenbedarf vor; den Solarpark als Alternative beschreibt die Seite zum Solarkraftwerk.

Wie viel Fläche nutzen Energiepflanzen in Deutschland?

Nachwachsende Rohstoffe wuchsen 2025 auf rund 2,27 Mio. ha, knapp 14 % der landwirtschaftlichen Fläche; 1,19 Mio. ha davon dienten der Biogaserzeugung. Die Fläche sinkt leicht: gegenüber 2024 um rund 2 %, für Biogas um 80.000 ha (FNR).

Steckbrief Anbau nachwachsender Rohstoffe in Deutschland 2025
Nachwachsende Rohstoffe gesamt2,27 Mio. ha (rund −2 % ggü. 2024), knapp 14 % der landwirtschaftlichen Fläche
Energiepflanzen für Biogas1,19 Mio. ha (−80.000 ha)
davon Silomais55 %, rund 0,65 Mio. ha (eigene Rechnung)
Raps für Pflanzenöl (energetisch und stofflich)686.000 ha
Silomais insgesamt (auch Futter)1,94 Mio. ha (Destatis, Schätzung April 2025)
Anteil Biogas-Mais am gesamten Silomaisrund ein Drittel (eigene Rechnung: 0,65 ÷ 1,94 Mio. ha)

Rund ein Drittel des Silomaises in Deutschland wächst für Biogasanlagen, zwei Drittel für Rinderfutter. Quellen: FNR (Anbau nachwachsender Rohstoffe 2025), Destatis (Anbauflächen 2025), eigene Rechnung.

Biogas-Energiepflanzen belegen damit rechnerisch rund 7 % der landwirtschaftlichen Fläche (1,19 von 2,27 Mio. ha, die knapp 14 % ausmachen). Die Fläche für Kurzumtriebsplantagen und Miscanthus bleibt trotz höherer Energieerträge klein, weil die Kulturen Fläche für viele Jahre binden und Absatzwege fehlen. Was der Anbau für Strom und Wärme heute leistet, steht auf der Seite Biomasse in Deutschland in Zahlen.

Fallbeispiel

CropEnergies in Zeitz (Sachsen-Anhalt): Bioethanol aus Getreide seit 2005

  • Die Anlage der Südzucker-Tochter CropEnergies in Zeitz hat eine Kapazität von rund 400.000 m³ Ethanol pro Jahr, davon 60.000 m³ hochreiner Neutralalkohol; Betrieb seit 2005 (CropEnergies, Standortseite)
  • Rohstoffe sind Weizen, Mais, Gerste und Triticale sowie Zwischenprodukte der Zucker- und Stärkeherstellung, nach Unternehmensangabe nur europäischer Herkunft
  • Als Koppelprodukte entstehen mehr als 300.000 t Eiweißfuttermittel (ProtiGrain) und 100.000 t lebensmitteltaugliches flüssiges CO₂ pro Jahr
Einordnung

Was der Fall zeigt

Würde Zeitz seine Kapazität allein aus Weizen decken, entspräche das rund 137.000 ha Anbaufläche (400.000 m³ ÷ 2.926 l je ha), rund 2,3 % der deutschen Getreidefläche von 5,86 Mio. ha. Der Fall zeigt, dass „Tank oder Teller“ zu einfach ist: Aus demselben Korn entstehen Kraftstoff und über 300.000 t Futtereiweiß, das sonst teils als Sojaschrot importiert würde. Er zeigt nicht, wie die Klimabilanz je Liter ausfällt; diese hängt von Dünger, Energieversorgung der Anlage und Nutzung des CO₂ ab. Rechnerisch entspricht die Kapazität rund 2,4 TWh, knapp einem Viertel der 9,5 TWh Bioethanol, die 2025 in Deutschland eingesetzt wurden; ein Teil der Produktion wird jedoch exportiert.

Welche Biomasse stammt aus Abfall- und Reststoffen?

Aus Abfall- und Reststoffen stammt Biomasse, die ohnehin anfällt: Gülle und Mist, Stroh, Waldrestholz, Sägenebenprodukte, Bioabfall, Grünschnitt, Altspeiseöl, Klärschlamm und Reste der Lebensmittelindustrie. Sie braucht keine zusätzliche Fläche und hat deshalb die beste Klimabilanz.

Laut der Ressourcendatenbank von FNR und Deutschem Biomasseforschungszentrum (DBFZ) beträgt das technische Potenzial biogener Rest- und Abfallstoffe in Deutschland rund 1.005 PJ im Jahr; rund 524 PJ werden bereits genutzt, rund 481 PJ gelten als mobilisierbar. Die größten ungenutzten Mengen sind Gülle (165 PJ), Stroh (112 PJ), Siedlungsabfälle (112 PJ) und Waldrestholz (84 PJ). Zum Vergleich: 481 PJ sind rund 134 TWh, etwa die Hälfte der gesamten Bioenergie 2025.

Mobilisierbare, bisher ungenutzte Rest- und Abfallstoffe in Deutschland
Reststoffmobilisierbares PotenzialHürde
Gülle und Mist165 PJ (rund 46 TWh) viele kleine Ställe, Transport lohnt nur über kurze Strecken
Stroh112 PJ (rund 31 TWh) Humuserhalt im Boden, aufwendige Vergärung
Siedlungsabfälle (Biotonne, Grünschnitt)112 PJ (rund 31 TWh) Sammelquote, Fehlwürfe
Waldrestholz84 PJ (rund 23 TWh) Nährstoffentzug im Wald, Naturschutz

Gülle ist der größte ungenutzte Reststoff für Biogas; ihre Vergärung vermeidet zusätzlich Methan aus der offenen Lagerung. Quelle: FNR/DBFZ-Ressourcendatenbank (Stand 2023) nach Wissenschaftlichen Diensten des Bundestags, WD 8 - 3000 - 055/26 (Juli 2026); Umrechnung 1 PJ = 0,2778 TWh.

Aus Reststoffen entsteht auch Biomethan. Die dena beziffert das heimische Potenzial aus Abfall- und Reststoffen für Biomethan auf über 50 TWh. Wie Biogasanlagen Gülle und Bioabfall verarbeiten, beschreibt die Seite zu Biogas und seinen Substraten; ein Beispiel für die Biotonne als Energiequelle zeigt der Hauptartikel Biomasse mit der Berliner Stadtreinigung.

Wie viel Biomasse importiert Deutschland?

Bei Holzpellets ist Deutschland Selbstversorger und knapper Nettoexporteur, bei Biokraftstoffen hängt es stark von importierten Rohstoffen ab. Gerade importierte Abfallrohstoffe wie Altspeiseöl haben 2023 bis 2025 Betrugsfälle ausgelöst.

Deutschland produzierte 2025 rund 4 Mio. t Pellets und exportierte rund 17.000 t mehr, als es einführte; Importe kommen fast nur aus Nachbarländern (DEPV). Bei Biokraftstoffen ist die Lage anders: Für Biodiesel, HVO und Bioethanol kommen Raps, Altspeiseöl, tierische Fette und Getreide auch aus dem Ausland. Ihre Herkunft ist nur über Nachhaltigkeitszertifikate nachvollziehbar, die private Zertifizierungssysteme ausstellen und die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) erfasst.

Fallbeispiel

Biokraftstoff-Importe aus China: Betrugsverdacht und Folgen (2023–2026)

  • Ab 2023 kamen große Mengen Biodiesel aus China nach Deutschland, deklariert als fortschrittlicher Kraftstoff aus Abfällen; Branchenverbände sprachen von mutmaßlich falsch deklarierter Ware, dazu kamen gefälschte Zertifikate für Emissionsminderungen in der Ölförderung (UER) (top agrar, 14.01.2025)
  • Der Preis für Treibhausgasquoten fiel binnen zwei Jahren von rund 400 € auf 60 bis 85 € je t CO₂; Händler gingen insolvent (top agrar, 14.01.2025 und 04.06.2025)
  • Die gesetzliche Treibhausgasquote stieg 2024 von 8,0 auf 9,36 %, die physische Beimischung von Biodiesel zu fossilem Diesel sank im selben Zeitraum von 2,621 auf 2,065 Mio. t (UFOP nach top agrar, 04.06.2025)
  • Eine Novelle der Biokraftstoff-Nachhaltigkeitsverordnung mit strengeren Kontrollen ausländischer Zertifizierer soll das Kabinett laut Planung am 21. Oktober 2026 beschließen, volle Wirkung ab 2027 (Stand Oktober 2026: Entwurf)
Einordnung

Was der Fall zeigt

Die Quote stieg, die physisch beigemischte Biodieselmenge sank um rund 21 %. Möglich war das, weil fortschrittliche Kraftstoffe aus Abfällen doppelt auf die Quote angerechnet werden: Auf dem Papier wurde mehr Klimaschutz erfüllt, im Tank landete weniger Biokraftstoff. Der Fall zeigt, dass Biomasse aus Reststoffen nur so gut ist wie die Kontrolle ihrer Herkunft; bei Altspeiseöl aus Übersee kann kein Käufer selbst prüfen, ob es wirklich gebraucht war. Für Unternehmen, die HVO oder Biodiesel für ihre Flotte einkaufen, heißt das: Rohstoff, Herkunftsland und Zertifizierungssystem schriftlich verlangen, statt nur auf das Etikett „aus Abfall“ zu vertrauen.

Was bedeutet die Produktion von Biomasse für Unternehmen?

Für Unternehmen bedeutet die Produktion von Biomasse zweierlei: Wer Biomasse einkauft, trägt ihre Anbau- und Herkunftsrisiken in Scope 3; wer Reststoffe erzeugt, hat einen Rohstoff, der Geld und Emissionen sparen kann.

  • Einkauf von Brennstoffen: Für Hackschnitzel und Pellets Sortiment (Waldrestholz, Sägenebenprodukte, Stammholz) und Herkunftsregion im Liefervertrag festhalten; ab Inkrafttreten der geänderten Biomasseverordnung brauchen EEG-Anlagen diesen Nachweis ohnehin.
  • Biokraftstoffe in der Flotte: Bei HVO und Biodiesel Rohstoff, Herkunftsland und Nachhaltigkeitszertifikat verlangen. Die Emissionen der eigenen Fahrzeuge lassen sich mit dem CO₂-Rechner für das Auto überschlagen.
  • Eigene Reststoffe: Lebensmittel-, Holz- oder Papierbetriebe sollten prüfen, ob Reste an eine Biogasanlage, ein Heizwerk oder einen Pelletierer gehen können. Ein Energieaudit zeigt, ob eine eigene Verwertung für Prozesswärme lohnt.
  • Agrarrohstoffe in der Lieferkette: Wer Mais, Raps oder Getreide verarbeitet, sollte Flächen- und Düngeremissionen der Lieferanten erfragen; wie das in Scope 3 gelingt, beschreibt die Seite zur Dekarbonisierung der Lieferkette.

Welche Nachhaltigkeitsregeln gelten 2026 für die Produktion von Biomasse?

Für die Produktion von Biomasse gelten 2026 die Nachhaltigkeitskriterien der EU-Richtlinie RED III und in Deutschland die Biomassestrom- und die Biokraftstoff-Nachhaltigkeitsverordnung von 2021. Neue Regeln zur Kaskade und zu Kontrollen sind beschlossen oder im Entwurf, aber noch nicht in Kraft.

  • RED III (Richtlinie (EU) 2023/2413): keine Biomasse aus Primärwäldern, alten Wäldern, Mooren und Torfgebieten; Kaskadenprinzip mit Förderverbot für Sägerundholz, Furnierholz, Industrierundholz, Stümpfe und Wurzeln; Nachhaltigkeits- und Treibhausgaskriterien schon für Anlagen fester Biomasse ab 7,5 MW Feuerungswärmeleistung. Die Umsetzungsfrist endete am 21. Mai 2025.
  • Biomasseverordnung: Die Änderung vom 1. Juli 2026 (Kabinett) überträgt die Kaskade ins EEG, gilt für Neuanlagen und beim Wechsel in die Anschlussförderung und braucht noch die Zustimmung des Bundestags.
  • Nachhaltigkeitsverordnungen: Geltend sind die Biomassestrom- und die Biokraftstoff-Nachhaltigkeitsverordnung von 2021. Die Novellen zur Umsetzung von RED III liegen als Entwürfe vor; die Biokraftstoff-Verordnung soll strengere Aberkennung und Kontrollen ausländischer Zertifizierer bringen.
  • Strategie: Eine Nationale Biomassestrategie hat die Bundesregierung bis Oktober 2026 nicht beschlossen; Grundsätze zu Kaskade und Kreislauf stehen im Klimaschutzprogramm 2026.

Unsere zweite These: Die nächste Grenze der Biomasseproduktion ist nicht die Fläche, sondern die Nachweisführung. Die Anbaufläche sinkt seit Jahren leicht, die Reststoffpotenziale sind bekannt, aber ob Holz Rest oder Stamm und Öl Abfall oder Frischware war, entscheidet künftig über Förderung und Quote. Den rechtlichen Gesamtstand für Strom und Wärme fasst der Hauptartikel Biomasse zusammen.

Häufige Fragen zur Produktion von Biomasse

Wo wird Biomasse produziert?

In Deutschland auf dem Acker (2025 rund 2,27 Mio. ha nachwachsende Rohstoffe), im Wald und in der Holzindustrie sowie überall dort, wo Reststoffe wie Gülle, Bioabfall, Stroh oder Altspeiseöl anfallen. Ein Teil der Rohstoffe für Biokraftstoffe wird importiert.

Wie wird Biomasse hergestellt?

Energiepflanzen werden angebaut, geerntet und konserviert, etwa Mais als Silage oder Holz als getrocknete Hackschnitzel und Pellets. Reststoffe wie Gülle und Bioabfall werden gesammelt. Anschließend wird die Biomasse zu Biogas, Biodiesel, Bioethanol oder Festbrennstoff aufbereitet.

Wie viel Fläche nutzen Energiepflanzen in Deutschland?

Nachwachsende Rohstoffe wuchsen 2025 auf rund 2,27 Mio. ha, knapp 14 % der landwirtschaftlichen Fläche. Davon dienten 1,19 Mio. ha der Biogaserzeugung, zu 55 % mit Silomais (FNR).

Welche Pflanze liefert am meisten Energie pro Hektar?

Unter den Energiepflanzen liefern Miscanthus (rund 61.000 kWh), Mais für Biomethan (rund 55.000 kWh) und Kurzumtriebsholz (rund 51.000 kWh) am meisten Energie je Hektar und Jahr, Raps für Biodiesel mit rund 16.000 kWh am wenigsten. Ein Solarpark erzeugt auf derselben Fläche rund 1 Mio. kWh Strom.

Was sind Beispiele für Biomasse aus Abfällen?

Gülle, Mist, Stroh, Bioabfall aus der Biotonne, Grünschnitt, Speisereste, Altspeiseöl, Sägespäne, Altholz und Klärschlamm. Bisher ungenutzt sind in Deutschland vor allem Gülle, Stroh, Siedlungsabfälle und Waldrestholz.