Glossar

Emissionen nach Sektoren: Deutschland 2025 und weltweit

CO₂-Ausstoß nach Sektoren 2025: Energiewirtschaft, Industrie, Verkehr, Gebäude und Landwirtschaft in Deutschland, der EU und weltweit, mit Ziel 2030.

Von Johanna Jung · aktualisiert am · 12 Min. Lesezeit

Kurz erklärt

Emissionen nach Sektoren sind Treibhausgas-Emissionen, aufgeteilt nach den Wirtschaftsbereichen, in denen sie entstehen: Energiewirtschaft, Industrie, Gebäude, Verkehr, Landwirtschaft sowie Abfall. Die Aufteilung zeigt, wo Klimaschutz ansetzen muss, und ist im Bundes-Klimaschutzgesetz festgelegt.

Größter Sektor in Deutschland 2025
Energiewirtschaft, 189,1 Mio. t CO₂-Äq.29,1 % der Emissionen, UBA
Verkehr 2025 gegenüber Jahresmenge des KSG
+23,3 Mio. t146,3 statt 123 Mio. t CO₂-Äq.
Größter Sektor weltweit
Energieversorgung, rund 34 %der Treibhausgase 2019, IPCC

Welche Sektoren unterscheidet die Emissionsstatistik?

Das Bundes-Klimaschutzgesetz (KSG) teilt die deutschen Treibhausgas-Emissionen in sechs Sektoren: Energiewirtschaft, Industrie, Gebäude, Verkehr, Landwirtschaft sowie Abfallwirtschaft und Sonstiges. Dazu kommt Landnutzung und Forstwirtschaft (LULUCF), die getrennt bilanziert wird und 2025 eine Nettoquelle von 26,9 Mio. t CO₂-Äq. war.

Die Sektoren folgen dem Ort der Entstehung, nicht dem Verbrauch. Ein Kohlekraftwerk zählt zur Energiewirtschaft, auch wenn der Strom in Fabriken, Wohnungen und Elektroautos genutzt wird. Die Heizung im Keller zählt zum Gebäudesektor, die Fernwärme aus dem Heizkraftwerk zur Energiewirtschaft. Deshalb sinken die Emissionen der Industrie nicht, wenn sie Ökostrom kauft, wohl aber, wenn sie Gaskessel durch Wärmepumpen ersetzt. Internationale Statistiken wie der Weltklimarat (IPCC) nutzen ähnliche, aber nicht identische Abgrenzungen. Was Emissionen grundsätzlich sind und welche Gase zählen, erklärt die Seite zu Begriff, Arten und Messung von Emissionen.

Seit der KSG-Novelle 2024 sind die jährlichen Sektormengen nicht mehr einzeln verbindlich. Maßgeblich ist eine sektorübergreifende, mehrjährige Gesamtrechnung. Die Jahresemissionsmengen je Sektor bis 2030 stehen weiter in Anlage 2a KSG und dienen als Maßstab für die Bewertung.

Wie verteilen sich die Emissionen in Deutschland 2025 auf die Sektoren?

Deutschland emittierte 2025 insgesamt 648,9 Mio. t CO₂-Äquivalente. Die Energiewirtschaft verursachte mit 189,1 Mio. t den größten Anteil (29,1 %), gefolgt von Verkehr (146,3 Mio. t, 22,5 %), Industrie (144,1 Mio. t, 22,2 %), Gebäuden (103,4 Mio. t, 15,9 %) und Landwirtschaft (60,8 Mio. t, 9,4 %).

Treibhausgas-Emissionen in Deutschland nach Sektoren 2024 und 2025
Sektor2024 (Mio. t CO₂-Äq.)2025 (Mio. t CO₂-Äq.)VeränderungAnteil 2025
Energiewirtschaft189,7189,1−0,3 %29,1 %
Verkehr144,2146,3+1,5 %22,5 %
Industrie149,8144,1−3,8 %22,2 %
Gebäuderund 100,0103,4+3,4 %15,9 %
Landwirtschaftk. A.60,8k. A.9,4 %
Abfall und Sonstigesk. A.rund 5,1k. A.0,8 %
Gesamtrund 649648,9−0,1 %100 %

Energiewirtschaft, Verkehr und Industrie verursachen zusammen rund drei Viertel der deutschen Treibhausgase. Quelle: Umweltbundesamt, Emissionsdaten 2025 (14.03.2026); Anteile eigene Rechnung.

Die Energiewirtschaft blieb 2025 fast unverändert, nachdem sie 2024 deutlich gesunken war. Die Industrie emittierte 3,8 % weniger, vor allem wegen geringerer Produktion energieintensiver Branchen; die Primärstahlerzeugung ging um rund 10 % zurück. Der Gebäudesektor stieg um 3,4 %, weil der Winter kälter war, obwohl 2025 erstmals mehr Wärmepumpen als Gasheizungen verkauft wurden. Der Verkehr wuchs um 2,1 Mio. t. Wie Heizungen und Gebäudebestand die Zahlen treiben, zeigt die Seite zu den Emissionen im Gebäudesektor, die Entwicklung im Straßen-, Schienen- und Luftverkehr die Seite zu den Emissionen im Verkehr.

Gegenüber 1990, als Deutschland rund 1.253 Mio. t emittierte, liegen die Emissionen 2025 rund 48 % niedriger. Den größten Teil des Rückgangs leisteten die Energiewirtschaft durch weniger Kohlestrom und mehr erneuerbare Energien sowie die Industrie nach dem Strukturbruch der frühen 1990er-Jahre. Der Verkehr liegt dagegen kaum unter seinem Niveau von 1990.

Welche Branchen und Anlagen verursachen in Deutschland am meisten CO₂?

Die größten einzelnen CO₂-Quellen in Deutschland sind Braunkohlekraftwerke, gefolgt von Stahlwerken, Raffinerien und Zementwerken. Die 1.794 Anlagen im EU-Emissionshandel emittierten 2025 zusammen 264,3 Mio. t CO₂, davon 167,1 Mio. t Energieanlagen und 97,2 Mio. t Industrieanlagen.

Emissionen der Anlagen im EU-Emissionshandel nach Branchen, Deutschland
BrancheAnlagen 20252024 (Mio. t CO₂)2025 (Mio. t CO₂)
Energieanlagen (Kraftwerke, Heizkraftwerke)873170,4167,1
Eisen und Stahl11533,130,0
Mineralverarbeitende Industrie (u. a. Zement, Kalk, Glas)31727,226,5
Raffinerien2221,820,8
Chemische Industrie24213,313,3
Papier und Zellstoff1354,03,8
Nichteisenmetalle392,52,4
Gesamt (inkl. sonstige Verbrennungsanlagen)1.794272,9264,3

Unter den Industriebranchen ist Eisen und Stahl der größte Emittent, gefolgt von Zement, Kalk und Glas. Die Werte umfassen nur Anlagen im Emissionshandel, nicht Kleinfeuerungen, Verkehr und Landwirtschaft. Quelle: Umweltbundesamt/DEHSt, Emissionen der Anlagen nach Branchen (Stand 05/2026).

Wie Stahl- und Zementwerke ihre Emissionen senken wollen, beschreiben die Seiten zur Dekarbonisierung der Stahlindustrie und zu klimafreundlichem Zement und Beton. Außerhalb des Emissionshandels sind die größten Verursacher Millionen kleiner Quellen: Pkw und Lkw im Verkehr, Gas- und Ölheizungen in Gebäuden, Rinder und gedüngte Felder in der Landwirtschaft.

Fallbeispiel

Nordrhein-Westfalen: ein Viertel der deutschen Emissionen (Stand September 2026)

  • Treibhausgas-Emissionen NRW 2025: 171,5 Mio. t CO₂-Äq., rund 4 % weniger als 2024 und 53 % weniger als 1990 (Landesregierung NRW nach vorläufigen LANUK-Daten, 14.09.2026)
  • Energiewirtschaft als größter Sektor: −6 % (2024: −10 %), weil weniger Strom und Wärme aus Braunkohle und Mineralöl erzeugt und mehr Photovoltaik zugebaut wurde
  • Industrie −7 %, Verkehr −2 %, private Haushalte und Kleinverbraucher +3,2 % (kälteres Wetter), Landwirtschaft unverändert
  • Im Rheinischen Revier stehen die Braunkohlekraftwerke Neurath und Niederaußem, über Jahre Platz 2 und 3 der größten Einzelquellen im EU-Emissionshandel hinter Bełchatów in Polen; 2018 emittierten sie 32,2 und 25,9 Mio. t CO₂ (Sandbag nach EU-ETS-Daten)
  • Am 31. März 2024 gingen Neurath C, D, E und Niederaußem E, F endgültig vom Netz, am 1. Januar 2025 Weisweiler F (RWE)
Einordnung

Was der Fall zeigt

Ein Bundesland steht für rund 26 % der deutschen Treibhausgase (171,5 von 648,9 Mio. t), vor allem wegen Braunkohle und Schwerindustrie. NRW senkte seine Emissionen 2025 um rund 7 Mio. t, Deutschland insgesamt nur um rund 0,6 Mio. t. Rechnerisch stiegen die Emissionen im übrigen Bundesgebiet damit um gut 6 Mio. t oder rund 1,4 %; das ist ein grober Wert, weil die vorläufige NRW-Landesbilanz (LANUK, Quellenbilanz) und das UBA-Inventar unterschiedlich abgrenzen. Der Fall zeigt, wie konzentriert die Emissionen der Energiewirtschaft sind: Sie sinken in Stufen, wenn einzelne Kraftwerksblöcke vom Netz gehen, und solche Stufen können Zuwächse anderswo überdecken. Den beschlossenen Ausstieg aus der Braunkohle im Rheinischen Revier bis 2030 ordnet der Leitartikel zur Dekarbonisierung in allen Sektoren ein.

Wie viel muss jeder Sektor bis 2030 noch mindern?

Das Klimaziel 2030 entscheidet sich im Verkehr und in der Energiewirtschaft: Beide müssen bis 2030 zusammen rund 142 Mio. t CO₂-Äq. mindern, gut zwei Drittel der gesamten Lücke von 211 Mio. t. Der Verkehr lag 2025 mit 146,3 Mio. t bereits 23,3 Mio. t über seiner Jahresemissionsmenge nach KSG, der Gebäudesektor 11,4 Mio. t.

goClimate-Rechnung
goClimate-Rechnung: Lücke je Sektor zwischen 2025 und der Jahresemissionsmenge 2030
SektorIst 2025KSG-Menge 2025KSG-Menge 2030nötige Minderung bis 2030pro Jahr
Energiewirtschaft189,1nicht ausgewiesen10881,1 (−42,9 %) 16,2
Verkehr146,31238561,3 (−41,9 %) 12,3
Gebäude103,4926736,4 (−35,2 %) 7,3
Industrie144,115711826,1 (−18,1 %) 5,2
Landwirtschaft60,863564,8 (−7,9 %) 1,0
Abfall und Sonstiges5,1741,1 (−21,6 %)0,2
Gesamt648,9–438210,9 (−32,5 %)42,2

So haben wir gerechnet: Ist-Werte 2025 (UBA) minus Jahresemissionsmenge 2030 nach Anlage 2a KSG, alle Werte in Mio. t CO₂-Äq.; „pro Jahr“ verteilt die Minderung linear auf fünf Jahre (2026 bis 2030). Annahmen: Die Sektormengen sind seit 2024 nicht mehr einzeln verbindlich, gelten hier aber als Maßstab; Abweichungen zwischen Sektoren könnten sich ausgleichen. Die Summe 438 Mio. t entspricht −65 % gegenüber rund 1.253 Mio. t im Jahr 1990. Quellen: UBA (14.03.2026), KSG Anlage 2a.

Zum Vergleich: Von 2024 auf 2025 sanken die Gesamtemissionen um rund 0,6 Mio. t, nötig wären im Schnitt rund 42 Mio. t pro Jahr. Die Industrie liegt mit 144,1 Mio. t schon deutlich unter ihrer Jahresmenge für 2025 (157 Mio. t), das UBA projiziert für 2030 sogar 116,5 Mio. t und damit weniger als die erlaubten 118 Mio. t. Dieser Vorsprung entsteht allerdings überwiegend durch geringere Produktion. In der Summe projiziert das UBA mit bestehenden Maßnahmen −62,6 % bis 2030; das sind rund 469 statt 438 Mio. t, eine Lücke von rund 30 Mio. t. Das Klimaschutzprogramm 2026 soll mit 67 Maßnahmen mehr als 27 Mio. t schließen.

Wie unterscheiden sich die Sektoren in Deutschland und der EU?

In der EU ist der Verkehr seit 2023 der größte Emissionssektor, in Deutschland liegt er knapp hinter der Energiewirtschaft. Der Inlandsverkehr verursachte 2023 laut Europäischer Umweltagentur (EEA) 24,5 % der EU-Emissionen und lag 17,9 % über dem Niveau von 1990.

Anteile der Sektoren: Deutschland 2025 und EU 2023
SektorDeutschland 2025EU 2023Veränderung EU seit 1990
Verkehr (Inland)22,5 %24,5 %+17,9 %
Industrie22,2 %19 %−46,4 %
Gebäude (Haushalte, Gewerbe)15,9 %14 %−38,6 %
Landwirtschaft9,4 %11 %−25,4 %
Energiewirtschaft, Abfall, Sonstiges29,9 %rund 31,5 %Energieversorgung mehr als halbiert

Deutschlands Emissionen kommen anteilig stärker aus der Industrie und etwas weniger aus Verkehr und Landwirtschaft als im EU-Durchschnitt. Abgrenzungen von UBA (KSG-Sektoren) und EEA unterscheiden sich leicht; EU-Restwert eigene Rechnung (100 % minus genannte Sektoren). Quellen: UBA (14.03.2026), EEA Trends and projections in Europe 2025.

Fallbeispiel

Europäische Union: Verkehr als einziger großer Sektor über 1990 (Stand EEA 2025)

  • Inlandsverkehr 2023: 24,5 % der EU-Treibhausgase, mit internationalem Luft- und Seeverkehr 28,8 %; seit 2023 größter Sektor (EEA)
  • Inlandsverkehr 2023: +17,9 % gegenüber 1990, aber 5,9 % unter 2005
  • Industrie −46,4 %, Gebäude −38,6 %, Landwirtschaft −25,4 % gegenüber 1990; Energieversorgung mehr als halbiert
  • EU-weit sanken die Verkehrsemissionen 2025 um 0,9 % (−7,3 Mio. t), der größte absolute Rückgang aller Sektoren (EDGAR 2026)
  • Ab 2028 erfasst der zweite EU-Emissionshandel (ETS 2) Brennstoffe für Straßenverkehr und Gebäude
Einordnung

Was der Fall zeigt

In der EU sind alle großen Sektoren seit 1990 gesunken, nur der Verkehr ist gewachsen. Sparsamere Motoren wurden durch mehr Fahrzeuge, mehr Kilometer und schwerere Autos aufgezehrt. Deutschland ist kein Sonderfall, sondern ein typisches Beispiel: Auch hier liegt der Verkehr 2025 kaum unter 1990 und als einziger großer Sektor deutlich über seinem Pfad. Für Unternehmen folgt daraus, dass Fuhrpark, Dienstreisen und Logistik die Bilanzposten sind, bei denen ohne eigene Maßnahmen keine Minderung „von außen“ kommt, anders als beim Strom. Mit dem ETS 2 ab 2028 bekommen diese Emissionen EU-weit einen Marktpreis.

Welche Sektoren und Branchen verursachen weltweit die meisten Emissionen?

Weltweit verursacht die Energieversorgung, also Strom, Wärme und die Förderung und Aufbereitung von Brennstoffen, die meisten Treibhausgase. Nach dem 6. Sachstandsbericht des IPCC stammten 2019 rund 34 % der Netto-Emissionen aus der Energieversorgung, 24 % aus der Industrie, 22 % aus Land-, Forstwirtschaft und Landnutzung, 15 % aus dem Verkehr und 6 % aus Gebäuden.

Treibhausgas-Emissionen weltweit nach Sektoren 2019
SektorAnteil direktMrd. t CO₂-Äq.Anteil inkl. Strom und Wärme beim Verbraucher
Energieversorgung34 % 20nicht separat
Industrie24 % 1434 %
Land- und Forstwirtschaft, Landnutzung (AFOLU)22 % 1322 %
Verkehr15 % 8,715 %
Gebäude6 % 3,316 %

Ordnet man Strom und Wärme den Verbrauchern zu, ist die Industrie mit rund einem Drittel der größte Verursacher, Gebäude steigen von 6 auf 16 %. Rundungsdifferenzen möglich. Quelle: IPCC AR6 WGIII, Summary for Policymakers, B.2.1 (2022).

Neuere Zahlen bestätigen das Bild. Laut EDGAR-Bericht 2026 blieb die Strom- und Wärmeerzeugung („power industry“) 2025 mit knapp 30 % der weltweiten Treibhausgase der dominierende Sektor; ihre Emissionen sanken leicht um 0,3 %. Am stärksten stiegen die Prozessemissionen, etwa aus Zement- und Chemieanlagen, um 2,1 %. Weltweit erreichten die Treibhausgase 2025 rund 54,1 Mrd. t CO₂-Äq. ohne Landnutzung.

Die Sektorstruktur hängt stark vom Land ab. In China stammten 2025 laut EDGAR 50,3 % des CO₂ aus der Stromerzeugung, 20,4 % aus Industriefeuerungen und 10,3 % aus Industrieprozessen, nur 8,3 % aus dem Verkehr. In den USA sank das CO₂ der Stromerzeugung von 2005 bis 2020 um 39,6 %, das des Verkehrs um 17,1 %. Die größten Verursacher-Branchen weltweit sind damit Kohle- und Gaskraftwerke, die Stahl-, Zement- und Chemieindustrie, der Straßenverkehr sowie die Rinderhaltung und der Reisanbau, die vor allem Methan freisetzen. Wie sich die Emissionen auf Länder verteilen, zeigt die Seite zum CO₂-Ausstoß nach Ländern und pro Kopf.

Was bedeutet die Sektorlogik für Unternehmen?

Für Unternehmen zählen nicht die KSG-Sektoren, sondern Scope 1, 2 und 3; beide Sichtweisen lassen sich aber zuordnen. Was in der Statistik bei der Energiewirtschaft steht, erscheint in der Unternehmensbilanz als Scope 2, was beim Verkehr steht, als Scope 1 (eigener Fuhrpark) oder Scope 3 (Logistik, Dienstreisen, Pendeln).

  • Energiewirtschaft → Scope 2: Wenn Kraftwerke vom Netz gehen und der Ökostromanteil steigt, sinkt der standortbasierte Emissionsfaktor des Stroms für alle Kunden. Eigene Maßnahmen bleiben trotzdem nötig, etwa Eigenerzeugung mit Solarenergie oder Lieferverträge.
  • Gebäude und Prozesswärme → Scope 1: Gas- und Ölkessel in eigenen Gebäuden und Produktionsanlagen sinken nicht von selbst. Für Gebäude und Verkehr gilt bis 2027 der nationale CO₂-Preis nach dem Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG), ab 2028 der ETS 2; die Details stehen auf der Seite zum Emissionshandel.
  • Verkehr → Scope 1 und 3: Fuhrpark, Lieferverkehre und Geschäftsreisen sind der Bereich, in dem die Statistik am wenigsten Rückenwind liefert. Für Dienstwagen hilft der CO₂-Rechner für Autofahrten, für Reisen der CO₂-Rechner für Flüge.
  • Industrie → Scope 3 der Kunden: Wer Stahl, Zement, Chemikalien oder Papier einkauft, trägt deren Emissionen in Scope 3, Kategorie 1. Die Branchentabelle oben zeigt, wo diese Emissionen entstehen.
  • Berichterstattung: Wer nach VSME, DNK oder ESRS berichtet, sollte Rückgänge erklären: Stammen sie aus eigenen Maßnahmen oder aus einem sinkenden Strom-Emissionsfaktor? Der Fall Nordrhein-Westfalen zeigt, wie stark Kraftwerksstilllegungen die Zahlen verändern.

Wie entwickeln sich die Sektoren bis 2030 und 2045?

Bis 2030 sinken die Emissionen nach Projektion des Umweltbundesamts in allen Sektoren, aber nicht schnell genug: Mit den bestehenden Maßnahmen erreicht Deutschland −62,6 % statt −65 % und bis 2040 rund −80 % statt −88 %. Netto-Treibhausgasneutralität ist für 2045 vorgeschrieben, ab 2050 sollen die Emissionen netto negativ sein.

Die Energiewirtschaft hat mit dem Kohleausstieg und dem Ausbau von Windenergie und Photovoltaik den klarsten Pfad. Im Gebäudesektor hängt die Entwicklung an Heizungstausch und Wärmenetzen, die das Klimaschutzprogramm 2026 unter anderem mit einer auf 2,7 Mrd. € im Jahr 2030 steigenden Wärmenetzförderung unterstützt. Die Industrie erhält zusätzlich 2,9 Mrd. € für Prozesswärme, Elektrifizierung und Kreislaufwirtschaft. Für den Verkehr ist bisher kein Instrument in Sicht, das die Lücke von über 60 Mio. t bis 2030 allein schließt. Auf EU-Ebene gilt ab 2040 das Ziel −90 % netto gegenüber 1990, davon bis zu 5 Prozentpunkte über internationale Gutschriften ab 2036.

Häufige Fragen zu Emissionen nach Sektoren

Welcher Sektor verursacht in Deutschland die meisten CO₂-Emissionen?

Die Energiewirtschaft mit 189,1 Mio. t CO₂-Äquivalenten im Jahr 2025, das sind 29,1 % der deutschen Treibhausgase. Danach folgen Verkehr (146,3 Mio. t), Industrie (144,1 Mio. t), Gebäude (103,4 Mio. t) und Landwirtschaft (60,8 Mio. t).

Welche Branchen sind die größten CO₂-Verursacher?

In Deutschland sind es Braunkohle- und Steinkohlekraftwerke, gefolgt von Stahl (30,0 Mio. t CO₂ im Emissionshandel 2025), Zement, Kalk und Glas (26,5 Mio. t), Raffinerien (20,8 Mio. t) und Chemie (13,3 Mio. t). Weltweit dominieren Strom- und Wärmeerzeugung, Stahl, Zement, Chemie, Straßenverkehr und Rinderhaltung.

Wie verteilen sich die CO₂-Emissionen weltweit nach Sektoren?

Nach dem IPCC stammten 2019 rund 34 % der Treibhausgase aus der Energieversorgung, 24 % aus der Industrie, 22 % aus Land- und Forstwirtschaft und Landnutzung, 15 % aus dem Verkehr und 6 % aus Gebäuden. Rechnet man Strom und Wärme den Verbrauchern zu, steigt die Industrie auf 34 % und Gebäude auf 16 %.

Welcher Sektor liegt in Deutschland am weitesten hinter seinem Ziel?

Der Verkehr. Er emittierte 2025 146,3 Mio. t CO₂-Äquivalente, 23,3 Mio. t mehr als seine Jahresemissionsmenge von 123 Mio. t nach Klimaschutzgesetz; bis 2030 müsste er auf 85 Mio. t sinken. Auch der Gebäudesektor lag 2025 mit 103,4 Mio. t über seiner Menge von 92 Mio. t.

Warum sind die Emissionen der Industrie 2025 gesunken?

Vor allem wegen geringerer Produktion energieintensiver Branchen. Die Industrieemissionen sanken um 3,8 % auf 144,1 Mio. t CO₂-Äquivalente, die Primärstahlerzeugung ging um rund 10 % zurück. Rund zwei Drittel der Industrieemissionen stammen aus fossilen Brennstoffen für Öfen und Prozesswärme.