Glossar

Energieaudit-Pflicht: Wer muss ein Energieaudit durchführen?

Wer heute zum Energieaudit verpflichtet ist, was der Gesetzentwurf mit 2,77 GWh ändert, welche Fristen und Bußgelder gelten. Mit Selbstcheck.

Von Johanna Jung · aktualisiert am · 13 Min. Lesezeit

Kurz erklärt

Die Energieaudit-Pflicht ist die Pflicht nach § 8 EDL-G, alle vier Jahre ein Energieaudit durchzuführen. Sie gilt heute für alle Unternehmen, die keine KMU sind. Befreit ist, wer ISO 50001 oder EMAS betreibt. Ein Regierungsentwurf will die Pflicht an den Energieverbrauch statt an die Unternehmensgröße knüpfen.

Pflichtkreis heute
Nicht-KMUab 250 Beschäftigten oder über 50 Mio. € Umsatz und 43 Mio. € Bilanzsumme
Pflichtkreis laut Entwurf
über 2,77 GWhØ der letzten drei Kalenderjahre, BT-Drs. 21/8027, nicht in Kraft
Bußgeld heute
bis 50.000 €§ 12 EDL-G

Wer ist heute zum Energieaudit verpflichtet?

Zum Energieaudit verpflichtet ist nach § 8 Energiedienstleistungsgesetz (EDL-G) jedes Unternehmen, das nicht unter die KMU-Definition der EU fällt. Es muss erstmals seit dem 5. Dezember 2015 und danach mindestens alle vier Jahre ein Energieaudit nach DIN EN 16247-1 durchführen, sofern es kein zertifiziertes Energiemanagementsystem nach ISO 50001 oder kein validiertes Umweltmanagementsystem nach EMAS betreibt.

Maßgeblich ist nicht die Branche und nicht der Energieverbrauch, sondern allein die Unternehmensgröße. Ein Bürodienstleister mit 300 Beschäftigten ist deshalb heute auditpflichtig, ein energieintensiver Gießereibetrieb mit 180 Beschäftigten und 45 Mio. € Umsatz nicht. Für sehr kleine Verbräuche gibt es eine Erleichterung: Nicht-KMU mit einem Gesamtenergieverbrauch von höchstens 500.000 kWh pro Jahr müssen kein vollständiges Audit erstellen, sondern ihren Verbrauch nur feststellen und dem BAFA melden (Bagatellgrenze). Die Pflicht selbst bleibt bestehen.

Seit 18. November 2023 kommen Pflichten aus dem Energieeffizienzgesetz (EnEfG) hinzu, die am Energieverbrauch ansetzen: Unternehmen mit mehr als 7,5 GWh durchschnittlichem Gesamtendenergieverbrauch müssen ein Energie- oder Umweltmanagementsystem einführen, solche mit mehr als 2,5 GWh müssen Umsetzungspläne für wirtschaftliche Einsparmaßnahmen erstellen, prüfen lassen und veröffentlichen. Was ein Energieaudit genau umfasst, beschreibt die Seite Was ist ein Energieaudit?.

Wie prüfen Sie, ob Ihr Unternehmen ein KMU ist?

Ein Unternehmen ist nach der Empfehlung 2003/361/EG der EU-Kommission ein KMU, wenn es weniger als 250 Personen beschäftigt und entweder höchstens 50 Mio. € Jahresumsatz oder höchstens 43 Mio. € Jahresbilanzsumme erreicht. Wer eine der beiden Bedingungen verfehlt, ist Nicht-KMU und damit heute auditpflichtig.

KMU-Test nach Empfehlung 2003/361/EG
Beschäftigteweniger als 250 (Jahresarbeitseinheiten, Teilzeit anteilig)
Jahresumsatzhöchstens 50 Mio. €
oder Jahresbilanzsummehöchstens 43 Mio. €
Verbundene Unternehmen (über 50 % Anteil)Werte zu 100 % addieren
Partnerunternehmen (25 bis 50 %)Werte anteilig addieren
Öffentliche Beteiligungkein KMU, wenn öffentliche Stellen mindestens 25 % halten
Statuswechselerst, wenn Schwellen in 2 aufeinanderfolgenden Jahren über- oder unterschritten werden

Der KMU-Status wird für die gesamte Unternehmensgruppe ermittelt, die Auditpflicht trifft aber jede rechtlich selbstständige Gesellschaft der Gruppe. Quelle: Empfehlung 2003/361/EG, BAFA Merkblatt für Energieaudits.

Zwei Regeln überraschen in der Praxis häufig. Erstens zählt ein kleines Tochterunternehmen eines Konzerns nicht als KMU, weil die Daten der Muttergesellschaft hinzugerechnet werden. Zweitens sind Unternehmen, an denen Kommunen oder andere öffentliche Stellen mindestens 25 % halten, unabhängig von ihrer Größe keine KMU. Stadtwerke, kommunale Wohnungsgesellschaften und Krankenhäuser in öffentlicher Trägerschaft sind deshalb oft auditpflichtig, obwohl sie wenige Beschäftigte haben.

Was ändert sich laut Regierungsentwurf 2026?

Der Regierungsentwurf (Kabinettsbeschluss 24. Juni 2026, BT-Drs. 21/8027 vom 16. September 2026) knüpft die Auditpflicht an den Energieverbrauch: Auditpflichtig wäre jedes Unternehmen mit mehr als 2,77 GWh durchschnittlichem Gesamtendenergieverbrauch der letzten drei abgeschlossenen Kalenderjahre, unabhängig von Beschäftigten, Umsatz und Bilanzsumme. Das Gesetz ist noch nicht beschlossen.

Auditpflicht heute und laut Regierungsentwurf (Stand 9. Oktober 2026)
RegelGilt heute (EDL-G, EnEfG)Soll laut Entwurf gelten (BT-Drs. 21/8027)
Kriterium AuditpflichtUnternehmensgröße: alle Nicht-KMUEnergieverbrauch: mehr als 2,77 GWh pro Jahr (Ø 3 Kalenderjahre)
Kleine Verbräuchebis 500.000 kWh nur Verbrauchsmeldungunter 2,77 GWh keine Auditpflicht
Managementsystempflichtab mehr als 7,5 GWh (§ 8 EnEfG)ab mehr als 23,6 GWh
Umsetzungspläneab mehr als 2,5 GWh, extern geprüft, veröffentlichtmehr als 2,77 und weniger als 23,6 GWh, innerhalb von 3 Monaten nach dem Audit
WirtschaftlichkeitAudit: mindestens Kapitalwertmethode (§ 8a EDL-G); Umsetzungsplan: DIN EN 17463, wirtschaftlich bei positivem Kapitalwert nach höchstens 50 % der Nutzungsdauer, maximal 15 Jahre (§ 9 EnEfG)DIN EN 17463 auch im Audit selbst; Kriterium (50 % der Nutzungsdauer, maximal 15 Jahre) bleibt
Erstes Audit neu Verpflichteterentfällt (Pflicht seit 2015)12 Monate nach Eintritt der Pflicht, frühestens 12 Monate nach Inkrafttreten
BefreiungISO 50001, EMASISO 50001, EMAS, zusätzlich Energieleistungsvertrag während seiner Laufzeit

Der Entwurf verschiebt die Pflicht von großen Unternehmen zu energieintensiven Unternehmen und entlastet zugleich Unternehmen zwischen 7,5 und 23,6 GWh vom Managementsystem. Quelle: BT-Drs. 21/8027 (Gesetzestext), EDL-G, EnEfG, BAFA.

Der Bundestag hat den Entwurf am 24. September 2026 in erster Lesung beraten und an den Ausschuss für Wirtschaft und Energie überwiesen; die Anhörung fand am 5. Oktober 2026 statt. Der Bundesrat hatte am 10. Juli 2026 Stellung genommen und unter anderem verlangt, die Frist für Umsetzungspläne von drei Monaten auf ein Jahr zu verlängern und den Begriff „Unternehmen“ im Gesetz selbst zu definieren, statt ihn wie bisher im BAFA-Merkblatt auszulegen. Bis zur Verkündung gilt das bisherige Recht. Welche weiteren Änderungen das Gesetz enthält, erklärt die Seite zum EDL-G und seiner Novelle 2026.

Welche Unternehmen werden durch die neue Schwelle auditpflichtig?

Künftig entscheidet der Fuhrpark oder der Ofen über die Auditpflicht, nicht mehr die Zahl der Beschäftigten. Eine Spedition mit rund zehn Lkw erreicht 2,77 GWh allein mit Diesel, ein Büro-Dienstleister mit 300 Beschäftigten kann dagegen künftig aus der Pflicht fallen.

goClimate-Rechnung
goClimate-Rechnung: Wie viel Energie sind 2,77 GWh?
Energieträger oder VergleichMenge, die 2,77 GWh entsprichtTypischer Betrieb
Diesel (rund 10 kWh je Liter)rund 277.000 lSpedition mit rund 10 Lkw im Fernverkehr
Erdgas (rund 10 kWh je m³)rund 277.000 m³Bäckerei-Filialbetrieb, Wäscherei, Galvanik
Strom2,77 Mio. kWhKühlhaus, Kunststoffspritzguss, Rechenzentrum mit gut 300 kW Dauerlast
Vergleich Haushalte (3.500 kWh Strom)rund 790 HaushalteJahresstromverbrauch einer Kleinstadtsiedlung

So haben wir gerechnet: 2.770.000 kWh geteilt durch den Energiegehalt (Diesel und Erdgas gerundet rund 10 kWh je Liter bzw. Kubikmeter, Heizwert). Lkw: Annahme 32 l Diesel je 100 km und 90.000 km pro Jahr ergibt 28.800 l je Lkw, also 9,6 Lkw für 2,77 GWh. Der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) nennt ebenfalls rund 277.000 l und eine Betroffenheit ab rund 10 Lkw. Rechenzentrum: 2.770.000 kWh / 8.760 h = 316 kW. Haushalt: 3.500 kWh wie in der BDEW-Strompreisanalyse. Die Spalte „Typischer Betrieb“ ist eine Größenordnung, keine Erhebung.

Fallbeispiel

Transportgewerbe: Stellungnahme des BGL zur Novelle (17. April 2026)

  • Der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) rechnet vor, dass 2,77 GWh etwa 277.000 l Diesel pro Jahr entsprechen und mittelständische Transportunternehmen ab einer Fuhrparkgröße von rund 10 Lkw auditpflichtig würden.
  • Kraftstoffkosten machen nach Verbandsangabe rund ein Drittel der Betriebskosten aus, bei Gewinnmargen von etwa 1 bis 3 %.
  • Der Verband fordert hilfsweise, Kraftstoffe von Betriebsflotten nicht in den Gesamtenergieverbrauch einzurechnen, und dass Audits auch von betriebsinternen Personen erstellt werden dürfen.
Einordnung

Was der Fall zeigt

Unsere Rechnung bestätigt die Größenordnung des Verbands: Mit 32 l je 100 km und 90.000 km pro Jahr reichen 9,6 Lkw. Die neue Schwelle trifft damit eine Branche, die heute fast vollständig aus KMU besteht und bisher nicht auditpflichtig war. Zugleich ist Diesel dort der größte beeinflussbare Kostenblock: Spart ein Betrieb an der Schwelle durch Fahrertrainings und Routenplanung 3 % Kraftstoff, sind das rund 8.300 l pro Jahr. Die Forderung, Kraftstoffe herauszurechnen, würde ausgerechnet den größten Hebel aus dem Audit nehmen. Der Gesetzentwurf greift sie nicht auf.

Wie viele Unternehmen insgesamt über der Schwelle liegen, hat die Bundesregierung zuletzt im Gesetzentwurf von 2024 (BT-Drs. 20/11852) geschätzt: rund 22.800 Unternehmen mit mehr als 2,77 GWh, davon rund 12.400 mit mehr als 7,5 GWh. Für den Entwurf von 2026 mit der höheren Managementsystemschwelle von 23,6 GWh war keine aktualisierte Fallzahl veröffentlicht. Die Kraftstoffverbräuche des Verkehrs ordnet die Seite zu den Emissionen im Verkehr ein.

Welche Fristen gelten für das Energieaudit?

Ein Energieaudit ist alle vier Jahre zu wiederholen, gerechnet ab dem Abschluss des letzten Audits; spätestens zwei Monate nach Abschluss muss das Unternehmen die Online-Erklärung beim BAFA abgeben. Diese Fristen gelten heute und bleiben laut Entwurf erhalten.

Die erste Pflichtwelle endete am 5. Dezember 2015. Unternehmen, die seither im Takt geblieben sind, haben 2019 und 2023 wiederholt; die nächste Runde fällt für sie Ende 2027 an. Wer später Nicht-KMU wurde, rechnet ab seinem eigenen ersten Audit. Für Unternehmen, die erst durch die neue Verbrauchsschwelle pflichtig würden, sieht der Entwurf vor: erstes Audit spätestens zwölf Monate, nachdem sie die Schwelle erreicht haben, frühestens aber zwölf Monate nach Inkrafttreten. Stichtag für die Verbrauchsermittlung ist jeweils der 1. Januar. Tritt das Gesetz etwa zum 1. Januar 2027 in Kraft, wäre das erste Audit eines neu verpflichteten KMU frühestens im Januar 2028 fällig. Ein Inkrafttreten Ende 2026 wird in der Branche erwartet, ist aber nicht gesichert.

Wann sind Unternehmen von der Auditpflicht befreit?

Von der Auditpflicht befreit ist ein Unternehmen, das ein zertifiziertes Energiemanagementsystem nach DIN EN ISO 50001 oder ein Umweltmanagementsystem nach EMAS eingerichtet hat oder nachweislich mit der Einrichtung begonnen hat. Das gilt heute und laut Entwurf weiter.

Ein Umweltmanagementsystem nach ISO 14001 befreit nach geltendem Recht nicht. Der Entwurf ergänzt eine neue Befreiung: Während der Laufzeit eines Energieleistungsvertrags, der die gesetzlichen Anforderungen erfüllt, entfällt die Auditpflicht ebenfalls. Unternehmen unter 500.000 kWh Gesamtverbrauch sind heute nicht befreit, sondern erfüllen ihre Pflicht über die vereinfachte Meldung; nach dem Entwurf lägen sie unter der Schwelle von 2,77 GWh und wären nicht mehr pflichtig. Wie das BAFA Nachweise anfordert und prüft, beschreibt die Seite zur Online-Erklärung und Stichprobenkontrolle beim BAFA.

Welche Folgepflichten hängen am Audit?

An das Audit knüpft seit 2023 der Umsetzungsplan nach § 9 EnEfG an: Unternehmen über 2,5 GWh müssen die als wirtschaftlich bewerteten Maßnahmen in einem Plan zusammenfassen und veröffentlichen. Umsetzen müssen sie die Maßnahmen nicht. Der Plan einer Konzerngesellschaft aus der Energiewirtschaft zeigt, wen die Pflicht trifft und wie klein das Ergebnis ausfallen kann.

Fallbeispiel

Vattenfall Wasserkraft GmbH: Umsetzungsplan nach § 9 EnEfG (Stand August 2026)

  • Die deutsche Wasserkraft-Tochter des Vattenfall-Konzerns veröffentlicht einen eigenen Umsetzungsplan, erstellt am 23.09.2025, aktualisiert am 20.08.2026; er enthält alle Maßnahmen, die nach dem 18.11.2023 identifiziert wurden.
  • Fünf Maßnahmen an Pumpspeicher- und Wasserkraftstandorten, vier davon abgeschlossen, Investitionen zusammen 58.601 €.
  • Beispiele: Austausch von Leuchtstoffröhren gegen LED in Geesthacht (3.323 €, abgeschlossen 2025), Umbau der Warmwasserbereitung in Wendefurth (5.396 €, abgeschlossen 2026), neue Außengeräte der Klimaanlage in Bleiloch (30.000 €, geplant 2027).
  • Priorisierung nach Amortisationszeit: A bis 2 Jahre, B bis 5 Jahre, C bis 7 Jahre; Einsparungen in kWh sind nicht angegeben.
Einordnung

Was der Fall zeigt

Der Fall zeigt zuerst die Konzernlogik: Pflichtig ist nicht der Konzern, sondern jede rechtlich selbstständige Gesellschaft, hier die Wasserkraft-GmbH mit eigenem Plan. Zweitens zeigt er die Größenordnung: Die fünf Maßnahmen kosten zusammen so viel wie rund 4,5 Energieaudits nach der amtlichen Kostenschätzung von 2024, eine einzige Maßnahme macht gut die Hälfte davon aus. Drittens ordnet der Plan nach einfacher Amortisationszeit, während das Gesetz die Wirtschaftlichkeit über den Kapitalwert nach DIN EN 17463 bewertet. Wer einen Umsetzungsplan liest, sollte deshalb nicht die Zahl der Maßnahmen vergleichen, sondern Methode, Einsparung und Anteil der wirtschaftlichen Maßnahmen.

Wie ein Umsetzungsplan mit Wirtschaftlichkeitsbewertung nach DIN EN 17463 in der Praxis aussieht, zeigt das Fallbeispiel eines kommunalen Versorgers auf der Seite Ablauf und Checkliste für das Energieaudit. Für die Novelle verlangt der Bundesrat eine gesetzliche Definition des Unternehmensbegriffs; bisher legt das BAFA in seinen Merkblättern fest, welche Einheit pflichtig ist.

Welche Bußgelder drohen bei Verstößen gegen die Auditpflicht?

Wer ein Energieaudit nicht, nicht richtig oder nicht rechtzeitig durchführt oder die Nachweise nicht vorlegt, handelt ordnungswidrig; das EDL-G sieht dafür heute Geldbußen bis 50.000 € vor (§ 12 EDL-G). Für Verstöße gegen einzelne EnEfG-Pflichten, etwa die Managementsystempflicht, sind Geldbußen bis 100.000 € möglich (§ 19 EnEfG).

Zuständig ist das BAFA. Es wählt Unternehmen per Stichprobe aus und fordert Auditberichte oder Zertifikate an; die Online-Erklärung ersetzt diesen Nachweis nicht. Der Entwurf behält die Stichprobenkontrolle bei und bestimmt das BAFA auch künftig als Bußgeldbehörde. Der Bundesrat hat angeregt, eine Amnestie für Ordnungswidrigkeiten zu prüfen, die allein durch die geänderten Schwellen und Fristen entstünden. Wie viele Stichproben das BAFA zieht und wie oft es Mängel beanstandet, erläutert die Seite zur Rolle des BAFA.

Wie prüfen Sie in fünf Schritten, ob Ihr Unternehmen auditpflichtig ist?

Ob ein Unternehmen auditpflichtig ist, lässt sich mit fünf Fragen klären: KMU-Status, Energieverbrauch, vorhandenes Managementsystem, letzter Audittermin und Veröffentlichungspflichten. Prüfen Sie heute nach geltendem Recht und parallel nach dem Entwurf.

  1. KMU-Status bestimmen

    Beschäftigte, Umsatz und Bilanzsumme der letzten zwei Geschäftsjahre einschließlich verbundener und Partnerunternehmen addieren; öffentliche Beteiligung ab 25 % prüfen. Ergebnis Nicht-KMU: heute auditpflichtig.

  2. Gesamtenergieverbrauch der letzten drei Kalenderjahre ermitteln

    Strom, Gas, Heizöl, Fernwärme und Kraftstoffe aus Rechnungen und Tankkarten in kWh umrechnen und den Durchschnitt bilden. Unter 500.000 kWh: heute nur Verbrauchsmeldung. Über 2,77 GWh: laut Entwurf künftig auditpflichtig, auch als KMU.

  3. Managementsystem prüfen

    Liegt ein gültiges Zertifikat nach ISO 50001 oder eine EMAS-Registrierung vor, entfällt das Audit. Über 7,5 GWh ist ein Managementsystem heute Pflicht, laut Entwurf künftig erst über 23,6 GWh.

  4. Frist berechnen

    Abschlussdatum des letzten Audits plus vier Jahre; Online-Erklärung spätestens zwei Monate nach Abschluss des neuen Audits. Neu Verpflichtete nach Entwurf: frühestens zwölf Monate nach Inkrafttreten.

  5. Folgepflichten klären

    Über 2,5 GWh heute Umsetzungsplan nach § 9 EnEfG erstellen, prüfen lassen und veröffentlichen; laut Entwurf künftig zwischen 2,77 und 23,6 GWh innerhalb von drei Monaten nach dem Audit.

Was bedeutet die Auditpflicht für Unternehmen?

Für heute auditpflichtige Unternehmen ändert sich bis zur Verkündung der Novelle nichts; für energieintensive KMU entsteht voraussichtlich eine neue Pflicht, für Unternehmen zwischen 7,5 und 23,6 GWh eine Wahl zwischen Audit und Managementsystem. Drei Schritte lohnen sich jetzt.

  • Verbrauch sauber erfassen: Die Schwelle von 2,77 GWh bezieht sich auf den Durchschnitt der letzten drei Kalenderjahre. Wer seinen Gesamtenergieverbrauch einschließlich Kraftstoffen nicht kennt, kann weder die Pflicht prüfen noch Scope-1- und Scope-2-Emissionen belastbar berichten. Die Daten dienen zugleich dem Nachhaltigkeitsbericht.
  • Freiwillig vorziehen: KMU, die künftig pflichtig würden, können ein Audit heute über die Bundesförderung EBN mit 50 % bezuschussen lassen, höchstens 3.000 €. Die Richtlinie gilt bis 31. Dezember 2026; ob nach der Novelle auditpflichtige KMU weiter gefördert werden, regelt sie nicht. Details auf der Seite Kosten und Förderung des Energieaudits.
  • Managementsystem überdenken: Unternehmen zwischen 7,5 und 23,6 GWh betreiben heute wegen § 8 EnEfG ein Managementsystem. Nach der Novelle wäre es freiwillig. Wer es beibehält, bleibt vom Audit befreit und hat jährlich Kennzahlen; wer es aufgibt, wird auditpflichtig und muss einen Umsetzungsplan erstellen.

Häufige Fragen zur Energieaudit-Pflicht

Wer muss ein Energieaudit machen?

Nach geltendem Recht (Oktober 2026) jedes Unternehmen, das kein KMU ist: ab 250 Beschäftigten oder mit mehr als 50 Mio. € Umsatz und mehr als 43 Mio. € Bilanzsumme, gerechnet mit verbundenen Unternehmen. Unternehmen mit mindestens 25 % öffentlicher Beteiligung sind ebenfalls keine KMU. Befreit ist, wer ISO 50001 oder EMAS betreibt.

Müssen KMU ein Energieaudit durchführen?

Heute nicht. Laut Regierungsentwurf vom 24. Juni 2026 (BT-Drs. 21/8027) wären künftig auch KMU auditpflichtig, wenn ihr durchschnittlicher Gesamtendenergieverbrauch mehr als 2,77 GWh pro Jahr beträgt. Das Gesetz ist noch nicht beschlossen.

Gilt die neue Auditpflicht ab dem 11. Oktober 2026?

Nein. Der 11. Oktober 2026 ist ein Datum der EU-Richtlinie für die Mitgliedstaaten. In Deutschland gilt bis zur Verkündung der Novelle das bisherige EDL-G. Neu Verpflichtete müssen laut Entwurf ihr erstes Audit frühestens zwölf Monate nach Inkrafttreten vorlegen.

Wie oft muss ein Energieaudit wiederholt werden?

Mindestens alle vier Jahre, gerechnet ab dem Abschluss des letzten Audits. Die Online-Erklärung beim BAFA ist spätestens zwei Monate nach Abschluss des Audits fällig.

Was passiert, wenn man kein Energieaudit durchführt?

Das ist eine Ordnungswidrigkeit, die das BAFA nach § 12 EDL-G mit bis zu 50.000 € ahnden kann. Das BAFA prüft per Stichprobe und fordert Auditbericht oder Zertifikat an; die Pflicht zum Audit bleibt bestehen.

Zählt der Kraftstoff des Fuhrparks zum Energieverbrauch?

Ja. Der Gesamtenergieverbrauch umfasst alle Energieträger einschließlich Kraftstoffen. 2,77 GWh entsprechen rund 277.000 l Diesel, nach Rechnung des Transportverbands BGL dem Verbrauch von rund zehn Lkw.