Glossar

Methan (CH₄): Was ist das und wie stark wirkt es aufs Klima?

Was ist Methan? Eigenschaften, Klimawirkung (GWP 29,8 und 82,5), Quellen weltweit und in Deutschland 2025, EU-Methanverordnung mit Fristen.

Von Johanna Jung · aktualisiert am · 13 Min. Lesezeit

Kurz erklärt

Methan (CH₄) ist der einfachste Kohlenwasserstoff und Hauptbestandteil von Erdgas und Biogas. Es entsteht, wenn organisches Material ohne Sauerstoff abgebaut wird, etwa im Rindermagen, in Deponien und Feuchtgebieten, und entweicht bei der Förderung von Öl, Gas und Kohle. Nach CO₂ ist es das zweitwichtigste menschengemachte Treibhausgas.

Treibhauspotenzial über 100 Jahre
29,8fossil, biogen 27,0; über 20 Jahre 82,5, IPCC AR6
Konzentration in der Atmosphäre
1.942 ppbglobales Mittel 2024, 266 % des Werts von 1750, WMO
Methan-Emissionen Deutschland 2025
43,9 Mio. t CO₂-Äq.rund 1,57 Mio. t Methan, 67 % unter 1990, UBA

Was ist Methan?

Methan ist ein Molekül aus einem Kohlenstoffatom und vier Wasserstoffatomen (CH₄), der einfachste Kohlenwasserstoff. Bei Raumtemperatur ist es ein farb- und geruchloses, brennbares Gas, leichter als Luft. Bei vollständiger Verbrennung entstehen CO₂ und Wasser (CH₄ + 2 O₂ → CO₂ + 2 H₂O).

Methan ist der Hauptbestandteil von Erdgas als Energieträger, in H-Gas zu rund 87 bis 99 %. Biogas und Deponiegas enthalten ebenfalls Methan, Deponiegas etwa zur Hälfte. In der Natur bilden Mikroorganismen Methan überall dort, wo organisches Material ohne Sauerstoff zersetzt wird: in Feuchtgebieten, Reisfeldern, im Pansen von Wiederkäuern, in Güllebehältern und im Inneren von Deponien. Fossiles Methan stammt aus Lagerstätten von Erdgas, Erdöl und Kohle.

Steckbrief Methan (CH₄)
SummenformelCH₄, ein Kohlenstoff- und vier Wasserstoffatome
Molare Masse16,04 g/mol
Dichte im Verhältnis zu Luft0,555 (1 bar, 15 °C), also leichter als Luft
Siedepunkt−161,5 °C; so tief wird Erdgas für den Transport als LNG gekühlt
Zündtemperatur595 °C
Explosionsbereich in Luft4,4 bis 17 Vol.-%
Lebensdauer in der Atmosphäre11,8 Jahre (IPCC AR6)

Methan ist leicht, brennbar und in der Atmosphäre kurzlebig. Quellen: Linde, Produktdatenblatt Methan (2024); Explosionsgrenzen nach GisChem-Datenblatt von BG RCI und BGHM (2026); IPCC AR6 WGI (2021); Methangehalt H-Gas nach glossar__erdgas.md; Deponiegas nach UBA.

Ist Methan gefährlich?

Methan ist nicht giftig, aber gefährlich, weil es mit Luft ab 4,4 Volumenprozent ein explosionsfähiges Gemisch bildet und in geschlossenen Räumen den Sauerstoff verdrängen kann. Deshalb setzen Netzbetreiber dem geruchlosen Erdgas einen Geruchsstoff zu, damit Lecks auffallen.

Im Steinkohlebergbau heißt das Methan Grubengas; mit Luft gemischt bildet es „schlagende Wetter“, die Ursache vieler Grubenunglücke. Auch stillgelegte Bergwerke und Altdeponien geben über Jahrzehnte Methan ab, das kontrolliert abgesaugt und meist zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt wird. In Biogasanlagen, Güllekellern und Kläranlagen kommt hinzu, dass mit dem Methan oft giftiger Schwefelwasserstoff entsteht; Arbeiten in solchen Räumen erfordern Gasmessung und Belüftung.

Wie stark wirkt Methan auf das Klima?

Methan ist der schnellste Hebel gegen die Erwärmung bis 2050: Es wirkt über 20 Jahre rund 80-mal so stark wie CO₂, ist aber nach rund zwölf Jahren weitgehend abgebaut, sodass jede vermiedene Tonne schon innerhalb eines Jahrzehnts die Erwärmung bremst.

Der Weltklimarat beziffert das Treibhauspotenzial im sechsten Sachstandsbericht (AR6) für fossiles Methan auf 29,8 über 100 Jahre und 82,5 über 20 Jahre, für biogenes Methan aus Tieren, Deponien und Biogas auf 27,0 bzw. 80,8; fossiles Methan zählt etwas mehr, weil es beim Abbau zusätzlich CO₂ aus fossilem Kohlenstoff bildet. Staateninventare rechnen nach UN-Regeln noch mit 28 (AR5). Wie Methan im Vergleich zu Lachgas, F-Gasen und CO₂ abschneidet, zeigt die Seite Treibhausgase im Vergleich.

Methan trägt laut Weltorganisation für Meteorologie rund 16 % zum Strahlungsantrieb der langlebigen Treibhausgase bei, nach Angaben der Internationalen Energieagentur ist es für rund 30 % des Temperaturanstiegs seit der Industrialisierung verantwortlich. Die Kurzlebigkeit macht den Unterschied: Von 1 t Methan, die heute entweicht, sind nach 12 Jahren noch rund 36 % in der Luft, nach 36 Jahren rund 5 % (eigene Rechnung mit 11,8 Jahren Lebensdauer, vereinfacht exponentiell). Eine Tonne CO₂ bleibt dagegen zu einem großen Teil Jahrhunderte. Das Global Methane Assessment von UNEP und der Climate and Clean Air Coalition kam am 6. Mai 2021 zu dem Ergebnis, dass bis zu 45 % weniger menschengemachtes Methan in diesem Jahrzehnt bis 2045 fast 0,3 °C Erwärmung vermeiden würden.

Wie viel Methan ist in der Atmosphäre?

Die Methankonzentration erreichte 2024 im globalen Mittel 1.942 ppb (Teile je Milliarde), 266 % des vorindustriellen Werts von 729,2 ppb im Jahr 1750. Methan ist damit relativ stärker gestiegen als CO₂ (152 %) und Lachgas (125 %).

Methan in der Atmosphäre: Messwerte
JahrBezugMethan (ppb)
1750vorindustriell (IPCC AR6, WMO)729,2
2024globales Mittel (WMO)1.942
2025globales Mittel (NOAA, vorläufig)rund 1.936
2025Zugspitze (UBA, Bergstation)rund 2.006

Seit 1750 hat sich die Methankonzentration mehr als verdoppelt. WMO und NOAA nutzen verschiedene Messnetze, 1.936 ppb (NOAA 2025) gegenüber 1.942 ppb (WMO 2024) ist kein Rückgang; die Zugspitze misst als Station auf der Nordhalbkugel höhere Werte als das globale Mittel. Quellen: WMO-Bulletin No. 21 (2025), NOAA (2026), UBA (Stand 09.07.2026).

Der Anstieg hat sich nach einer Pause in den frühen 2000er-Jahren seit 2007 wieder beschleunigt; im Mittel der letzten zehn Jahre stieg die Konzentration um 10,6 ppb pro Jahr (WMO). 2024 wuchs sie nach NOAA um 8,04 ppb, 2025 um 4,77 ppb. Warum der Anstieg so stark schwankt, ist in der Forschung umstritten; diskutiert werden Feuchtgebiete, die auf wärmeres Klima reagieren, Landwirtschaft, fossile Quellen und Änderungen beim Abbau in der Atmosphäre.

Woher stammt das Methan weltweit?

Weltweit gelangten im Mittel der Jahre 2010 bis 2019 rund 575 Mio. t Methan pro Jahr in die Atmosphäre, 2020 rund 608 Mio. t; etwa zwei Drittel davon verursacht der Mensch, vor allem über Landwirtschaft und Abfall sowie über Öl, Gas und Kohle. Die größte natürliche Quelle sind Feuchtgebiete und Binnengewässer.

Globale Methanquellen (Mio. t Methan pro Jahr, Mittel 2010–2019)
QuelleMio. t pro JahrAnteil an den menschengemachten Quellen
Landwirtschaft und Abfall (Tiere, Reis, Deponien, Abwasser)228 rund 62 %
Fossile Brennstoffe (Öl, Gas, Kohle)115 rund 31 %
Verbrennung von Biomasse und Biokraftstoffen27 rund 7 %
Menschengemacht gesamt369100 %
Feuchtgebiete und Binnengewässer (natürlich, andere Methode)248 entfällt

Landwirtschaft und Abfall verursachen fast zwei Drittel des menschengemachten Methans, die fossilen Energien knapp ein Drittel. Menschengemachte Quellen nach atmosphärischen Inversionsrechnungen (top-down), Feuchtgebiete nach Inventarmethode (bottom-up); beide Methoden sind nicht addierbar. Anteile eigene Rechnung. Quelle: Saunois et al., Global Methane Budget 2000–2020, Earth System Science Data (2025).

Für den Energiesektor nennt die Internationale Energieagentur (IEA) im Global Methane Tracker 2026 für 2025 rund 124 Mio. t Methan aus fossilen Brennstoffen: 45 Mio. t aus Öl, 43 Mio. t aus Kohle und 36 Mio. t aus Gas, dazu rund 20 Mio. t aus Bioenergie. Mehr als 35 Mio. t davon, rund 30 %, ließen sich laut IEA ohne Nettokosten vermeiden, weil das aufgefangene Gas verkauft werden kann.

goClimate-Rechnung
goClimate-Rechnung: Was das ohne Nettokosten vermeidbare Methan der Energiebranche bedeutet
Vermeidbares Methan aus Öl, Gas und Kohlemehr als 35 Mio. t pro Jahr (IEA, 2025)
In CO₂-Äquivalenten über 100 Jahrerund 1.043 Mio. t (35 × 29,8)
Im Vergleich zu Deutschlands Emissionen 2025rund 1,6-mal die 648,9 Mio. t
In CO₂-Äquivalenten über 20 Jahrerund 2.888 Mio. t (35 × 82,5), rund 4,4-mal Deutschland
Anteil an den weltweiten Treibhausgasenrund 1,8 % (100 Jahre) der 57,7 Mrd. t des Jahres 2024 (UNEP)

So haben wir gerechnet: vermeidbare Menge mal Treibhauspotenzial für fossiles Methan nach IPCC AR6, verglichen mit den deutschen Gesamtemissionen 2025 (UBA, vorläufig) und den weltweiten Emissionen 2024 einschließlich Landnutzung (UNEP Emissions Gap Report 2025). Annahme: Die IEA-Menge von „mehr als 35 Mio. t“ als Untergrenze. Der Vergleich mit Deutschland mischt AR6 (Methan) und AR5 (Inventar) und dient nur der Größenordnung.

Ohne neue Technik und ohne Mehrkosten ließe sich also jedes Jahr eine Klimawirkung vermeiden, die über 100 Jahre größer ist als alle Emissionen Deutschlands, über 20 Jahre mehr als viermal so groß. Dass es trotzdem nicht geschieht, liegt an fehlenden Pflichten, fehlender Messung und daran, dass sich die Investition für den Betreiber nicht immer lohnt, wenn Leitungen zum Abtransport des Gases fehlen.

Wie viel Methan stößt Deutschland aus?

Deutschland stieß 2025 nach vorläufigen Daten des Umweltbundesamts 43,9 Mio. t CO₂-Äquivalente Methan aus, das sind rund 1,57 Mio. t Methan und 6,8 % aller Treibhausgase. Gegenüber 1990 mit rund 4,8 Mio. t ist das ein Rückgang um 67 %.

Methan in Deutschland nach Quellen: Entwicklung 1990 bis 2025
QuelleVeränderung seit 1990Hauptgrund
Landwirtschaft (fast 76 % des Methans 2025)−27 %kleinere Tierbestände, vor allem nach 1990 in den neuen Ländern
Abfallablagerung (Deponien)−1,3 Mio. t, über −90 %Ablagerungsverbot, Deponiegaserfassung
Diffuse Emissionen aus Brennstoffen−1,3 Mio. t, über −90 %Ende des Steinkohlebergbaus, Leckminderung im Gasnetz
Industrienahezu vernachlässigbarentfällt
Gesamt−67 % (rund −3,2 Mio. t)Anteil an den Treibhausgasen 1990: 10,7 %, 2025: 6,8 %

Bei Deponien und Bergbau hat Deutschland das Methan fast vollständig abgestellt, in der Landwirtschaft nur um gut ein Viertel. Quelle: UBA, Methan-Emissionen (Stand 02.07.2026); Inventar mit GWP 28 (AR5). 1990-Menge eigene Rechnung (43,9 ÷ 0,329 ÷ 28). Das UBA nennt keine Prozentanteile für Abfall und Energie 2025.

Die Landwirtschaft ist damit die mit Abstand größte Methanquelle, rund 1,2 Mio. t im Jahr 2025 (eigene Rechnung), vor allem aus der Verdauung von Rindern und aus Gülle; die Hintergründe stehen auf der Seite zu den Emissionen der Landwirtschaft und dem Methan aus Rindermägen. Wie sich Methan neben CO₂ und Lachgas in der deutschen Gesamtbilanz entwickelt hat, zeigt die Seite zu den Emissionen in Deutschland nach Gasen.

Fallbeispiel

Deutschland: Deponien ohne unbehandelten Siedlungsabfall seit 1. Juni 2005

  • Seit 1. Juni 2005 dürfen nicht vorbehandelte, biologisch abbaubare Siedlungsabfälle nicht mehr deponiert werden; Grundlage war die Abfallablagerungsverordnung von 2001, seit 2009 gilt die Deponieverordnung (UBA; LfU Bayern)
  • 2005 wurden fast 200 ehemalige Hausmülldeponien geschlossen, mehr als die Hälfte; Deponiegas besteht etwa zur Hälfte aus Methan (UBA, Stand 05.04.2016)
  • Die Treibhausgase der Abfallwirtschaft sanken von rund 38 Mio. t CO₂-Äq. 1990 (rund 3 % der Gesamtemissionen) auf rund 11 Mio. t 2015, davon rund 25 Mio. t weniger aus Deponien (UBA, Datenstand 2015); bis 2025 sank die Abfallwirtschaft um 88 % (UBA, Stand 02.07.2026)
  • Aus vor dem Stichtag abgelagerten Abfällen kann noch Jahrzehnte Methan entweichen; die Kommunalrichtlinie des Bundes fördert seit 1. Januar 2022 optimierte Gaserfassung und Belüftung alter Deponien mit in der Regel bis zu 50 % (LfU Bayern)
Einordnung

Was der Fall zeigt

Der Rückgang des Deponie-Methans um 1,3 Mio. t pro Jahr entspricht im Inventar 36,4 Mio. t CO₂-Äq., gut siebenmal so viel, wie der Sektor Abfall und Sonstiges 2025 insgesamt ausstieß (rund 5,1 Mio. t), und über 20 Jahre gerechnet so viel wie der gesamte Gebäudesektor (siehe Rechnung). Das Ablagerungsverbot von 2005 ist, gemessen an der Wirkung, eine der erfolgreichsten Klimaschutzmaßnahmen Deutschlands, obwohl es als Abfallrecht beschlossen wurde. Der Fall zeigt nicht, welcher Anteil auf das Verbot und welcher auf Gaserfassung und Recycling entfällt, und nicht das fossile CO₂ aus der seither stärkeren Müllverbrennung, das im Energiesektor zählt. Für Kommunen und Entsorger folgt daraus: Bei Altdeponien lohnt die geförderte Gaserfassung, solange noch Methan entsteht.

goClimate-Rechnung
goClimate-Rechnung: Wie viel Klimawirkung der Rückgang des Deponie-Methans seit 1990 bedeutet
Bewertung von 1,3 Mio. t Methan pro JahrTreibhauspotenzialMio. t CO₂-Äq. pro Jahr
Inventar (AR5, 100 Jahre)2836,4
IPCC AR6, biogen, 100 Jahre27,035,1
IPCC AR6, biogen, 20 Jahre80,8105,0
Zum Vergleich: Gebäudesektor 2025entfällt103,4
Zum Vergleich: Abfall und Sonstiges 2025entfälltrund 5,1

So haben wir gerechnet: Rückgang des Deponie-Methans laut UBA (−1,3 Mio. t gegenüber 1990) mal Treibhauspotenzial. Deponiemethan ist biogen, deshalb die AR6-Werte für nicht fossiles Methan. Annahme: Der Rückgang gilt als jährliche Differenz zum Stand 1990. Quellen: UBA (Methan-Emissionen, Stand 02.07.2026; Sektorwerte 2025, Hintergrundpapier 14.03.2026), IPCC AR6.

Wie viel Methan entweicht bei Erdgas, Öl und Kohle?

Bei Förderung, Aufbereitung und Transport fossiler Energien entwichen 2025 weltweit rund 124 Mio. t Methan, durch Lecks an Ventilen, Kompressoren und Leitungen, durch gezieltes Ablassen von Gas (Venting), unvollständiges Abfackeln und aus Kohlegruben. Bei Erdgas entscheidet diese Vorkette über den Klimavorteil gegenüber Kohle.

Deutschland muss sein Erdgas fast vollständig importieren, seit 2022 zu einem größeren Teil als Flüssigerdgas (LNG), dessen Lieferkette zusätzlich Energie für Verflüssigung und Schiffstransport braucht. Wie stark wenige Prozent Methanschlupf die Bilanz verändern, rechnet die Seite zu den Emissionen von Erdgas, Methanschlupf und LNG vor. Große Lecks lassen sich heute aus dem All erkennen: Satelliten erfassen Methanwolken über Förderfeldern, Pipelines, Kohlegruben und Deponien.

Fallbeispiel

UNEP-Satellitenwarnsystem MARS: Warnungen und Antworten (Stand 2025/2026)

  • Das Methane Alert and Response System (MARS) der Internationalen Methan-Emissions-Beobachtungsstelle (IMEO) des UN-Umweltprogramms meldet seit 2022 per Satellit entdeckte große Methanquellen an Regierungen und Unternehmen (UNEP)
  • Bis Oktober 2025 verschickte MARS mehr als 3.500 Warnungen in 33 Länder; die Antwortquote stieg von 1 % auf 12 %, fast 90 % blieben unbeantwortet (UNEP, 22.10.2025)
  • Bis Oktober 2025 waren 25 Minderungsfälle in zehn Ländern dokumentiert; die MARS-Übersicht 2026 nennt seit dem Start über 40 Fälle, deren Quellen nach UNEP-Schätzung zusammen rund 1,2 Mio. t Methan freigesetzt hatten, ohne Angabe, ob als Jahresrate oder Summe
  • Der Oil and Gas Methane Partnership 2.0 gehören 153 Unternehmen mit 42 % der weltweiten Öl- und Gasproduktion an; ihr Berichtsrahmen ist Grundlage der EU-Methanverordnung (UNEP, 22.10.2025)
Einordnung

Was der Fall zeigt

Die rund 1,2 Mio. t Methan aus den über 40 gelösten Fällen entsprechen mit dem fossilen Treibhauspotenzial rund 36 Mio. t CO₂-Äq.; selbst wenn das die Summe seit 2022 ist, wären es im Mittel rund 0,4 Mio. t pro Jahr, ein Viertel des deutschen Methans (rund 1,57 Mio. t). Das Methanproblem der Öl- und Gasbranche ist weniger ein Messproblem als ein Reaktionsproblem: Satelliten sehen die großen Lecks, aber fast neun von zehn Warnungen bleiben unbeantwortet. Für Gaseinkäufer in Deutschland, das fast sein ganzes Erdgas importiert, sind Herkunft, OGMP-2.0-Berichte und MARS-Meldungen deshalb ein Prüfstein, den die EU-Methanverordnung ab 2027 verbindlich macht. Der Fall zeigt nicht, wie viel Methan unterhalb der Nachweisgrenze der Satelliten entweicht; viele kleine Lecks erfassen nur Messungen vor Ort.

Was regelt die EU-Methanverordnung und welche Fristen gelten?

Die EU-Methanverordnung (EU) 2024/1787 vom 13. Juni 2024, in Kraft seit 4. August 2024, verpflichtet Betreiber in der Öl-, Gas- und Kohlewirtschaft zu Messung, Lecksuche und Reparatur, verbietet routinemäßiges Ablassen und Abfackeln und verlangt ab 2027 von Importeuren gleichwertige Nachweise ihrer Lieferanten.

Steckbrief EU-Methanverordnung: Pflichten und Fristen (Stand Oktober 2026)
RechtsaktVerordnung (EU) 2024/1787 vom 13.06.2024, ABl. L vom 15.07.2024, in Kraft seit 04.08.2024
Lecksuche und Reparatur (LDAR)Programme für bestehende Anlagen bis 05.05.2025, neue Anlagen binnen 6 Monaten; Reparatur unmittelbar, spätestens 5 Tage nach Feststellung, vollständig binnen 30 Tagen
Ablassen und AbfackelnVenting und routinemäßiges Flaring im Öl- und Gassektor verboten (Art. 15, ohne eigenes Anfangsdatum, also seit Inkrafttreten); Ausnahmen nur in Not- und Störfällen oder wenn unvermeidbar; Abfackeln nur, wenn Nutzung, Wiedereinpressen oder Abtransport technisch nicht möglich ist; Umsetzungsfrist nach Art. 15 Abs. 8 für bestehende Anlagen bis 05.02.2026
KohleDrainagestationen ab 2025 ohne Venting/Flaring; Abwetterschächte ab 2027 (Ausnahmen); Gruben über 3 t Methan je 1.000 t Kohle ab 01.01.2031; stillgelegte Gruben ab 01.01.2030
Importeureab 01.01.2027 gleichwertige Messung, Berichterstattung und Prüfung bei Verträgen ab 04.08.2024; ab 2030 Höchstwerte für die Methanintensität
Stand 2026Kommissionsempfehlungen vom 20.07.2026: Pflichten der Jahre 2027–2029 für Importeure außer bei Betrug nicht sanktionieren, Überprüfung bis 01.01.2028; Pflichten gelten unverändert

Die Verordnung regelt Betreiber und Importe, nicht Gaskunden. Quellen: EUR-Lex; Europäisches Parlament, Legislative Observatory; EU-Kommission, GD Energie (Stand 22.09.2026); HSF Kramer (06.08.2026).

Tschechien und die Slowakei forderten am 19. Juni 2026 im Rat, die Importeurspflichten um mindestens drei Jahre zu verschieben; einen Änderungsvorschlag der Kommission gab es bis 12. Oktober 2026 nicht. Die Einzelheiten zu Importen, Nachweiswegen und LNG stehen auf der Seite zur Methanverordnung für Gasimporte. International gilt seit der Klimakonferenz in Glasgow am 2. November 2021 der Global Methane Pledge: 159 Staaten und die EU-Kommission wollen die weltweiten Methanemissionen bis 2030 um mindestens 30 % gegenüber 2020 senken. Die Zusage ist freiwillig und nennt keine Länderziele.

Was ist Methanschlupf bei Biogas und Kläranlagen?

Methanschlupf ist Methan, das in Biogas-, Biomethan- und Kläranlagen unverbrannt entweicht, etwa aus undichten Folienhauben, offenen Gärrestlagern, Überdruckventilen oder dem Abgas von Blockheizkraftwerken. Weil biogenes Methan über 20 Jahre rund 80-mal so stark wirkt wie CO₂, können wenige Prozent Verlust den Klimavorteil aufzehren.

Das CO₂ aus der Verbrennung von Biogas zählt nicht, weil die Pflanzen es zuvor gebunden haben; das entwichene Methan zählt dagegen voll. Nach der goClimate-Rechnung auf der Seite zu Biogas und seinem Methanschlupf schadet Biomethan ab rund 3,3 % Schlupf über 20 Jahre dem Klima mehr als Erdgas bei der Verbrennung. Eine dänische Messkampagne an 80 Anlagen fand 2024/2025 produktionsgewichtet 2,8 % Verlust, mit großer Spanne. Gülle, die in gasdichten Anlagen vergoren wird, kann dagegen mehr Methan vermeiden, als sie verliert, weil sie sonst offen lagern würde.

Was bedeutet Methan für Unternehmen?

Für die meisten Unternehmen steckt Methan nicht im eigenen Schornstein, sondern in der Lieferkette: in der Vorkette von Erdgas, in Milch, Käse und Rindfleisch und im Abfall. In Scope 1 taucht es nur auf, wo ein Betrieb selbst Tiere hält, Biogas oder Klärschlamm vergärt oder Gas transportiert.

  • Scope 1: Methanverluste aus eigenen Biogas-, Kläranlagen und Güllelagern, Leckagen in Gasnetzen von Stadtwerken, Tierhaltung in landwirtschaftlichen Betrieben. Verbranntes Erdgas zählt dagegen als CO₂: rund 181 g je kWh laut Gasrechnung (Brennwert) bzw. 201 g je kWh Heizwert; Gasrechnungen weisen kWh nach Brennwert aus, Emissionsstatistiken rechnen meist mit dem Heizwert.
  • Scope 3, Kategorie 3: Methan aus Förderung und Transport des eingekauften Erdgases; dafür einen Emissionsfaktor mit Vorkette wählen und Quelle sowie Zeithorizont angeben. Wie die Kategorien abgegrenzt sind, erklärt die Seite zu Scope 1, 2 und 3 mit allen 15 Kategorien.
  • Scope 3, Kategorie 1 und 5: Methan aus der Rinderhaltung steckt in eingekauften Lebensmitteln, besonders in Rindfleisch, Milch und Käse; Kantinen, Hotels und Lebensmittelhersteller finden die Werte je Kilogramm auf der Seite zu den CO₂-Emissionen von Lebensmitteln. Abfall zur Deponie verursacht mehr Methan als Abfall zur Verwertung.
  • Berichten: In Berichten nach ESRS, nach dem freiwilligen Standard VS (Nachfolger des VSME) oder nach DNK Methan als Teil der CO₂-Äquivalente ausweisen und den GWP-Satz nennen; Methan zählt nach AR6 fossil mit 29,8, im Inventar mit 28. Wie eine Bilanz Schritt für Schritt entsteht, beschreibt der Ratgeber zur CO₂-Bilanz für Unternehmen.

Wie lässt sich Methan am schnellsten mindern?

Am schnellsten sinkt Methan dort, wo es an wenigen Punkten entweicht: an Öl- und Gasanlagen durch Lecksuche, Reparatur und den Verzicht auf Ablassen, an Kohlegruben und Deponien durch Gaserfassung. In der Landwirtschaft wirken Fütterung, gasdichte Güllelager und die Zahl der Tiere.

  • Energie: Lecksuche mit Kameras und Drohnen, Austausch undichter Ventile, Abfackeln oder Nutzung statt Ablassen; die IEA hält mehr als 35 Mio. t pro Jahr ohne Nettokosten für vermeidbar.
  • Abfall: keine organischen Abfälle auf Deponien, Gaserfassung und Belüftung von Altdeponien, Vergärung von Bioabfall.
  • Landwirtschaft: Der Futterzusatz 3-Nitrooxypropanol (Bovaer) ist seit 2022 für Milch- und Zuchtkühe in der EU zugelassen (Durchführungsverordnung (EU) 2022/565); die EU-Kommission beauftragte am 12. Januar 2026 eine neue Bewertung der Tiersicherheit durch die EFSA, deren Ergebnis nach einer Fristverlängerung bis Ende 2026 erwartet wird. Gülle in Biogasanlagen zu vergären senkt Methan aus offenen Lagern.
  • Nachfrage: Weniger Rindfleisch und Milchprodukte senken das Methan in der Lieferkette; der größte Teil des deutschen Methans hängt an Rindern.

Ob der Global Methane Pledge bis 2030 erreicht wird, ist offen: Gemeint sind die menschengemachten Emissionen; bei rund zwei Dritteln der rund 608 Mio. t des Jahres 2020 müssten sie bis 2030 um rund 120 Mio. t pro Jahr sinken (eigene Rechnung, grob, Methodenbasis Global Methane Budget). Die Konzentration stieg 2025 weiter, wenn auch langsamer als 2024. Wie Methan im Rahmen der gesamten Treibhausgasminderung einzuordnen ist, beschreibt die Seite zur Dekarbonisierung aller Sektoren.

Häufige Fragen zu Methan

Was ist Methan?

Methan (CH₄) ist ein farb- und geruchloses, brennbares Gas aus einem Kohlenstoff- und vier Wasserstoffatomen. Es ist Hauptbestandteil von Erdgas und Biogas und nach CO₂ das wichtigste vom Menschen freigesetzte Treibhausgas.

Wie viel schädlicher ist Methan als CO₂?

Fossiles Methan wirkt je Tonne über 100 Jahre 29,8-mal so stark wie CO₂, über 20 Jahre 82,5-mal (IPCC AR6). Biogenes Methan aus Tieren und Deponien liegt mit 27,0 bzw. 80,8 etwas darunter.

Wie lange bleibt Methan in der Atmosphäre?

Methan hat eine Lebensdauer von rund 12 Jahren (11,8 Jahre nach IPCC AR6). Danach ist der größte Teil zu CO₂ und Wasser abgebaut. Deshalb wirkt eine Minderung von Methan schneller als eine gleich große Minderung von CO₂.

Wo entsteht Methan?

Methan entsteht beim Abbau organischen Materials ohne Sauerstoff, etwa in Rindermägen, Gülle, Deponien, Reisfeldern und Feuchtgebieten, und entweicht bei Förderung und Transport von Öl, Gas und Kohle. In Deutschland stammen fast 76 % des Methans aus der Landwirtschaft.

Ist Methan giftig?

Nein, Methan ist nicht giftig. Gefährlich ist es, weil es mit Luft zwischen 4,4 und 17 Volumenprozent explosionsfähig ist und in geschlossenen Räumen den Sauerstoff verdrängen kann. Erdgas wird deshalb mit einem Geruchsstoff versetzt.

Ist Methan dasselbe wie Erdgas?

Nicht ganz. Erdgas besteht überwiegend aus Methan, in H-Gas zu rund 87 bis 99 %, enthält aber auch Ethan, Propan, Stickstoff und CO₂. Biomethan aus Biogas ist chemisch ebenfalls Methan, stammt aber aus Pflanzen, Gülle und Abfällen.